Handball: TV Korschenbroich holt fünf Punkte aus drei Spielen

Analyse : TVK trotzt als Team einer Zweckgemeinschaft

Nach dem 26:26 in der Nordrheinliga zwischen der SG Ratingen und dem TV Korschenbroich gab es sehr deutlich Gegensätze zwischen den beiden Klubs zu sehen. Die Gäste kämpften sich mit Teamgeist in die Partie. Der Punktgewinn ist aber auch eine Krux.

Das waren schon Gegensätze in der Ratinger Sporthalle am Mittwochabend. Der TV Korschenbroich bejubelte das hart erkämpfte 26:26 (9:13) gegen einen der Aufstiegsfavoriten der Nordrheinliga, die SG Ratingen, wie einen Sieg. Die Fans, die während der Partie mit ihren Trommeln als einzige für Stimmung gesorgt hatten, hissten ein Plakat mit der Aufschrift „Wir sind stolz auf euch“, die Spieler dankten es, indem sie sich direkt nach dem Jubel unter die angereisten Korschenbroicher mischten. Und die Hausherren? Die ließen die Köpfe hängen nach dem zweiten Rückschlag im Titelrennen binnen fünf Tagen. Am Wochenende hatten sie gegen Spitzenreiter Dinslaken verloren. Sie rafften sich nun zwar immerhin dazu auf, dem eigenen Publikum zu applaudieren, doch die Adressaten kehrten ihnen währenddessen bereits den Rücken und gingen. Danach waren die Korschenbroicher unter sich.

In den Szenen nach Schlusspfiff spiegelte sich etwas von dem, was auch im Verlauf der Partie eine Rolle gespielt hatte: Tradition und Teamgeist gegen einen Verein, der 2011 gegründet wurde und eine mit Ex-Stars bestückte Truppe unterhält. Während sich die Ratinger nur auf Ex-Bundesligaspieler Alexander Oelze, der zehn Tore warf, verlassen konnten, steigerten sich die Gäste in die Partie hinein und hatten am Ende mehrere Säulen, die für den Punktgewinn verantwortlich waren: Torwart Felix Krüger mit zehn Paraden, Sascha Wistuba mit sechs Treffern, Nicolai Zidorn und Mats Wolf mit wichtigen Toren in der entscheidenden Phase, Philip Schneider und Aaron Jennes mit Schwerstarbeit in der Abwehr und am gegnerischen Kreis. Da trotzte ein Team einer Zweckgemeinschaft.

TVK-Trainer Dirk Wolf lobte so auch: „Hut ab vor dieser kämpferischen Leistung.“ Er registrierte sehr zufrieden, dass seine Mannschaft aus drei Spielen gegen den Tabellenzweiten TuS Opladen, den direkten Konkurrenten TSV Bonn und eben den selbsternannten Meisterschaftskandidaten Ratingen, der nun mit vier Punkten Rückstand auf die Tabellenspitze Dritter ist, fünf Zähler geholt hat. „Gegen Ratingen muss man keinen motivieren. Für uns ist das eine schöne Sache. Ich hoffe, dass wir diese Leistung auch gegen die Teams bringen können, die unter uns stehen“, sagte Wolf.

Der TVK-Coach sprach dabei unbewusst eine kleine Krux an. Auf der einen Seite wären vermutlich etliche Nordrheinligisten froh, wenn das aufgemotzte Ratingen mit seinen drei Mazedoniern und Torjäger Oelze die vierte Liga in die nächsthöhere Spielklasse verlassen würde, auf der anderen Seite will aber auch jedes Team dem Favoriten ein Bein stellen. Ratingens Geschäftsführer Bastian Schlierkamp hatte vor der Partie gelassen auf die Frage reagiert, ob man die Niederlage gegen Spitzenreiter Dinslaken verdaut habe. „Die lassen auch noch Punkte liegen“, sagte er. Punktverluste seiner SG waren da nicht mehr eingeplant. Aber an diesem Abend ärgerte eben eine Mannschaft ein zusammengestelltes Kollektiv.