Leverkusen: Wulf Aschenborn zeigt Ausstellung in der Christuskirche

Ausstellung in der Christuskirche : „Mergus“ – eine ruhige Farbexplosion

Abstrakte Malerei in Tape-Technik ist ab Sonntag in der Christuskirche zu sehen.

Selten ist die klare, symmetrische Form der evangelischen Christuskirche so betont worden, wie es Wulf Aschenborn mit der rhythmischen Anordnung seiner Bilder in größtenteils gleichen Formaten geschafft hat. Obwohl seine abstrakten Arbeiten enorm farbig sind, wirkt das Zusammenspiel erstaunlich ruhig und meditativ, fast wie moderne Fenster. Die Formen, die sich aus diversen kleinen Farbflächen zusammensetzen, wirken klar konstruiert, so dass sich eine mehr oder weniger starke räumliche Wirkung entfalten.

Tatsächlich sind es allenfalls wenige Linien, die er als erste Ideenskizze notiert. Im Prinzip arbeitet er frei und beinahe planlos. Wenn man mal davon absieht, dass er lange Erfahrungen gesammelt hat, so dass er schon weiß, was er tut. Wie er vorgeht, hat seine elfjährige Nichte zu Papier gebracht: „Wulf macht so eine Klebekunst. Er klebt Streifen auf eine Leinwand und übermalt sie dann mit bunter Farbe. Dann zieht er die Streifen ab und klebt dann neue Streifen. Dann übermalt er sie wieder mit bunter Farbe und so lange macht er das, bis das Bild fertig ist.“

Treffender und präziser lässt sich der Arbeitsprozess, der wegen der langen Trockenzeiten bis zu einem halben Jahr dauern kann, kaum beschreiben. Zunächst wird die Leinwand in einer Farbe grundiert und dann, sozusagen im Negativverfahren, Flächen und breite geschwungene Linien mit einem speziellen Tape sauber abgeklebt, bevor die erste Farbschicht aufgetragen werden kann. Diese speziellen Industrietapes, die an den Kanten sauber abdichten, sich aber nach dem Trocknen rückstandslos abziehen lassen, lässt er sich passend für die Bildformate zuschneiden. Und dann formt er sie Stück für Stück selbst.

Sechs Farbschichten bringt er so auf, bevor die Tapes entfernt werden. In weiteren Phasen wird das Ganze wiederholt, so dass sich am Ende 15 bis 16 Schichten mehr oder weniger überlagern. „Ich sehe nie eine Entwicklung wie andere Maler“, räumt Wulf Aschenborn ein. Er weiß während der Arbeit nicht, was sich unter den Klebern befindet, aber das stört ihn auch nicht. „Es sei denn, ich bin hinterher unzufrieden.“ Das kommt auch vor, zum Glück aber selten.

Der spannendste Augenblick ist, wenn er sich ans offene Fenster seines Ateliers setzt, und die Tapes vorsichtig abknibbelt. Eine Heidenarbeit, die ihm mindestens zwei Tage Muskelkater einbringt, erzählt er. Ist er zufrieden mit dem Ergebnis, dann gönnt er sich ein Bier. Falls nicht, versuche er sich das Bild mit einer zweiten Flasche schön zu trinken. Bestätigt sich der erste Eindruck, dann wird es gnadenlos übermalt. Die seltsamen Titel wie Mergus oder Sownent haben keine Bedeutung. Es sind ganz einfach die ungewöhnlichen Namen zufällig vorbeifahrender Schiffe, die er zur späteren Verwendung ebenso notiert wie die verwendeten Farbtypen.

Die Ausstellung wird am Sonntag, 22. September, im 10 Uhr-Gottesdienst in der Christuskirche, Dönhoffstr. 2, eröffnet und ist bis 24. November zu sehen. Zeiten: Mi-Fr 15-18 und Sa 11-15 Uhr sowie in der Kunstnacht am 10. Oktober.

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