Kommentar nach Zugunglück in Moers: Hauptsache sicher

Nach Zugunglück in Moers : Hauptsache sicher

Moers hatte Glück, in mehrfacher Hinsicht. Als die Feuerwehr am Montag an der Zugunfallstelle eintraf, war der Notfallmanager der Bahn bereits vor Ort. Das ist nicht selbstverständlich.

Liebe Mitmoerser, das Thema „Züge und Sicherheit“ hat uns in dieser Woche schwer beschäftigt. Die gute Nachricht ist: Wir hatten alle großes Glück. Moers ist am Montag einer Katastrophe entgangen. Gegen 8 Uhr, zur besten Berufsverkehrszeit also, entgleisten auf der Bahnstrecke zwischen Xanten und Moers – auf Höhe der Ruhrorter Straße, kurz vor einer Brücke direkt über der A 40 – zwei Wagen eines von Trompet in Richtung Güterbahnhof Moers fahrenden Güterzuges. Die Kessel hatten Propen geladen, ein flüssigen, hoch entzündliches und damit extrem gefährliches Gas.

1978 starben bei einem Propen-Unfall in Spanien 217 Menschen auf einem Campingplatz. In Moers hielten die Wagen zum Glück dicht. Trotzdem: Die Bergung gestaltete sich schwierig. Der Unfallort musste aus Sicherheitsgründen mehrfach weiträumig abgesperrt werden. Davon waren auch die Autobahn und der Bahnstreckenabschnitt zwischen Rheinberg und Rheinhausen – dort fährt die Linie RB 31 der Nordwestbahn – betroffen.

Erfreulich ist auch: Als die Moerser Feuerwehr am Montag an der Unglücksstelle eintraf, war der Notfallmanager der Bahn bereits vor Ort. So konnten die Wehrleute sofort den unter Schock stehenden Lokführer aus dem Führerstand befreien und die Kesselwagen absprühen. So soll das im Idealfall auch sein. Dass das nicht immer funktioniert, hat unter anderem ein Bahnunfall in Meerbusch im Dezember 2017 gezeigt.

Damals kollidierten ein Güter- und ein Personenzug. Die Feuerwehr war auch dort schnell vor Ort, stand aber zunächst hilflos am Gleis, während im Zug verletzte Fahrgäste saßen, weil die Oberleitung noch nicht stromlos geschaltet war. Das können in Deutschland in der Regel nur die 900 Notfallmanager der Bahn. Die sind für 180 Notfallbezirke zuständig und sollen innerhalb von 30 Minuten an der Unfallstelle sein. Da stellt sich für mich schon die Frage, wie es sein kann, dass wir, wie aktuell im Kreis Wesel, über Bedarfspläne diskutieren und von Rettungskräften erwarten, dass sie innerhalb von zwölf bis acht Minuten vor Ort sind, während der Notfallmanager, also die Person, die bei einem Bahnunfall ganz vorne in der Rettungskette steht, auf sich warten lässt, weil sie vielleicht im Stau steckt oder sich nicht auskennt.

Ich sage: Helfer vor Ort müssen im Notfall eine Bahn stromlos schalten können und dürfen. Alles andere ergibt keinen Sinn, oder was meinen Sie?

Jetzt wünsche ich Ihnen aber erst mal viel Spaß beim Moerser Nelkensamstagzug. Das Thema Sicherheit wird bei diesem Zug  in jedem Fall ernst genommen, da können Sie absolut sicher sein!

julia.hagenacker@rheinische-post.de

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