Rollator fahren will gelernt sein

Gesundheit : Rollator fahren will gelernt sein

Das Sanitätshaus Brocker bietet gemeinsam mit dem Evangelischen Krankenhaus Mettmann Rollator Seminare an.

Herbert Redowski ist 75 Jahre und trotz seiner Gehschwierigkeiten fit wie ein Turnschuh. Aktivität gehört für ihn im Alltag dazu, er liebt das Reisen mit Ehefrau Marlene, die Natur am Rhein, lange Spaziergänge. Dass das alles, trotz seiner Probleme mit den Beinen, möglich ist, liegt vor allem an seinem Rollator.

„Ich habe den Rollator jetzt seit fünf Jahren“, erzählt der rüstige Senior, „ich weiß, wie ich damit umzugehen habe und ich habe damals bei der Anschaffung nicht am falschen Ende gespart.“  Denn: Rollator ist nicht gleich Rollator und der richtige Umgang mit der rollenden Gehhilfe sollte unbedingt geübt werden. „Das fängt schon mit der Höhe der Griffe an“, weiß  Robert Hensen vom Sanitätshaus Brockers, „viele haben die viel zu hoch oder zu niedrig eingestellt, da kann ihnen der Rollator so wegrutschen oder sie laufen krumm, was dem Rücken nicht gut tut.  Optimal ist es, wenn die Griffe grob auf Höhe der Handgelenke bei hängenden Armen eingestellt sind.“

Das Expertenteam hat für das Rollatortraining im Seminarraum des Evangelischen Krankenhauses Mettmann verschiedene große Matten mit unterschiedlichen Oberflächen mitgebracht – eine aus Kunstrasen, eine, die Kopfsteinpflaster simuliert. Weil Herbert Redowski bereits einen hochwertigen Rollator mit sehr guter Softbereifung besitzt, hat er bei der Fortbewegung darauf keinerlei Probleme. „Anders ist das, wenn man Billigreifen hat, die passen sich dem jeweiligen Rollwiderstand nicht an“, weiß der Fachmann. Gerade günstige Angebote aus dem Discounter seien als wirklich sichere Gehhilfe nicht geeignet.

„Als ich damals das  Rezept für einen Rollator ausgestellt bekam, da wusste ich bereits, dass die Kostenübernahme der Krankenkasse sehr gering ausfällt“, erinnert sich Herbert Redowski, „aber mir liegt meine Sicherheit am Herzen. Also habe ich mich fachlich beraten lassen und musste eine Zuzahlung von mehreren hundert Euro leisten, die sich aber bewährt hat, nicht zuletzt hat man ja auch sieben Jahre Garantie.  Ich habe zum Beispiel ein Carbongestell, das extrem leicht ist, dadurch gut faltbar und problemlos im Auto transportierbar.“ Ehefrau Marlene nickt. „Wir sind jedes Jahr auf Reisen, wir waren jetzt erst am Timmendorfer Strand, man glaubt ja nicht, wie viele nicht barrierefreie Hürden es da gibt. Wenn wir da immer einen schweren Rollator schleppen müssten, beispielsweise Treppen hoch oder runter, also das wäre ja gar nicht möglich.“

 An einer kleinen Stufe erklärt Robert Hensen noch einmal, wie man Bürgersteige und Straßenkanten – auch ohne sogenannte Kipphilfe – am besten überwindet und worauf man sonst noch zu achten hat. „Wir erleben es häufig, dass ältere Leute ihren kleinen Hund dabei haben und die Leine dann an einem der beiden Griffe befestigt. Das ist wirklich gefährlich, wenn der Hund plötzlich los zieht, liegen sie da.“ Das Gleiche gilt bei anderer einseitiger Belastung. „Oh ja das kenne ich“, erzählt Herbert Redowski und lacht, „wenn meine Frau sich mal unbewusst mit am Rollator festhält, das funktioniert gar nicht.“

 Wichtig ist auch, auf das zulässige Gesamtgewicht zu achten- obwohl Herbert Redowski kein  Leichtgewicht ist, fühlt er sich auf dem Sitz an seiner Gehhilfe sicher, hat Halt. Wichtig sind also zwei Dinge: zum einen den optimalen Rollator zu finden, zum anderen, diesen bestmöglich zu nutzen, in Bezug auf Sicherheit und Kraftersparnis. „Es lohnt sich auf alle Fälle, den Fachhandel aufzusuchen, bevor man übereilig das nächstgünstigste Modell kauft“, rät Hensens Kollege, Frank Zirkel, „dort wird man Sie die verschiedenen Modelle ausprobieren lassen und Ihnen, bei höherer Zuzahlung auch die Möglichkeit einer Ratenzahlung einräumen. Und wer schon einen Rollator besitzt, der kann jederzeit vorbeikommen und alles überprüfen lassen.“

Am Ende der Rollator-Schulung – eine Kombination aus Information und Übungen – gibt es für die Teilnehmer einen Rollator-Führerschein. Weil sich das Training bereits in anderen Städten bewährt hat, wird es ab sofort regelmäßig einmal im Monat im Seminarraum im Erdgeschoss des EVK angeboten.

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