Mönchengladbach: Kolumne Mensch Gladbach - Rathaus, öffne dich!

Kolumne Mensch Gladbach : Rathaus, öffne dich!

Ein wohltätiger Weihnachtsmarkt im Innenhof als Signal für ein Rathaus der Offenheit. Mehr davon! Erst recht, wenn es ein Markenzeichen Mönchengladbachs unterstützt: das bürgerschaftliche Engagement.

Es gibt kaum eine Großstadt in Deutschland, die nicht nach einem griffigen Image sucht. Das sollte im besten Fall nicht nur einzigartig und zutreffend sein, sondern sich auch in einen eingängigen Slogan packen lassen. Das ist gar nicht so einfach, weshalb am Ende Dinge rauskommen wie  „Weltstadt mit Herz“ (München bis 2005), „Nähe trifft Freiheit“ (Düsseldorf) oder „Be Berlin“.

Zumindest, was das Image betrifft, hat Mönchengladbach eine Stärke, derer sich viele Bürger vermutlich gar nicht bewusst sind. Weil sie so selbstverständlich ist. Es ist das bürgerschaftliche Engagement. Das gibt es andernorts natürlich auch. Aber selten erlebt man es so verbreitet und tief in allen gesellschaftlichen Schichten verankert wie in dieser Stadt. Alten Menschen vorlesen, Patienten aufheitern, Obdachlosen Suppe austeilen, Hunde ausführen, Jugendliche beim Sporttrainieren, Kostüme für den Veilchendienstagszug schneidern, Asylsuchenden Sprachunterricht geben, in der Kirche aushelfen – das Engagement hat viele Facetten.

Und an einem Tag im Jahr wird es geballt sichtbar: beim Christkindlmarkt. Diese Veranstaltung, deren Erlös zugunsten von Menschen mit Behinderung geht, ist ein Phänomen. Wochen vorher werden die Buden hergerichtet, hochwertige Second-Hand-Kleider gesammelt, Stollen und Plätzchen gebacken, Dekorationen gebastelt, Marmeladen gekocht, Trödelwaren zusammengestellt. Unternehmen aus der Stadt lagern, transportieren, stellen auf, schicken Teams aus Auszubildenden, versorgen das Ganze mit Strom und Technik. Und am Tag selbst ist gefühlt die ganze Stadt auf den Beinen, egal wie prominent und vermögend, um für den guten Zweck zu verkaufen oder selbst zu kaufen. Und das schon seit fast 50  Jahren. Was ganz klein auf Tapeziertischen begann, ist nicht nur zu einer Tradition geworden, sondern zu einer angenehmen, bereichernden Verpflichtung. Drei Millionen Euro sind so im Laufe der Zeit insgesamt zusammengekommen.

Es ist also eine Ehrenssache, dass von prominenter Stelle ein prominenter Standort gesucht wird, wenn der Christkindlmarkt wieder einmal anderen Plänen weichen muss. Das Rathaus dafür zu öffnen, ist ein gutes Signal. Denn es ist kein Abschieben, sondern eine Aufwertung – und das gegenseitig. Das bürgerschaftliche  Engagement als Markenzeichen, damit kann auch ein Rathaus strahlen und es zum eigenen Markenzeichen machen.

Warum also nicht mehr davon am repräsentativen Amtssitz des Stadtoberhaupts? Natürlich soll der nicht zur Eventmeile werden. Aber es ist, das wird oft vergessen, nicht ein Haus der Politiker oder Beamten, sondern ein Haus der Bürger.  Was im Übrigen auch für den geplanten Rathaus-Neubau in Rheydt gilt. Die Fassade aus Glas muss deshalb mehr sein als ein Symbol, sondern gelebte Transparenz.

Bürgernah und offen – das ist modern. Und wie der Slogan dazu heißen könnte, überlegen wir ein andermal.

In diesem Sinne: Ihnen ein offenes, engagiertes Wochenende!