Schüsse in der Nacht: Jäger macht Friedhofs-Anwohnern in Moers Angst

Schüsse in der Nacht: Jäger macht Friedhofs-Anwohnern in Moers Angst

Ein Jäger erlegt auf einem Friedhof in Moers fast täglich Kaninchen - zum Teil um Mitternacht. Anwohner fühlen sich nicht mehr sicher.

Um kurz vor sieben hörte Claus Mair-Müller zum ersten Mal den Schuss. Ein Mann in zivil fuhr mit dem Auto vor, parkte am Friedhof, stieg aus, nahm ein Gewehr aus dem Kofferraum und legte sich neben die Gräber in Position. Nach ein paar Minuten drückte er ab. Und dann noch mal. Eine Stunde schoss der Mann auf dem Hülsdonker Friedhof. "Wir dachten erst, das sei ein Wahnsinniger und haben die Polizei gerufen", sagt der 50-jährige Mair-Müller, der mit seiner Lebensgefährtin Edda Mair an der Geldernschen Straße wohnt, nur wenige Meter von den Gräbern entfernt.

Kaninchenplage

Es war frühmorgens, mitten in der Woche, und als die Beamten eintrafen, sollen selbst die verwundert gewesen sein. "Die hatten auch keine Ahnung, was hier passiert", sagt Mair-Müller. Dann stellte sich raus: Der Mann mit dem Gewehr ist Jäger, beauftragt von der Enni, um eine Kaninchenplage am Friedhof zu beseitigen, alles genehmigt vom Kreis Wesel. "Aber nirgendwo stand ein Schild, dass hier scharf geschossen wird", sagt Edda Mair. Seit 15 Jahren wohnt das Paar in der Nähe des Friedhofs, nie habe dort jemand gejagt, jetzt komme plötzlich fast täglich ein Jäger vorbei, früh morgens, spät abends, ja sogar um Mitternacht, berichtet Mair-Müller. "Das ist schon skurril, dass man da nicht informiert wird. Fast jeden Abend sitzen wir im Garten und hören scharfe Schüsse. Wir fühlen uns bedroht, und unsere Nachbarn auch."

Mair-Müller und seine Lebensgefährtin stören sich weniger an der Jagd auf Kaninchen, als an der aus ihrer Sicht mangelnden Sicherheit der Aktion. "Wir haben den Jäger dann noch mal angesprochen und er sagte, dass er definitiv nur morgens vor acht und abends nach 18 Uhr jagt", sagt Mair. Dann sei ja ohnehin kaum wer auf dem Friedhof. "Trotzdem gibt es Leute, die jetzt bei den Temperaturen auch am späten Abend die Blumen gießen. Ich habe dann gesehen, dass der Jäger auf ein Kaninchen geschossen hat, das vor einem Busch stand. Dahinter hätte auch jemand stehen können."

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Alles genehmigt

Daraufhin hat Edda Mair Kontakt mit der Enni aufgenommen, die den Friedhof verwaltet. "Dort hat man mir bestätigt, dass der Mann eine Genehmigung hat und die Sicherheit jederzeit gewährleistet wird - nur, wieso sagt man den Leuten dann nicht, dass hier gejagt wird?" Enni-Sprecherin Katja Nießen verweist im Gespräch mit unserer Redaktion auf das nordrhein-westfälische Jagdrecht: "Der Jäger muss sich vor jedem Schuss vergewissern, dass keine Personen in Gefahr sind. Warnschilder sind im Gesetz nicht vorgesehen", sagt sie. "Zudem sind das erfahrene Jäger, die dort nur jagen, wenn sonst kaum jemand da ist." Eine Genehmigung hat der Kreis Wesel vor zwei Jahren ausgestellt. Dort heißt es, solange die Vorschriften beachtet werden, sei alles in Ordnung. "Die Genehmigung gilt nur innerhalb des Geländes, zudem dürfen die Jäger bloß Kleinkalibergewehre verwenden", sagt Kreis-Sprecherin Greta Lüdtke.

Das Paar hofft, dass die Plage bald beseitigt ist. Angst haben sie weiter. "Ich frage mich, wie sicher das sein soll, wenn jemand in der Dunkelheit schießt", sagt Mair-Müller.

(atrie)