Moers: Junges STM feiert gelungene Premiere mit "Märtyrer"

Moers: Junges STM feiert gelungene Premiere mit "Märtyrer"

In dem Stück geht es um religiösen Extremismus. Mitte Juni gibt es drei weitere Vorführungen.

Als Benjamin Südel, alias Valentin Linse, die Tür zur Kapelle öffnet, sieht es zunächst so aus, als setze ein ganz normaler schlaksiger Teenager mit blassem Gesicht seinen Schritt in das einstige Gotteshaus. Er hat ein Problem damit, in die Welt der Erwachsenen zu wechseln, die er hasst, wie viele Teenager. Er hasst sie nicht, weil ihm mit einem Regelwerk die jugendlichen Freiheiten genommen werden, sondern weil ihm ein solches Regelwerk für die ungeregelten erwachsenen Freiheiten fehlt. So entwickelt er als Rebell einen religiösen Extremismus, wird zum selbst ernannten Märtyrer, der sich als Hand Gottes fühlt, um ein "Feuer anzuzünden", das die Welt zerstören soll.

Wie weit das funktioniert, zeigt das Stück "Märtyrer" von Marius von Mayenburg, mit dem das junge Schlosstheater Moers am Mittwoch Premiere feierte, eine gelungene Premiere mit langem Applaus für Schauspieler und Inszenierende. Dabei ist die Kapelle, die auf dem einstigen Friedhof an der Rheinberger Straße liegt, ein Raum, der wie für das Bühnenstück von 2012 geschaffen zu sein scheint. Darin haben die Akteure private Nischen, die sie nur ab und zu verlassen. Da sitzt Willy Batzler, alias Stefan Otto-Bach, als Schuldirektor vorne an seinem Schreibtisch, um als Pragmatiker Frieden in seiner Schule zu sichern. Dieser ist gestört, seitdem Benjamin Südel sich weigert, beim Sportunterricht im Schwimmbad dabei zu sein, weil Mädchen in Bikinis seine "religiösen Gefühle" verletzen würden und er nicht zwischen Schenkel schauen wolle.

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Inge Südel, alias Regine Meyering, findet als Mutter in ihrer Küche keinen Zugang mehr zu ihrem Sohn, da sie als Religionslose eine andere Sprache spricht, die nicht aus Bibelzitaten besteht, wie bei ihrem Sohn. Erika Roth, alias Selin Südemer, kommt als Biologielehrerin in ihrem Apartment auch nicht gedanklich an den Teenager heran, weil sie als Atheistin und Wissenschaftsgläubige so fanatisch antireligiös ist wie der christliche Fanatiker religiös.

Die Inszenierung des Theaterpädagogen Holger Runge ist noch dreimal in der Kapelle an der Rheinberger Straße zu sehen: am 10. Juni um 18 Uhr, sowie am 14. und 15. Juni jeweils um 19.30 Uhr. Es gibt noch Karten unter Tel.: 02841 8834110.

(got)