Mettmanner war ein Jahr in Australien

Reisen bildet : Mettmanner verbringt als Au-pair ein Jahr in Australien

Cornelius Reh hat viele Eindrücke des faszinierenden Landes gesammelt, beobachtete Stachelrochen und Meeresschildkröten, genoss die Atmosphäre im brodelnden Sydney.

Einen Traum, den er eigentlich noch gar nicht richtig geträumt hatte, konnte sich jetzt Cornelius, Sohn der Musikerfamilie Reh aus Mettmann, erfüllen: Er ging nach dem Abitur, das er im vergangenen Jahr am Konrad- Heresbach- Gymnasium bestanden hatte, für ein Jahr nach Australien, und zwar als Au-pair. Eine Freundin hatte ein Jahr als Au-pair Mädchen bei der Familie Goh in Sydney verbracht und suchte einen Nachfolger. Damit ergab sich diese Riesenchance für Cornelius.

Ein tränenreicher Abschied war angesagt. Mutter Barbara hatte schwer mit sich zu kämpfen, doch Cornelius fiel der Abschied nicht so schwer. Auf ihn wartete ja auch die weite Welt. Nach 27-stündigem Flug wurde der junge Mann von seiner Gastfamilie in Sydney am Flughafen mit großer Herzlichkeit empfangen. Es war Sympathie auf den ersten Blick. Drei Kinder im Alter von 13, 10 und 8 Jahren wollten versorgt werden, denn ihre Mutter war eine bekannte Architektin mit ausgefülltem Kalender.

Morgens um 7.30 Uhr war Wecken angesagt, anschließend wurde gefrühstückt, dann brachte Cornelius Reh die Drei zur Schule. Er hatte ein Auto zur Verfügung und konnte die freie Zeit bis 15 Uhr beim Wellenreiten genießen. Dann ging es an die Aktivitäten der Kinder am Nachmittag: Fußball, Musikstunden und vieles mehr.

Was Cornelius sicherlich für sein Leben geprägt hat, war der Hunger der Kinder: Er lernte kochen und hatte in dem Vater der Familie Goh volle Unterstützung, denn dieser war begeisterter Hobbykoch. Es war eine schöne Zeit, in der Cornelius den großen Bruder spielen durfte – zu Hause war er immer der kleine.

Was ihm nicht so richtig gefallen hatte, war der Umstand, das Weihnachtsfest bei 35 Grad Außentemperatur zu verbringen – während des europäischen Winters ist in Australien Sommer. Da kam doch ein wenig Wehmut auf und die Erinnerungen an heimatliche Weihnacht, mit Musik und Familie. Doch was folgte, vertrieb jede Melancholie: Seine drei „Kinder“ gingen für zweieinhalb Wochen in ein Segelcamp, und er unternahm eine großartige Reise durch Neuseeland. Dieses Abenteuer schildert er mit großer Begeisterung: „Neuseeland ist total anders als Australien. Hier gibt es hohe, schneebedeckte Berge, unglaubliche Wälder, die Meeresbuchten. Einfach grandios.“ Und dann gab es ein Wiedersehen mit den Eltern. Gemeinsam erkundeten sie das Land zwischen Sydney und Melbourne, waren fasziniert von Schlangen und Krokodilen, schnorchelte mit Meeresschildkröten, Mantarochen und – wenn auch in respektabler Entfernung – mit Haien am Great Barrier Reef. Mit Pythons und Riesenspinnen waren sie quasi auf du und du. Doch selbst diese Erlebnisse waren noch zu toppen: Ihn erwartete eine geführte Tour quer durch das Outback, die riesige Wüste in Zentralaustralien. Nachts wurde unterm Sternenzelt geschlafen, morgens wurde er von einem Känguru geweckt – eine atemberaubende Tour, in der aber auch Probleme aufgedeckt wurden: „Die Spannungen zwischen den Ureinwohnern des Kontinents, den so genannten Aborigines, und den weißen Siedlern sind noch immer vorhanden, obwohl die Politik sehr auf Ausgleich bedacht ist“, berichtet der 19-Jährige nachdenklich.

Neben den grandiosen Erlebnissen, die er in seinem Gastland genießen konnte, hat Cornelius die allgemeine Freundlichkeit der Menschen sehr beeindruckt. Es sei wohl die unendliche Weite des Landes, die Aggressionen eher nicht aufkommen lässt, vermutet er. „Sydney ist eine tolle Stadt“, sagt der junge Mann. „Jeden Tag bin ich über die Harbour Bridge gefahren, habe eine Führung in der weltberühmten Oper miterlebt und konnte sogar einen kurzen Skiurlaub in den Snowy Mountains machen. Das war nicht hochalpin, eher wie Winterberg.“

Mittlerweile ist Cornelius wieder zu Hause und hat eine Menge aus dem vergangenen Jahr mitgenommen. Sein Englisch ist natürlich nahezu perfekt geworden, was ihm beim Studium in Münster für Englisch und Sport sehr viel nützen wird. Er hat Freunde aus aller Welt gefunden und meint lachend: „Ich brauche nirgendwo mehr ein Hotelzimmer und träumen tu ich schon wieder auf Deutsch.“

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