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Mönchengladbach: Wird Eicken zum "Moscheenkrater"?

Mönchengladbach : Wird Eicken zum "Moscheenkrater"?

Die These, dass sich Moscheen negativ auf Grundstückspreise in der Umgebung auswirken, hält sich in der Immobilienbranche hartnäckig. Mit Zahlen belegbar ist sie jedoch nicht. Einige Makler konstatieren jedoch durchaus, dass die Anwesenheit der Salafisten potenzielle Käufer verunsichert.

In Immobilienkreisen ist der "Moscheenkrater" mittlerweile ein geflügeltes Wort — hinter vorgehaltener Hand zumindest. Die These, zu der es keine offiziellen Zahlen oder Statistiken gibt: je näher die Moschee, desto mehr bricht der Wert von Grundstücken ein. "Die Rede ist von Preiseinbrüchen von bis zu 30 Prozent im Umkreis von 300 Metern und noch bis zu zehn Prozent im Umkreis von einem Kilometer um eine Moschee", sagt Hans-Detlev Speckmann.

Der ehemalige Direktor der Deutschen Bank Mönchengladbach und heutige Finanzierungsberater hat sich viel mit dem heiklen Thema auseinandergesetzt und "Erfahrungswerte" gesammelt, darüber zuletzt auch bei der Bürgerinitiative Eicken referiert. "Diese Zahlen gelten für ,normale' Moscheen", sagt Speckmann. Bei einem Verein wie "Einladung zum Paradies" (EZP), der vom Verfassungsschutz beobachtet wird, seien die Preiseinbrüche mit Sicherheit noch deutlicher.

Bestätigen in der Branche will dies niemand. Er habe bisher etwa nicht beobachtet, dass Kauf- und Mietpreise in Eicken in jüngster Zeit nach unten tendiert seien, sagt der Landtagsabgeordnete und Immobilienmakler Michael Schroeren: "Allerdings gibt es eine merklich größere Zurückhaltung bei den Interessenten."

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Ihm persönlich sei wegen der Anwesenheit von EZP in Eicken ein potenzieller Kauf-Kunde abgesprungen — "und ich weiß von einem Bauträger, der deswegen Absatzprobleme hat, sowie von einem anderen Unternehmen, das Schwierigkeiten mit der Vermietung hat".

Das Problem ist Schroerens Ansicht nach aber weniger der Verein an sich, sondern die Tatsache, dass dessen Anwesenheit, in Verbindung mit der Präsenz der Bürgerinitiative, für ständige Unruhe sorgt: "Dasselbe Phänomen gilt etwa für Diskotheken, oder, wie in Odenkirchen, für eine hohe Kriminalitätsrate." Über den Preis sei bei einer solchen Gemengelage wenig auszurichten: "Mit 50 Cent weniger locke ich dann auch niemanden in eine Wohngegend."

Hermann Langen von Langen Massivbau, das in Eicken neue Wohnimmobilien errichtet, sagt, dass an den Neubaupreisen noch nichts korrigiert worden sei. Die Nachfrage für das Viertel, das generell nicht eines der beliebtesten sei, laufe nach wie vor verhältnismäßig gut, "aber nicht berauschend". Auch beim Immobilienmakler Engel & Völkers, der auf seiner Internetseite derzeit ein (verkauftes) Objekt in Eicken führt, sieht man die Anwesenheit der Salafisten gelassen.

"So etwas hat sicherlich eine Auswirkung auf Kaufentscheidungen", sagt ein Sprecher. "Wenn man mehrere 100 000 Euro in die Hand nimmt, um eine Entscheidung zu treffen, die im Leben maximal zwei, drei Mal anfällt, will man dabei nicht verunsichert sein." Bei Mietwohnungen hingegen sehe er den Effekt einer fragwürdigen Nachbarschaft hingegen weniger. Den Betroffenen bleibe wohl oder übel nichts anderes übrig, als das Thema auszusitzen, "bis der Spuk vorüber ist": "Während der Immobilienkrise haben alle gelernt, dass man ruhig bleiben muss — und vielleicht einfach mal drei Jahre warten."

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(RP)