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Leverkusen: Figurentheater der Bühne Cipolla spielte "Der Untergang des Hauses Usher".

Figurentheater : Als das Haus Usher unterging

Das Figurentheater der Bühne Cipolla sorgte beim Klassiker von Poe für Gänsehaut.

Schaurig-biedere Atmosphäre, noch bevor das Stück überhaupt beginnt. Während das Publikum die Plätze einnimmt, dürfen sie auf der Bühne bereits einen seelenlosen dunklen Geist beobachten, der vor düsteren Toren eine an Stahlketten angebundene Kiste zu sich zieht. Anregend, dieses Stilmittel. Und gleichzeitig das Markenzeichen der „Bühne Cipolla“, bestehend aus Schauspieler Sebastian Kautz, Musiker Gero John, Beleuchtungsmeister Frank Barufke und Melanie Kuhl, die für das gruselige und doch authentische Design der lebensgroßen Puppen verantwortlich ist.

Es wird still und nichts passiert. „Das Licht müsste doch jetzt endlich mal ausgehen“, hört man das Publikum förmlich denken. Noch bevor die Stille vor Anspannung explodiert, spricht aus dem Publikum eine laute Stimme. Der Groschen fällt sofort: Der Erzähler ist mitten unter uns und nimmt uns mit auf eine Reise ins 19. Jahrhundert, die die eine oder der andere Zuschauer so schnell nicht vergessen wird. Die Puppen erwachen zum Leben.

Mit ihrer neuen Inszenierung „Der Untergang des Hauses Usher“ von Horror-Experte Edgar Allen Poe überzeugte die Bühne Cipolla aus Bremen das Leverkusener Publikum bereits zum wiederholten Male. Mehrmals spielten sie literarische Klassiker wie „Die Schachnovelle“ von Stefan Zweig oder Thomas Manns „Mario und der Zauberer“ auf der Studio-Bühne des Forums. Längst gelten die Künstler nicht mehr als Geheimtipp, schließlich durften sie im vergangenen Jahr den „Monica-Bleibtreu-Preis“ in der Kategorie (moderne) Klassiker entgegennehmen.

Edgar Allen Poes Spuk-Kurzgeschichte über das Haus Usher, das eine Geschichte nicht nur über Freundschaft erzählt, passt zur „Bühne Cipolla“ wie angegossen. Die Interpretation gelingt. Die unheimliche Nacht im Adelshaus, in dem alles bereits dem Untergang geweiht ist und gleichzeitig auch mit biografischen Inhalten des Schriftstellers gefüllt ist – der Zuschauer kauft sie ab. Die Faszination zum Düsteren ist da. Verstörend und dennoch faszinierend zugleich.

Es ist die Langsamkeit der beiden Künstler, die den Gänsehauteffekt produziert, abgestimmt mit feinsten Cello-Tönen von Gero John. Und dass Sebastian Kautz auch noch richtig gut singen kann, beweist er mit einer eigenen Interpretation zum „Geisterschloss“ – eine Ballade, die in der Kurzgeschichte von zentraler Bedeutung ist.