1. NRW
  2. Städte
  3. Leverkusen

Leere Bussteige: So stellt sich Leverkusen auf den Streik ein

Gewerkschaft Verdi ruft zum Arbeitskampf auf : Leere Bussteige: So stellt sich Leverkusen auf den Streik ein

Für die Wupsi fahren am Dienstag nur die Subunternehmen auf den Hauptstrecken. Auf dem Betriebshof flattern Protestbanner. Die Folgen des Arbeitskampfes bleiben in Leverkusen bis zum Mittag überschaubar.

Busbahnhof Wiesdorf am Dienstagmorgen. Es ist leer. Sehr leer. Nicht nur auf dem Bussteigen, sondern auch davor. Denn Busse fahren, wenn überhaupt, nur spärlich ein. Szenenwechsel: Der erst kürzlich in Betrieb genommene Busbahnhof in Opladen ist ebenso leergefegt. Wenige Kilometer entfernt, auf dem Betriebshof der Wupsi an der Borsigstraße, wird schnell klar, warum an den Busbahnhöfen Leere die Oberhand gewonnen hat: „Heute Warnstreik“ steht auf einem großen Banner direkt am Tor. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat bundesweit dazu aufgerufen, um die Tarifverhandlungen im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) anzustoßen. Auf dem Hof der Wupsi sind Busse „dekoriert“ mit Verdi-Fahnen und Bannern. Auf einem steht: „Nur Verhandlungen führen zum Ergebnis.“ Laut Verdi war die Arbeitgeberseite bisher nicht zu Tarifverhandlungen bereit.

Die Wupsi hat sich vorbereitet. Subunternehmen, bei denen nicht gestreikt wird, übernehmen Fahrten: „Die großen Linien mit den höchsten Nutzerzahlen werden befahren“, sagt Wupsi-Sprecherin Kristin Menzel am Vormittag. Auf der Internetseite des Unternehmens ist der Notfallplan aufgeführt. Die Wupsi hat ihn am Dienstagmorgen nochmal aktualisiert. Aktuell fahren: Linie 201, Linie 206, Linie 207, Linie 209, Linie 211, Linie 222, Linie 227 und Linie SB21. Die Wupsi weist darauf hin, dass es bei der Linie 227 „zu kurzfristigen Ausfällen kommt“. In Leverkusen und im Rheinisch-Bergischen Kreis   sind insgesamt 100 Fahrer und 75 Busse im Notfalleinsatz. Wie viele Fahrer sich am Warnstreik beteiligen, kann die Wupsi am Mittag noch nicht sagen.

Am Wupsi-Betriebshof macht ein Banner am Eingang auf den Warnstreik, zu dem die Gewerkschaft Verdi aufgerufen hat, aufmerksam. Foto: Uwe Miserius

Die Auswirkungen auf den Autoverkehr blieben am Morgen überschaubar. Um 7.45 Uhr meldet der digitale Verkehrsdienst des WDR dichten Verkehr ums Kreuz Leverkusen, zwei Kilometer Stau ab Burscheid in Richtung Köln und 157 Staukilometer für ganz NRW.

Im Klinikum, mit 2400 Beschäftigten auch ein großer Arbeitgeber in der Stadt, hielten sich die Folgen des Streiks in Grenzen. „Keine OP musste verschoben werden oder später beginnen“, sagt Klinikumsprecherin Sandra Samper. Viele Mitarbeiter hätten sich auf den Streik eingestellt, seien vom Bus aufs Auto umgestiegen oder hätten Fahrgemeinschaften gebildet.

Busse auf dem Betriebsgelände sind mit Fahnen und Bannern „dekoriert“. Auf einem heißt es: „Nur Verhandlungen führen zum Ergebnis.“ Foto: Uwe Miserius

Auch städtische Mitarbeiter musste sehen, wie sie zur Arbeit kamen. „Grundsätzlich besteht Arbeitspflicht“, sagt Stadtsprecherin Ariane Czerwon. „Jeder muss selbst seinen Weg zur Arbeit organisieren“.

Bei Lanxess – der Spezialchemie-Konzern unterhält seinen weltweit größten Produktionsstandort in Leverkusen – gibt es durch den Streik keine Einschränkungen. „Die Ankündigung kam früh genug, so dass sich die Mitarbeiter auch in den Betrieben individuell darauf einstellen konnten“, sagt Lanxess-Sprecher Mark Mätschke. „In den Büros gibt es immer noch die Alternative Home-Office. Allerdings kehren die Kollegen dank unseres Schutzkonzepts auch verstärkt wieder an ihre Arbeitsplätze zurück.“

Auch bei Bayer war vom Arbeitskampf nichts zu spüren: „Der Warnstreik hat keinerlei Auswirkungen auf unsere Unternehmenstätigkeit am Standort Leverkusen“, sagt Konzernsprecher Markus Siebenmorgen. Die meisten Beschäftigten mit einer Bürotätigkeit befinden sich weiterhin im Home-Office oder haben diese Option aufgrund des angekündigten Streiks genutzt, sofern sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Arbeitsplatz kommen.“  Wegen der Corona-Pandemie nutzten die meisten Beschäftigten für die Fahrt zum Arbeitsplatz derzeit ohnehin den privaten Pkw, „so dass der Ausstand auch aus diesem Grund keine Auswirkungen für unser Unternehmen hat“.

In den sozialen Netzwerken wird der Streik kontrovers diskutiert. „In der Corona-Zeit mehr Geld haben wollen, während andere in Kurzarbeit sind. Ihr seid klasse, null Verständnis für sowas“, schreibt Elke Fritze auf der Facebookseite von RP Leverkusen. „Ich weiß gar nicht, ob hier einige wissen, wie hart und fordernd dieser Job ist, gerade durch die teils unglaublich netten Gäste die jeden Tag befördert werden wollen“, findet hingegen Mirabell Rickmann, „und jeder von den Fahrern und Fahrerinnen gibt Tag für Tag sein Bestes, auch wenn Außenstehende es vielleicht nicht so sehen.“