Mönchengladbach: Bonpflicht verärgert Bäckereien

Finanzamt lässt keine Ausnahmen zu : Bonpflicht verärgert Bäckereien

Für Cent-Beträge eine Quittung – Josef Hommers sieht darin einen Generalverdacht.

Ab dem 1. Januar 2020 gilt die Kassenbonpflicht. Sie wurde von der großen Koalition in Berlin beschlossen. Bei der CDU kommen jetzt Zweifel auf, Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier äußerte sich skeptisch, die Finanzämter kennen noch kein Pardon: Ausnahmen von der Kassenbonpflicht sind zwar vorgesehen, bislang ist aber noch keine zugelassen.

Der Mönchengladbacher CDU-Landtagsabgeordnete Jochen Klenner kam vor einigen Tagen auf einen Kaffee in die Bäckerei Hommers an der Aachener Straße. 500 bis 600 Kunden werden dort pro Tag bedient, auf einen Kassenbon legt derzeit kaum jemand Wert. „Mit dem neuen Gesetz schießt man schon übers Ziel hinaus“, ist sich Klenner sicher. Josef Hommers hat die Bäckerei von seinem Vater übernommen. Er führt sie gemeinsam mit Ehefrau Maria. Tochter Nadine Sula-Hommers wird die drei Filialen einmal übernehmen. Sie müssen sich jeden Tag mit überlegener Qualität gegen die Billig-Bäcker behaupten. In der Kassenbonpflicht sehen sie einen höheren Aufwand, der auch Kosten produziert. Josef Hommers ärgert sich, dass alle Bäcker unter Generalverdacht gestellt werden: „Man tut so, als wären wir alle Schwerverbrecher.“

Jochen Klenner hat Verständnis dafür, dass gegen möglichen Steuerbetrug vorgegangen wird. Aber er kritisiert, „dass die Finanzbehörden hier sehr strikt unterwegs sind“, obwohl es Ausnahmeregelungen gibt. Und Bäckereien, wo Produkte von deutlich unter einem Euro über den Ladentisch gehen, müsse man von der Bon-Pflicht ausnehmen. Außer: „Wenn es offensichtliche Unregelmäßigkeiten gibt, wenn zum Beispiel die Menge der gekauften Rohstoffe in keinem Verhältnis zur Menge der verkauften Waren steht.“ Steuerprüfer hätten ein Auge für solche Diskrepanzen. „Wenn in unserem Café Firmenkunden bewirtet werden, gibt es schon jetzt entsprechende Quittungen“, sagt Maria Hommers.

Jochen Klenner weiß, dass in deutschen Bäckereien künftig rund fünf Milliarden Kassenbons pro Jahr ausgedruckt werden müssen. Zum Arbeitsaufwand komme auch noch der Umweltaspekt, zumal Thermopapier nicht in der Papiertonne entsorgt werden darf. Klenner weiß aber auch, dass das Gesetz auf keinen Fall bis zum Jahreswechsel nachgebessert werden kann. Aber er hofft, dass die Finanzbehörden Kulanz walten lassen – sie könnten bei Einzelhändlern wie Bäckereien für einige Monate lang ein Auge zudrücken.