Mönchengladbach: Prügelei mit Salafisten

Mönchengladbach: Prügelei mit Salafisten

Karnevalisten und Salafisten sind in Eicken aneinander geraten. Die Anhänger des islamischen Vereins sprechen von einer Jagd auf Muslime. Im Internet kursieren Rachepläne.

Sven Lau, zweiter Vorsitzender des umstrittenen Vereins Einladung zum Paradies, ist nach eigener Aussage am Sonntag in Eicken tätlich angegriffen worden. Er, seine schwangere Frau und seine Kinder hätten eine Feier zur Geburt eines Babys besuchen wollen, als plötzlich eine Gruppe von Karnevalisten "Deutschland den Deutschen. Ausländer raus. Salafisten raus" gerufen hätte.

Fünf Personen seien plötzlich wie "tollwütige Hunde" auf Sven Lau und seine Familie zu gelaufen, wie der Salafisten-Prediger selbst berichtet. Er habe sich mit seiner Frau und seinem dreijährigen Sohn in ein Haus retten können. Daraufhin habe ein Angreifer versucht, die Tür einzutreten. "Brüder" hätten Schreie seiner Frau gehört und seien zur Hilfe geeilt. Dabei kam es offensichtlich auch zu Prügeleien. Ein Angreifer sei "kampfunschädlich" gemacht worden, berichten Anhänger des Vereins.

Staatsschutz ermittelt

Die Polizei bestätigte gestern, dass es zu einer Auseinandersetzung zwischen etwa 15 bis 20 Karnevalisten und Salafisten kam. Ein Mensch sei dabei leicht verletzt worden. Außerdem sei eine Haustür eingetreten worden. Dass Rechtsradikale oder Hooligans zu den Beteiligten gehörten, konnte Polizeisprecher Jürgen Lützen gestern nicht bestätigen.

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Pierre Vogel verkündete im Internet dagegen, dass in Mönchengladbach nun Jagd auf Muslime gemacht werde. Die Angreifer hätten Sven Lau und seine Kinder lynchen wollen. Ein weiterer Anschlag auf die Anhänger des Vereins Einladung zum Paradies sei bereits angekündigt worden. "Wir haben uns bisher nicht provozieren lassen", erklärte Vogel. Man sei aber bereit, sich zu verteidigen. Angestachelt von den Worten des deutschen Konvertiten machten Anhänger von "Einladung zum Paradies" im Internet mobil. "Jeder muss ein Messer bei sich tragen — zur Verteidigung! Muslime bewaffnet euch! Seid bereit, für den Islam zu sterben! Wir werden alles tun!", hieß es dort. Einer schrieb sogar, man solle nicht zögern, die Ungläubigen "abzuschlachten", wenn es um die eigene Familie gehe. CDU-Bundestagsabgeordneter Günter Krings sagte dazu gestern: "Gewalt ist in keinster Weise akzeptabel — von keiner Seite. Wenn allerdings aus dem Umfeld der Salafisten nun zur Selbstjustiz aufgerufen wird, zeigt das, dass sie nicht zu unserer Gesellschaft gehören wollen. Wer Vertrauen in unseren Rechtsstaat hat, weiß, dass Polizei und Staatsanwaltschaft sich solcher Dinge annehmen."

Wie Polizeisprecher Jürgen Lützen sagte, habe der Staatsschutz die Kommentierungen im Internet zur Kenntnis genommen. Sven Lau distanziere sich von solchen provokanten Äußerungen. Auch die "gegnerische" Gruppe habe nicht vor, Jagd auf Muslime zu machen. Sven Lau mahnte gestern Abend noch: "Wir müssen ruhig bleiben." Sich zu verteidigen, sei aber erlaubt.

Dennoch soll weiter gegen den umstrittenen Verein Einladung zum Paradies demonstriert werden. Die Bürgerinitiative Eicken plant für den 26. März eine große Aktion. Ihr Sprecher Wilfried Schultz betonte gestern noch einmal, dass es ausschließlich gegen islamistische, extremistische Anhänger gehe. Schultz will gegen Pierre Vogel Strafanzeige stellen. Der Salafisten-Prediger hatte Schultz und die Bürgerinitiative in seinem Video als Lügner bezeichnet.

(RP)
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