Unfallstatistik in Mönchengladbach: Weniger Unfälle durch Raser

Verkehrsunfälle 2018 in Mönchengladbach : Viel weniger Unfälle durch Raser

Auf Mönchengladbachs Straßen wird offenbar seltener gerast. Dafür aber passieren deutlich mehr Verkehrsunfälle durch Fehler beim Abbiegen als im Landesschnitt. Immer öfter registriert die Unfallstatistik Drogenkonsum als Ursache.

Wenn ein Polizeipräsident von „dramatisch“ spricht, dürfte die Lage in der Tat ungewöhnlich sein. Mönchengladbachs Polizeichef Mathis Wiesselmann kann diese Wortwahl auch belegen: Die Zahl der Verkehrsunfälle, bei denen überhöhte Geschwindigkeit die Ursache war, ist zwischen 2015 und 2018 nicht nur kontinuierlich gesunken. Sie lag 2018 mit 49 Unfällen nach Wiesselmanns Worten zudem „dramatisch niedriger“ als im Landesdurchschnitt. Das lässt sich auch an der Zahl der wegen überhöhter Geschwindigkeit Verunglückten festmachen: 2018 waren es in Mönchengladbach 31. Umgerechnet auf Opferzahlen pro 100.000 Einwohner lag die Zahl im NRW-Durchschnitt fast fünfmal so hoch.

Für Dirk Hoff, Leiter der Direktion Verkehr im Mönchengladbacher Polizeipräsidium ist das ein Resultat von mobilen Tempokontrollen, mehr stationären „Blitzern“ im Stadtgebiet und engerer Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung. „Der Kontrolldruck wurde erhöht“, sagt Hoff. Und weil sich das ausgezahlt habe, will die Polizei ihn auch aufrecht erhalten.

„Ein Riesenproblem in dieser Stadt“, so Wiesselmann, seien nach wie vor Fehler beim Abbiegen und Wenden. Diese führten im vorigen Jahr in 546 Fällen zu Unfällen und waren in der Liste der Hauptunfallursachen wie in den vier Jahren zuvor einsamer wie trauriger Spitzenreiter. Mit 250 Verunglückten lag Mönchengladbach in dieser Ursachenkategorie auch deutlich über dem Landesschnitt. Besonders häufig passieren Unfälle beim Linksabbiegen. Etliche Straßen in dieser Stadt seien unübersichtlicher als andernorts, ist nach Wiesselmanns Eindruck eine mögliche Erklärung.

Dass die Statistik Alkohol- und Drogenkonsum immer häufiger als Unfallursache registriert, liegt nach Ansicht von Dirk Hoff nicht unbedingt an einer erheblichen Zunahme des Konsums. „Früher werden ähnlich viele unter Alkohol- und Drogeneinfluss unterwegs gewesen sein. Aber wir erkennen das nun häufiger, weil unsere Beamten inzwischen besser dafür geschult wurden.“

Die Zahl der verunglückten Radfahrer und Fußgänger pendelte in den vergangenen Jahren um 250 (Radfahrer) und 150 (Fußgänger) – wobei es 2018 zumindest im Vergleich zum Vorjahr einen deutlicheren Anstieg von 233 auf 266 verunglückte Radfahrer gab. Die Zahl der verunglückten Fußgänger sank in diesem Zeitraum um 15 auf 144. Allerdings: Vier von sieben Todesopfern auf Mönchengladbachs Straßen waren Fußgänger, darunter ein achtjähriges Mädchen. Die übrigen drei Opfer waren zwischen 79 und 86 Jahre alt.

Die Achtjährige wurde im Dezember vor einer Schule von einem Auto angefahren und tödlich verletzt. Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen und beim Parken und Rangieren teils für chaotische Verkehrssituationen sorgen, bereiten der Polizei Sorge. Auf jeden Fall sei es besser, sagt Hoff, wenn Kinder von einer etwas entfernter gelegenen Stelle in Gruppen zu Fuß zur Schule gingen.

Aus Sicht der Polizei ist aber auch mehr Verkehrserziehung nötig. „Kinder sind heute wesentlich später verkehrssicher als früher“, sagt Hoff. Es helfe nicht, sie lange in dieser Unsicherheit zu lassen und sie mit dem Auto zur Schule zu bringen. Insgesamt sei die Zahl der Schulwegunfälle mit 24 in 2018 auf vergleichsweise „niedrigem Niveau“ gewesen.

Die Ursache dieses spektakulären Unfalls am Mittwochmittag auf der Lindenstraße ist noch unklar. Foto: Sascha Rixkens

Dennoch: Die Zahl der verunglückten Kinder lag im vergangenen Jahr weiterhin wie seit 2015 bei etwa 100 pro Jahr. Allerdings stieg sie 2018 auf 109. In 75 dieser Fälle gelten die Kinder als die Unfall-Verursacher – so hoch war dieser Wert seit 2012 nicht mehr.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Auto schleudert in Mönchengladbach auf Gehweg

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