1. NRW
  2. Städte
  3. Mönchengladbach

Mönchengladbach: Die Herbstzeitlose mit Kai Schumacher und Olivier Messiaen

Konzertreihe in Mönchengladbach : Die Herbstzeitlose: Von Vogelgezwitscher zu Techno

Im Bunker Güdderath begeisterten der französische Komponist Olivier Messiaen und Punk-Pianist Kai Schumacher aus Duisburg die Zuschauer.

  „Niemals wurde mir mit so viel Aufmerksamkeit und Verständnis zugehört wie bei der Uraufführung meines Quartetts in Görlitz“, berichtete Olivier Messiaen, nachdem er die Gräuel und Entbehrungen des  Gefangenenlagers überstanden hatte. Dem dort inhaftierten Franzosen war ein Klavier zur Verfügung gestellt worden, und für sich selbst und für drei Mitgefangene – einen Geiger, einen Klarinettisten und einen Cellisten – komponierte der damals 33-Jährige ein achtsätziges Opus, das, neben Einflüssen seines Landsmanns Claude Debussy, Messiaen-typische Inspirationsquellen enthält.

Indische und fernöstliche Rhythmen, gregorianische Melodik und den Vogelgesang der Natur. „Quartett auf das Ende der Zeit“ nannte der Komponist sein Werk, was er durch das Aufbrechen der herkömmlichen rhythmisch-metrischen Ordnung unterstrich. Angesichts der Not und der Schrecken, denen die Insassen des Lagers ständig ausgesetzt waren, wäre eine durch und durch düstere Musik zu erwarten. Doch bei dem unmittelbar anrührenden Tongemälde des tiefgläubigen Komponisten schimmert immer wieder Hoffnung durch.

Ein solch komplexes Werk kann nur gültig interpretieren, wer sein Instrument tadellos beherrscht und auch die Reife sowie den nötigen Ernst mitbringt, einer so anspruchsvollen Aufgabe gerecht zu werden. Bei Philipp Wenger, Violine, Jens Singer, Klarinette, Ghislain Portier, Violoncello und Yorgos Ziavras, Klavier, die bewundernswert harmonierten, war all das ohne jede Einschränkung gegeben. Nach angemessenem Schweigen wollte der Schlussapplaus des ergriffenen Auditoriums kein Ende nehmen.

Der Duisburger Pianist Kai Schumacher hatte seinen Soloabend im Bunker mit „Rausch“ betitelt, so ist  auch seine CD mit eigenen Kompositionen benannt. Schumacher kommt „aus der Klassik“, wie er erläuterte – entsprechend ausgewogen, brillant und immer kontrolliert ist seine großartige Spieltechnik. Etwa eine Dreiviertelstunde dauerte sein erster Vortrag, bei dem Virtuoses mit Melancholischem abwechselte, nicht enden wollende Motivketten an Minimal-Music erinnerten und sich hin und wieder Jazziges einschlich.

Schumacher erklärte, John Cage habe vor 70 Jahren das „präparierte Klavier“ erfunden. Ihm fehlte seinerzeit ein Schlagzeuger, und deshalb steckte er Schrauben und Nägel zwischen die Saiten des Klaviers, um eben diese Effekte zu erzeugen. Eine „Hommage an Cage“ führte dem amüsierten Publikum diese Variante vor. Der nächste Vortrag war eher dem Techno-Bereich zuzuordnen, und am Schluss gab der freundliche Gast noch eine Kostprobe seiner „Rausch“-CD. Die Zuhörer zeigten sich restlos begeistert und freuten sich über eine erstaunlich meditative Zugabe.