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Mönchengladbach: Tim Müller träumt von den 24-Stunden-Rennen am Nürburgring

Motorsportler Tim Müller : Traum von den 24 Stunden am Nürburgring

Tim Müller sammelte im Motorsport bereits einige Erfolge. Ob er einmal von seinem Sport leben kann, weiß der 18-Jährige jedoch nicht. Ein großes Ziel hat er trotzdem: das legendäre 24-Stunden-Rennen auf der Nordschleife.

Tim Müller begleitet der Motorsport seit Kindheitstagen: Erst war der Großvater als Rennfahrer unterwegs, später auch sein Vater. Diese Leidenschaft haben die beiden früh an den Nachwuchs weitergegeben: Mit fünf Jahren saß Müller zum ersten Mal im Kart, mit 14 Jahren folgte dann der Wechsel ins Auto, in dem er in den folgenden Jahren einige Erfolge sammelte.

Beim ADAC Slalom Youngster, einem Nachwuchswettbewerb, qualifizierte sich Müller über gute Leistungen in der Region Nordrhein bereits dreimal für die Endrunde auf Bundesebene. Sein bisher größter Erfolg in dieser Disziplin war der Sieg bei einem deutschen Meisterschaftsrennen im Alter von 16 Jahren.

Dieses Jahr tritt Müller gemeinsam mit seinem Vater Mirko Meurers, der gleichzeitig Trainer und Fahrer ist, zum ersten Mal in der Junior Trophy der Rundstrecken-Challenge Nürburgring (RCN) an. Gerade die Möglichkeit, mit seinem eigenen Rennwagen, einem BMW 318is, auf der legendären Nordschleife zu fahren, macht den Wettbewerb für Müller so attraktiv. „Die Historie, die Herausforderung, die 21 Kilometer zu meistern, und die Höhenunterschiede finde ich faszinierend“, sagt der 18-Jährige schwärmend. Dass die Ergebnisse diese Saison noch nicht herausragend sind, entmutigt Müller nicht:„In meiner ersten Saison in der RCN sind Ergebnisse noch nicht so wichtig. Entscheidend sind die Erfahrungen, die ich mitnehme.“ In dieser Saison wechseln sich Vater und Sohn während des Rennens noch ab, im kommenden Jahr soll der Filius dann den nächsten Schritt machen und alleine fahren.

Neben hohen Kosten ist der Motorsport durchaus zeitintensiv. Den Wagen auf ein Rennen vorzubereiten, dauert einige Stunden in der Woche. Das Rennwochenende beansprucht dazu in der Regel zwei Tage: Freitags erfolgt die technische Kontrolle des Autos, das Rennen selbst findet dann samstags statt. Vor Ort wird der Mönchengladbacher von Freunden und Familie unterstützt, die bei der Organisation und der Vorbereitung des Rennwagens helfen. Doch auch unter den Fahrern hilft man sich. „Dieser Respekt zwischen den konkurrierenden Fahrern gefällt mir richtig gut“, sagt der 18-Jährige.

Das Vater-Sohn-Gespann tritt seit 2018 unter dem Namen ihres eigenen Teams – „Speedbeasts“ – an. Das Logo des Teams, eine Raubkatze, die ein Vereinskollege beim MSC Odenkirchen von Hand gezeichnet hat, erregt bei den Fotografen der RCN immer wieder Aufmerksamkeit. „Nach jedem Rennen kriegen wir sehr viele Bilder von Fotografen zugeschickt, das freut uns natürlich“, sagt Meurers.

Neben der RCN und Slalom betreibt Müller, seit er neun Jahre alt ist, das virtuelle Sim-Racing. Beim Sim-Racing sind die Pedalerie und das Lenkrad einem echten Fahrzeug nachempfunden. Durch drei Bildschirme ist sogar das Sichtfeld der virtuellen Rennfahrer beinahe originalgetreu. Durch die Coronakrise boomte die virtuelle Alternative zum Motorsport zuletzt. Aktuell fährt Müller im ADAC Digital Cup in Liga eins mit.

Das größte Ziel des jungen Mannes liegt allerdings auf der echten Rennstrecke. „Das 24-Stunden-Rennen am Nürburgring zu fahren, ist mein großer Traum. Zweimal rund um die Uhr durchzuhalten, ist eine Herausforderung für Mensch und Maschine“, sagt er.

Das 24-Stunden-Rennen am Nürburgring findet seit 1970 statt, gefahren wird in der Regel mit Tourenwagen. Die Strecke führt über die Nordschleife und Teile der Grand-Prix-Strecke am Nürburgring.

Die aktuelle Saison endet für Tim Müller mit dem letzten Rennen der RCN Ende Oktober und einem abschließenden Testtag im niederländischen Zandvoort. Im Winter steht dann das nächste Projekt für Vater und Sohn an: Das Rennauto soll leichter gemacht werden und der Motor auf ungefähr 200 PS verstärkt werden. In der kommenden RCN-Serie soll der Wagen damit konkurrenzfähiger sein.

Die sportlichen Vorbilder des 18-Jährigen haben jeweils eine besondere Geschichte. Zum einen der ehemalige Formel-1-Fahrer Alessandro Zanardi, der trotz einer Beinamputation weiter Rennen fuhr, und zum anderen Christopher Mies, der wie Müller früher am Slalom Youngster Wettbewerb teilgenommen hat und heute sein Geld als Rennfahrer verdient.

Dass Müller selbst einmal vom Motorsport leben kann, hält er für unwahrscheinlich. „Wenn mir ein Team eine Stelle als Fahrer anbieten würde, würde ich das natürlich machen, es ist aber sehr schwierig“, sagt Müller, der eine Ausbildung zum Konstruktionsmechaniker macht. Trotzdem bleibt der Rennsport weiter seine größte Leidenschaft, auch weil er keinen Leistungsdruck von seinem Vater bekommt. „Wenn Tim mir sagen würde, dass er keine Lust mehr auf den Motorsport hat, wäre das kein Problem. Dann freue ich mich trotzdem, dass es uns viele Jahre gemeinsam so viel Spaß gemacht hat“, sagt sein Vater Mirko Meurers.