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Leverkusen: Stefan Henke aus Witzhelden erzählt über das Horn

Ich spiele... : Das Horn erfordert Lippen-Muskel-Kraft

Der Witzheldener Stefan Henke ist Solohornist und besitzt eine eigene Instrumentensammlung. Sie zeigt die Geschichte des Blasinstruments.

„Das Horn, das Horn, das ruht sich aus.“ Der Text des Kinderliedes, in dem strophenweise Instrumente beschrieben werden, ist nicht so ganz fair zu den Hornisten, auch wenn die im Sinfoniekonzert schon mal längere und mehr Pausen haben als etwa die Streicher-Kollegen. Das ist unumgänglich, denn sonst würde kein Hornist eine drei- bis vierstündige Oper schaffen. Je nach Anspruch der Partie wäre er schon nach zweieinhalb Stunden „abgeblasen“ wie es im Hornisten-Jargon heißt. Die Lippen-Muskulatur macht irgendwann nicht mehr mit, erzählt Stefan Henke, der als Solohornist des Philharmonischen Orchesters Hagen durchaus trainiert ist. Beim konzentrierten Üben zu Hause sei er ohne Verschnaufpause schon nach einer Stunde platt. Und wenn er sich sechs Wochen Urlaub vom Instrument leisten würde, bräuchte er eine ganze Woche, um die Muskeln wieder aufzubauen. Das sei nicht anders als beim Sport.

Neben seinem Hauptberuf im Orchester, das sowohl Sinfoniekonzerte als auch die Opern-Produktionen in Hagen spielt, unterrichtet Henke und musiziert in Kammermusik-Ensembles. Im Arion-Trio, in der Besetzung Sopran (gesungen von seiner Frau Andrea Weigt), Horn und Klavier, gräbt er gerne Literatur – insbesondere aus der Schubert-Zeit – aus, die nicht häufig aufgeführt wird. Mit den Rheinischen Bläsersolisten, zusammengesetzt aus Mitgliedern führender deutscher Orchester, plus Erzähler hat er häufiger Kinderkonzerte in Witzhelden veranstaltet, zuletzt eine Bläser-Kurzfassung von Humperdincks „Hänsel und Gretel“.

Das Horn von Stefan Henke. Foto: Miserius, Uwe (umi)

Ein weiteres Spektrum an Kompositionen lässt sich mit dem Rheinischen Hornquartett verwirklichen, das ebenfalls regelmäßig in der Witzheldener Kirche zu Gast ist. Solche Auftritte nutzt Stefan Henke, um dem Publikum etwas mehr über Bau und Geschichte seines Instruments zu erzählen. Und Anschauungsmaterial hat er genug in seiner Sammlung, angefangen von echten Naturinstrumenten wie einer großen Muschel und einem Widderhorn oder Schofar.

Voraussetzung für den Klang ist die konische Aushöhlung. Das funktioniert sogar mit einem aufgewickelten Gartenschlauch plus Trichter am einen und Horn-Mundstück am anderen Ende, demonstriert Henke. „Das waren immer Signalinstrumente“, zeigt er ein grün umwickeltes Jagdhorn, das mit gelbem Band umwickelt als Posthorn in Gebrauch war. Auf diesen Naturinstrumenten ohne jegliche Mechanik, wie sie zur Bach-Zeit gebaut wurden, lassen sich nur die Naturtöne blasen, die Zwischentöne erreicht man durch „Stopfen“ des Trichters mit der Hand.

„Das waren echte Hand-Virtuosen, die damals Mozarts Hornkonzert gespielt haben“, sagt Stefan Henke und demonstriert sein modernes Ventilhorn, auf dem sich eine chromatische Tonleiter spielen lässt. Mit der linken Hand kann er die Klappen der Drehventile bedienen und so seinen Luftstrom in unterschiedlich lange Rohrbögen leiten. Die Länge bestimmt die Tonart, je länger desto tiefer ist die Lage.

Das Prinzip wurde bereits in der Klassik entwickelt – vorher gab es nur das Parforce-Horn mit einer Tonart – mit aufgewickelten Zwischenbögen verschiedener Länge zum Auswechseln. Spiele er beispielsweise die Zauberflöte auf diesem historischen „Inventionshorn“ dürfe er nicht vergessen, den richtigen Bogen einzusetzen: für die Tamino-Arie den in Es, die Papageno-Arie in G und die Königin der Nacht in B. Beim modernen kombinierten Horn, das zudem sehr viel weicher klingt als der robuste, kantige Vorgänger, reicht eine Fingerbewegung. Würde man die verdrehten Rohre des handlichen Instrumentes aufwickeln, wäre es übrigens genauso lang wie das sperrige Alphorn in Stefan Henkes Sammlung: 3,40 Meter.

Eine weitere Besonderheit ist die Wagner-Tube (nicht Tuba!), deren längliche Form an ein Euphonium erinnert. „Das ist allerdings anders herum gewickelt und rechtsgriffig“, zeigt Henke den Unterschied auf.