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Meerbusch: Neue Unterkunft für Wohnungslose

Soziales : Neue Unterkunft für Wohnungslose

Die Obdachlosenunterkünfte an der Strümper Straße sind baufällig. Nun soll die Verwaltung nach geeigneten Grundstücken für einen Neubau suchen. Sollte das gelingen, könnte bereits in diesem Jahr gebaut werden.

An der Strümper Straße in Osterath pfeift der Wind, es nieselt, es ist kalt. Vor der Hausnummer 81 flattert ein Sonnenschirm, darunter steht eine nasse Liege, auf dem Boden liegt ein Haufen Zigarettenstummel. Das Haus mit der Nummer 81 ist eine von drei Wohnungslosenunterkünften in Meerbusch, die nebenstehenden Häuser mit den Nummern 79 und 83 gehören auch dazu.

Im Treppenhaus von Haus Nummer 81 ist es nicht viel wärmer als draußen vor der Tür. Der Eingangsbereich wirkt auch nicht wirklich aufgeräumt. Im zweiten Stock öffnet eine Frau die Wohnungstür. In ihrem Wohnzimmer hängt ein Fernseher an der Wand, über dem Tisch sind Bilder. „Ich wohne hier seit 2010“, sagt die Frau. Zusammen mit ihrem Mann und ihrem Sohn. Sie sei eigentlich zufrieden mit der Wohnung, aber im Winter sei es oft sehr kalt. Die Familie hat keine Heizung, muss deshalb mit einem Ofen heizen, erzählt sie. Viel mehr sagt sie nicht, sie will ihren Namen nicht in der Zeitung lesen und schließt die Tür.

Die Wohnungslosenunterkünfte an der Strümper Straße sorgen schon länger für Ärger in Meerbusch. Im vergangenen Jahr beschloss der Sozialausschuss, dass neue Unterkünfte gebaut werden sollen. Denn: „Die Gebäude sind baufällig“, sagt Heidemarie Niegeloh von der SPD Meerbusch. Als Ratsmitglied hat sie sich selbst ein Bild vom Zustand der Häuser gemacht und mit den Bewohnern gesprochen. „Die Zimmer sind das Einfachste vom Einfachen, im Flur ist es oft dreckig und ungepflegt, und es gibt keine Heizung“, berichtet Niegeloh. Doch seit der Sozialausschusssitzung im vergangenen Jahr hat sich nicht viel getan. Jetzt wiederum haben die Mitglieder im Planungsausschuss beschlossen, neue Unterkünfte bauen zu lassen.

Die Häuser an der Strümper Straße wurden 1968 gebaut und sind „seit dieser Zeit keiner nennenswerten Sanierung unterzogen worden“, schreibt die Stadtverwaltung in der Beschlussvorlage des Planungsausschusses. 40 Personen in 15 Wohnungen leben in der Unterkunft, neben Wohnungslosen sind das auch Asylbewerber. Eigentlich sind die Häuser als Übergangslösungen für Menschen, die aus den verschiedensten Gründen keine Wohnung finden, gedacht. Doch viele der Bewohner der Anlage leben schon seit mehreren Jahren dort, vier Personen mehr als zehn Jahre, eine davon wohnt sogar seit 26 Jahren in der Unterkunft.

„Viele Jahre hat man das einfach so gelassen“, sagt Niegeloh. Und so wurden aus manchen Übergangswohnungen dauerhafte Unterkünfte. Auch die Frau aus dem zweiten Stock sagt, das sei „keine Unterkunft“ – sie wohne schließlich dort.

Das soll sich, geht es nach dem Planungsausschuss, bald ändern. Die Mehrheit hat dem SPD-Antrag für ein neues Konzept für Wohnungslose zugestimmt. Die Verwaltung wurde beauftragt, so bald wie möglich nach Grundstücken zu suchen, um dort eine neue Obdachlosenunterkunft zu bauen. Das soll bestenfalls noch im Jahr 2020 geschehen.

„Dabei ist aber wichtig, dass wir die Menschen dort nicht isolieren“, sagt SPD-Fraktionschefin Nicole Niederdellmann-Siemes, die den Antrag in den Planungsauschuss eingebracht hat. Es müsse dafür gesorgt werden, dass eine gute Anbindung weiter bestehen bleibt, dass die Menschen dort nicht abgeschieden wohnen würden.

Ein weiteres Problem in den Wohnungen an der Strümper Straße: Dort soll es „immer wieder zu teilweise eklatanten Verstößen gegen die Hausordnung“ gekommen sein. Etwa Sachbeschädigungen, verbotene Tierhaltung oder Ruhestörung.
„Das mit den Ruhestörungen ist seit drei, vier Jahren längst nicht mehr so schlimm“, sagt allerdings Theo Weyer. Er betreibt direkt nebenan, an der Strümper Straße 85, einen Fachmarkt für Auto-und Zweirad-Ersatzteile. Ab und zu brülle mal eine Person, aber insgesamt gebe es aus seiner Sicht nicht mehr so häufig Probleme wie in den vergangenen Jahren. Er habe auch länger nicht mehr mitbekommen, dass die Polizei anrücken musste, erzählt er.

Die Stadt Meerbusch will aber trotzdem dafür sorgen, dass es in einer neuen Einrichtung ruhiger wird und ruhig bleibt. Ob das gelingt, hängt laut Verwaltung auch von der Lage der künftigen Unterkunft ab. Außerdem soll dann auch „zum Wohle aller dort untergebrachten Bewohner und der umliegenden Anwohner“ besser kontrolliert werden, ob die entsprechende Hausordnung eingehalten wird.

Das Geld für den Neubau wurde in den Haushalt für das Jahr 2020 eingebracht, das hat der Rat in seiner letzten Sitzung 2019 beschlossen. Zwei Millionen Euro wurden für den Neubau bereitgestellt. Das freut Nicole Niederdellmann-Siemes. Mehrere Anläufe und Planungen hat es in der Vergangenheit gegeben, „doch jetzt können wir endlich bauen“, sagte die SPD-Politikerin während der Ratssitzung.