Händler im Kreis Mettmann ärgern sich über die Bonpflicht

Lästiges Gesetz : Händler ärgern sich über die Bonpflicht

Ab 1. Januar sind alle Händler gezwungen, Kassenbons auszudrucken – egal ob der Kunde das will oder nicht.

Wer am kommenden Montag seine Brötchen beim Bäcker holen will, sollte sich nicht wundern, wenn es rund um die Kasse unordentlich aussieht. Denn Roland Schüren, Inhaber des gleichnamigen Bäckerei-Unternehmens, will auf die gesetzliche Regelung zur Bonpflicht, die am 1. Januar 2020 in Kraft tritt, gemeinsam mit anderen Bäckereien auf ganz eigene Weise reagieren: „Wir wollen einen Tag lang alle Bons sammeln, um sie am nächsten Geschäftstag rund um die Theke auszubreiten.“ Die durch ein Foto in einer Zeitung inspirierte Aktion soll Kunden auf das Müllproblem aufmerksam machen, das Einzelhändler durch die verpflichtende Belegausgabe auf sich zukommen sehen.

Wer seine Waren über eine Registrierkasse abrechnet, muss nach dem Jahreswechsel bei jedem Kauf Kassenbons ausdrucken – egal, ob der Kunde sie nun verlangt hat oder nicht. Damit will der Gesetzgeber verhindern, dass Umsätze am Fiskus vorbeigehen. In der Vergangenheit habe es zahlreiche Manipulationen von Registrierkassen gegeben, erklärt der CDU-Bundestagsabgeordnete Peter Beyer aus dem Kreis Mettmann. Kritiker bezweifeln jedoch, dass die Maßnahme ihren Zweck erfüllt. „Noch mehr gedruckte Bons werden nichts sicherer machen, als es schon ist“, führt Roland Schüren aus. Schließlich sei man ohnehin schon dazu verpflichtet worden, die Kassen manipulationssicher zu machen, so dass ein Prüfer jederzeit Einblick nehmen könne. „Das digitale Journal der Kasse müssen wir sowieso in Unmengen an Kartons aufbewahren“, erklärt der Bäckermeister. Daher sei es „völlig unverständlich, wie man auf eine Bonpflicht kommt.“

Die belaste zudem im erheblichen Maße die Umwelt, kritisiert Schüren: „Zumal die Kassenzettel meistens aus chemisch behandeltem Thermopapier bestehen.“ Das sieht auch der Zentralverband Deutsches Bäckerhandwerk so: Er rechnet laut eigenen Angaben mit fünf Milliarden gedruckten Kassenzetteln für die eigene Branche. Das Institut „Back.intern“ erwartet gar, dass für die neue Regelung pro Tag 400 Bäume zusätzlich gefällt werden müssten.

Gelassen geht wiederum Metzgerei-Inhaber Thomas Kluke aus Mettmann mit der Neuerung um – und verweist darauf, dass es schon seit zwei Jahren strengere Anforderungen für Händler gibt: Bereits seit 2017 sind interne Speicher für Registrierkassen oder Ladenwaagen mit Kassenfunktion vorgeschrieben. „Wir geben schon jetzt immer die Kassenzettel mit“, betont er. Dadurch ließen sich im Zweifel auch Fehler nachhalten – gerade weil Kunden oft viele unterschiedliche Waren in der Metzgerei einkauften.

Auch für Lebensmittelhändler Mourad Aoufi aus Hilden ist der Kassenbon als Beigabe im Beutel seit langem gang und gäbe: „Für uns ist das ein Muss.“ Wer übrigens eine offene Ladenkasse führt, wie unter anderem mehrere Friseurbetriebe auf Nachfrage berichten, ist auch weiterhin nicht verpflichtet, eine Registrierkasse anzuschaffen.

Das betont auch Peter Beyer. Zudem könnten sich Händler, die viele Kunden bedienen, von der Bonpflicht befreien lassen. Ob ein solcher Härtefall vorliegt, müssen allerdings die Finanzbehörden vor Ort prüfen. Zudem kann eine Befreiung auch widerrufen werden. An ein neues Umweltproblem glaubt Beyer indes nicht. So könne neben Thermopapieren auch komplett recyclefähiges Material genutzt werden.

Beschwichtigen kann er die Kritiker der Bonpflicht damit aber wohl nicht: „Vollkommen unnötig“ findet sie Roland Schüren. Die Aktion mit ausgebreiteten Kassenzetteln soll in allen Filialen seines Unternehmens – viele davon im Kreis Mettmann – stattfinden.

(ied)