Mönchengladbach: Jazzattack begeistert im "Krypti"

Kolumne Live Dabei : Parforceritt durch Jazz, Rock und Funk

Im neuen Jazz-Club „Krypti“ begeisterten die ausgezeichneten Musiker von Jazzattack das Publikum. In der Viersener „Rockschicht“ spielten die Plexiphones locker und entspannt vor vollem Haus.

Die Klasse war nicht zu überhören. Ob beim Auftritt der Plexiphones im Viersener Live-Club „Rockschicht“ (mit Hard2Soul aus Berlin) oder bei der fulminanten Session von Jazzattack im neuen Jazz-Club „Krypti“ am Schillerplatz in Mönchengladbach. Ohne Zugaben entließ das begeisterte Publikum keine Band in die Garderobe. Beide Clubs waren sehr gut besucht oder ausverkauft. Nach fast zweistündigem Konzert mit Songs ihrer CDs und drei Zugaben waren die sechs Elektro-Rocker der Plexies schweißgebadet und geschafft, aber glücklich. „Es hat wieder Höllen-Spaß gemacht“, freute sich Sänger Wolfgang Kemmerling. Tatsächlich spielte die Band locker und entspannt wie selten zuvor. Der Medienrummel um ihre letzte Studio-Produktion und der Zuspruch für die gewachsene Live-Routine zeigen klare Spuren.

Im Jazz gelten andere Ausdrucksformen, zeigen andere Parameter den Szene-Erfolg an und begeisterten so das Publikum im „Krypti“. Von den Jazzattack-Musikern Axel Fischbacher (Gitarre), Martin Sasse (Piano), Ralf Gessler (Schlagzeug) und Stefan Rademacher (Bass) scheint jeder durch massig Auszeichnungen für Live- und Studioarbeit geadelt, kann auf die Zusammenarbeit mit unzähligen Top-Playern des Genres verweisen. Die vier Ausnahmemusiker boten einen mitreißenden Parforceritt durch grenzüberschreitende Jazz-, Rock- und Funkklänge an ursprünglich durcharrangierten Kompositionen. Für den Laien war kaum erkennbar, was improvisiert, was arrangiert war.

Beim Opener-Zyklus „Lieder über Tiere“ (so Komponist Fischbacher) und Stücken wie „The Noshorn Speaks“ und „Adam’s Parrot Cake“ wurde die Arbeitsweise der Session-Gruppe schnell deutlich. Es war kein Impro-Konzert mit einem Thema, freiem Aufbau und offenem Ende. Trotzdem konnten sich alle Musiker innerhalb der Songstrukturen austoben. „Wir haben nur 20 Minuten auf Grundlage der von Axel und Martin mitgebrachten Noten geprobt“, versicherte Weltklasse-Bassist Rademacher beinahe entschuldigend. Faszinierend, wie kompakt und schlüssig die Verläufe waren. Exakt nahmen die Musiker punktgenaue, vorgegebene Breaks mit, als hätten sie es hundertmal geübt. Andererseits ist die Klasse nicht verwunderlich. Schließlich hat Sasse im Laufe seiner Bühnenkarriere mit nahezu allen Legenden im internationalen Jazz gespielt, veröffentlichte Fischbacher elf Alben als Bandleader und wirkte auf weiteren 50 als Studiomusiker, ist Gessler nicht umsonst Echo-Jazz-Preisträger und hat Rademacher u.a. 13 Jahre seines Musikerlebens Erfolge in der Band von Billy Cobham gefeiert.

Es fragt sich, wer an dem Spiel mehr Spaß hat. Die Bucket Boys und ihre Fans oder die Leute beim WDR-2-Radio? Die Single „Tequila Love“ vom Doppelalbum „Dusk and Dawn“ holte Montagabend im Voting zur Sendung „WDR 2 POP – Musik aus dem Westen“ die meisten Stimmen und wurde wieder einmal Wochensieger. Damit ist die Band aus Mönchengladbach mit den Musikern Helge Lange (Gitarre), Joe Vander (Schlagzeug), Michael Lange (Gesang), Andreas Kehren (Bass) und Backgroundsängerin Petra Lange Rekord-Teilnehmer des Radio-Spektakels und fast schon gesetzt, wenn es darum geht, in der Sendereihe ganz besondere Bands aus NRW zu präsentieren. Herzlichen Glückwunsch zur Nr. 1 bei WDR 2!

Handgemachte Rock-, Pop- und Jazzklänge sind hierzulande beim Karneval längst gesetzt. Viele Gruppen sorgen in den Festzelten, Clubs und Sälen für tolle Stimmung. Besonders populär ist die Rock-Pop-Oldie-Nacht am Karnevalssamstag, 2. März, ab 18.30 Uhr.  Bereits zum 19. Mal wollen Booster, De Stroßeräuber und die Dröpkes in der Jahnhalle ordentlich einheizen. Das Live-Programm startet um 20 Uhr. Erstmals am Rosenmontag laden die Musiker von Pinball zur „Carnival Crazy Night“ in den Live-Club „Messajero“, Sophienstraße 17, ein. Gladbachs älteste Band steht ab 20.45 Uhr dort auf der Bühne und verspricht den Fans im neuen Programm: „The Heartbeat of Rock’n’Roll“. Sänger Klaus „Elvis“ Elschenbroich hat sich gut vorbereitet. Seine Devise: Ende offen.

Weitere Livemusik-Tipps: Karnevalssamstag, 2. März, 19.30 Uhr,  Bolten Brauerei, Neersbroich: Live-Party mit Kaschämm, Dröpkes, Jürgen Möller Allstars und Mrs.Fab; Freitag, 15. März, 22 Uhr, Irish Pub „The Pogs“, Bahnhofstraße 31: „Rock’n’Blues“ mit der Band NoiseBoise; Donnerstag, 28. März, 20 Uhr, Live-Club „Krypti“, Humboldstraße: „Blues & Souljazz“ mit dem Atlantic Organ Trio; Freitag, 29. März, 20 Uhr BIS-Zentrum, Bismarckstraße 97-99: „Jazz-Visions“ mit dem Denis Gäbel Quartett; Dienstag, 30. April, 20 Uhr, „DenkMal“, Geneickener Straße 75: „Rock’n’Blues in den Mai“ mit Flat Blues Ltd. und Fandango.

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