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Mönchengladbach: Junge Radiomacher von Juki in Rheydt

Projekt in Mönchengladbach : Junge Radiomacher in Rheydt

Die Lokalradio-Redaktion von „Juki“ trifft sich jeden Donnerstag. Nach der Schule sind die Jugendlichen aus Mönchengladbach mit dem Mikro unterwegs, führen Interviews und gestalten Funkbeiträge.

Lina und Jakob bereiten einen Pro-und-Kontra-Beitrag vor. Diesmal haben sie aus aktuellem Anlass das Thema Streik gewählt. Jakob überlegt, was für einen Streik spricht, Lina sucht Argumente dagegen. Dass Streiks unbequem sind, liegt erst mal auf der Hand, schließlich fielen an diesem Tag die Schulbusse aus. „Aber so beschäftigen sich mehr Leute mit dem Thema des Streiks“, meint Jakob. Nachdem beide sich ihre Position überlegt haben, wird der Beitrag eingesprochen. „Lest nichts Vorformuliertes vor, das führt zu einem Verlust an Authentizität“, sagt Thomas Bruchhausen. „Die eigenen Argumente sollten frei vorgetragen werden.“

Bruchhausen ist Medientrainer und leitet das Jugendradioprojekt, das – vom Kulturrucksack finanziert – in den Räumen der Jugendkirche in Rheydt stattfindet. Jeden Donnerstag treffen sich die jungen, 12- bis 14-jährigen Radiomacher und produzieren Beiträge für ihre monatliche Sendung, die sonntags im Rahmen des Bürgerfunks ausgestrahlt wird. Sie suchen nach Themen, führen Interviews, bearbeiten die Beiträge. „Jeder kann seine eigenen Ideen einbringen“, sagt Lina. „Und beim Schneiden ist Kreativität gefragt.“ Besonders gern sucht sie nach der passenden Musik, mit der Beiträge unterlegt werden können. „Mir gefällt klassische Musik besonders gut.“

Während Lina und Jakob an Pro und Kontra arbeiten, trainieren Vici und Jonathan in einem anderen Raum Interviewtechniken. Wie geht man mit einem wortkargen Gegenüber um? Sie haben Spaß am Rollenspiel und merken, dass geduldiges und interessiertes Nachhaken oft die Lösung ist. Interviews in der Rheydter Innenstadt zu führen, gehört zu den beliebten Aufgaben der Radiomacher, will aber gelernt sein. „Ich gehe gern auf Leute zu“, sagt Kai, „aber beim ersten Mal hat es geregnet, und ich habe nur Leute angesprochen, die kein Deutsch konnten.“ Es fand nämlich gerade ein internationales Fußballspiel im Borussiapark statt, und in Rheydt waren lauter italienische Fans unterwegs. „Ich habe dann aber trotzdem noch fünf Leute gefunden, die mir geantwortet haben“, berichtet Kai, dem die Umfragen besonders viel Spaß machen.

Das Medium Radio habe große Vorzüge bei der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, erklärt Thomas Bruchhausen, der das Projekt seit vier Jahren betreut. „Man kommt schneller an ein vorzeigbares Ergebnis“, erklärt er. Die Technik sei heute bezahlbar. Und sie steht in der Jugendkirche zur Verfügung. Der zweite Vorteil ist ein scheinbarer Nachteil: Es gibt kein Bild. „So können erstens auch Kinder und Jugendliche mitmachen, deren Eltern nicht wollen, dass sich Bilder ihrer Kinder im Internet finden“, sagt Bruchhausen. Und auch die Interviewpartner geben sich offener. „Eine Kamera führt immer in gewissem Grad zur Selbstinszenierung“, erklärt der Medientrainer. „Ohne Kamera sind die Antworten freimütiger und spontaner.“

Beim Jugendradio werden nicht nur Sendungen produziert, die jungen Redakteure lernen auch viel darüber, worauf man bei einer Veröffentlichung achten muss, welche Rechte zu berücksichtigen sind. Und sie lernen zu verstehen, wie Medien funktionieren. „Wir haben hier sehr junge und neugierige Menschen, die viel wissen wollen und nicht im eigenen Medienkonsum ertrinken“, stellt Bruchhausen fest. Die aktuell aus sieben Teilnehmern bestehende Gruppe fühlt sich pudelwohl in den Räumen des Jugendradios und in ihrer Rolle als Radiomacher. Neue Mitglieder sind aber stets willkommen. Außerdem ist der Aufbau eines älteren Teams geplant. „Wir wollen auch die ansprechen, die älter als 14 Jahre sind“, sagt der Projektleiter.