Studiobühne im Opladener Künstlerbunker spielt Mehr high als frei

Studiobühne im Opladener Künstlerbunker : Mehr high als frei durchs Fenster

Die Studiobühne im Opladener Künstlerbunker hat eine spritzige Komödie herausgebracht.

Richtig gemütlich ist es auf der kleinen Spielfläche der Studiobühne im Opladener Künstlerbunker. Und an der Rückseite ist ein schmuckes altes Fenster eingebaut worden, das den Eindruck erweckt, man schaue in eine ländliche Umgebung und nicht vor eine massive Betonwand. Dieses Fenster spielt eine entscheidende Rolle in der neuen Inszenierung von Simon H. Kappes, der zur Generalprobe schon Gäste in den Zuschauerraum ließ, sich aber in guter alter Theatertradition jegliche Beifallsbekundungen verbat.

Alle hielten sich an die abergläubische Weisung, aber man hätte doch zu gerne applaudiert nach dieser witzigen und passend besetzten Aufführung. Lachen war zum Glück erlaubt, denn das hätte man sich wirklich nicht verkneifen können, als die Protagonisten nach und nach durch besagtes Fenster kletterten und nach spitzfindigen Dialogen irgendwann „Mehr high als frei“ waren.

So lautet der Titel der Komödie von Alexandra Maxeiner, die eine zeitgemäße Weiterentwicklung des alten Genres Boulevardstück geschaffen hat und dabei ihre feinen Beobachtungen des Zusammenspiels ihrer Mitmenschen in treffende Aussagen gepackt hat. Einerseits das unerschöpfliche Thema Mann und Frau, das hier mit Charme und der nötigen Übertreibung ausgespielt wird. Und andererseits die Rivalitäten am oder um den Arbeitsplatz, beziehungsweise gesellschaftliche Rollenmuster.

Denn das Ehepaar Bergmann betritt die Bühne durch das Fenster, weil hier im Landhaus des künftigen Arbeitgebers von Mark das entscheidende Bewerbungsgespräch stattfinden soll. Der Schlüssel lag nicht wie verabredet unter der Matte, die es zudem auch nicht gab.

Schon da ahnen die Zuschauer, dass hier ein Missverständnis vorliegen muss und das Paar in das falsche Haus eingestiegen ist. Tom Wagner und seine Frau Bille machen allerdings den gleichen Fehler. Sie ist die zweite Bewerberin um den leitenden Marketingposten und hat eine Präsentation zur Kampagne für den „Burger Nummer 5“ vorbereitet. Während sie auf den Chef warten, dessen Flug sich verspätet hat, beginnen sie sich gegenseitig auszuspionieren. Die gelangweilten Ehepartner ziehen sich derweil einen Joint rein und beseitigen sich zumindest vorübergehend von den Fesseln ihrer erfolgreicheren besseren Hälften.

Die Zuschauer erleben ein vergnügliches Durcheinander und amüsieren sich köstlich bei geistreichem Witz. Zumal die Besetzung total überzeugend ist. Stephan Schneider ist der Prototyp des angepassten Aufsteigers in Anzug und Krawatte, der herrlich hilflos wirkt, wenn er nachts im Trikot-Schlafanzug herumschleicht.

Daniela Westphal ist in der Rolle der Konkurrentin Bille der totale Gegenentwurf: unkonventionell, locker, emanzipiert. Ulrike Paul ist als Lena Bergmann das personifizierte Gesetzbuch und lebt ihre Überzeugung „man muss die Ordnung der Dinge wahren“ – bis hin zum Kofferpacken. Die wirft aber Billes Mann Tom durcheinander, den Robin Ebneth so herrlich konsequent als lebensunfähigen Typen zeichnet, der sich auf der Suche nach sich selbst verliert. Michael Göttsche sorgt für zusätzliche Verwirrung. Ein lohnender Spaß.

Mehr von RP ONLINE