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Tankstellen-Räuber aus Leverkusen an der Stimme erkannt

Vor dem Landgericht : Tankstellen-Räuber an der Stimme erkannt

Die Straftaten eines 46-jährigen Leverkuseners, die derzeit vor der 1. Großen Strafkammer des Kölner Landgerichts verhandelt werden, fallen wohl in die Kategorie „Drogen fressen Gehirn auf“. Neben einem Tankstellen-Überfall wurde ihm auch Grabdiebstahl zur Last gelegt.

Am 7. Mai diesen Jahres überfiel der Mann die Shell-Tankstelle am Willy-Brandt-Ring. Pünktlich um fünf Uhr hatte eine Mitarbeiterin die Alarmanlage ausgeschaltet und die Geschäftsräume geöffnet. Der Räuber war sofort zur Stelle, bedrohte die Frau und bereicherte sich mit knapp tausend Euro Bargeld und zwölf Stangen Zigaretten.

Viel Freude hatte er daran allerdings nicht. Denn schon zwei Stunden später verhaftete die Polizei den Räuber. So schnell war eine als schwerer Raubüberfall von der Staatsanwaltschaft gewertete Straftat wohl selten aufgeklärt. Das kam so: Die Mitarbeiterin hatte den Mann an seiner Stimme erkannt, da konnte er seine Aussprache noch so gut verändern. Acht Überwachungskameras hatten das Geschehen zudem aufgezeichnet, obwohl er auf den Bildern nicht zu erkennen ist.

Der Räuber hatte im März in der Tankstelle gearbeitet, erhielt aber nach vier Wochen wegen Unregelmäßigkeiten die Kündigung und eine Strafanzeige. Für die Mitarbeiterin in der Morgenschicht bleibt der Überfall bis heute ein traumatisches Erlebnis. Sie schilderte das Geschehen und war sichtlich mitgenommen, als sie als Zeugin im Gerichtssaal befragt wurde. Erst einmal war sie einige Wochen krankgeschrieben, jetzt ist sie noch in regelmäßiger psychologischer Behandlung.

Nach dem Überfall konnte sie ihre Fesseln lösen und schnell die Polizei rufen. Ihre ersten Angaben brachten die Beamten direkt auf die richtige Fährte. Denn der Täter wohnte nur rund 200 Meter von der Tankstelle entfernt. Polizisten beobachteten das Haus. Und tatsächlich verließ der Mann kurz nach sieben Uhr die Wohnung und wurde samt einem Großteil der Beute festgenommen.

Praktisch fürs Gericht, es kann einen zweiten Fall gleich mitverhandeln. Im Januar wurde der Leverkusener ebenfalls direkt nach einer Straftat erwischt. Mit dem Lkw eines Bekannten hatte er dem Hürther Friedhof einen Besuch abgestattet und diverse Gegenstände wie Bronzestatuen und Vasen aus Messing entwendet. Der Wert der von den Gräbern entwendeten Gegenstände wurde auf rund 500 Euro beziffert. Das seltsame Fahrverhalten und ein Lkw mit offener Ladefläche und nicht gesicherter Ladung fiel einer Polizeistreife auf.

Dies wird als besonders schwerer Diebstahl gewertet. Zugleich konnte der 46-Jährige keine Fahrerlaubnis vorlegen und stand unter Drogen; mehrere Gramm Amphetamine fanden die Beamten zudem im Wagen. Somit können in „einem Abwasch“ vom Gericht an zwei vorgesehenen Verhandlungstagen gleich fünf Anzeigen gerichtet werden.

Als Motiv für all diese Straftaten nennt der Angeklagte seine Drogensucht. Er bekannte, dass er beim Überfall auf die Tankstelle wusste, wo das Geld für die Wechselkasse deponiert war und wo sich im Keller der Schlüssel für den Tresor befand. Nur die Kameras hatte er völlig ausgeblendet – und das gute Gehör des Opfers.