Beim Neujahrsempfang der Leverkusener Kassenärzte wurden Anke Stausberg und Georg Kirch geehrt.

Leverkusener Kassenärzte : Auszeichnung für Doktor „Weltenbummler“

Beim Neujahrsempfang der Leverkusener Kassenärzte wurden Anke Stausberg und Georg Kirch geehrt.

Beim Neujahrsem-
pfang der Leverkusener Kassenärzte und Psychotherapeuten im Schloss Morsbroich wurden am Mittwoch Anke Stausberg und Georg Kirch ausgezeichnet. Die beiden langjährigen Mediziner hatten sich in ihrer Laufbahn, die in Teilen noch immer anhält, über ihren Beruf hinaus verdient gemacht. Sie machten ihren Beruf zu einer Berufung.

Stausberg hilft mit ihren 76 Jahren weiterhin in einer Notfallambulanz aus, ist seit nunmehr fast 50 Jahren Ärztin und liebt es, mit Menschen zu arbeiten. Das, so sagt sie, sei damals auch der Grund gewesen, aus dem sie sich schließlich dem schwierigen Medizinstudium stellte. „Das war es – und nichts anderes“, betonte sie.

Auf einem speziellen Gymnasium in ihrer Heimatstadt Berlin erlernte Stausberg bereits ab der fünften Klasse Latein und besaß wenig später das Große Latinum.  Doch an ein konzentriertes Lernen im Studium war für die ambitionierte in den frühen 1960er-Jahren nicht zu denken. In der heutigen Hauptstadt gingen die Studenten auf die Straße und demonstrierten. „Deshalb zog es mich nach Köln“, erzählte sie.

Für Kollege Georg Kirch, der in Langenfeld geboren wurde, ist Köln nur ein Katzensprung. Ihn reizte die weite Welt. Kirch war ehrenamtlich in Entwicklungsländern tätig, reiste durch Südamerika und nach Afrika, half dabei Krankenhäuser fernab der Zivilisation zu errichten und arbeitete dort. Was er da alles erlebt habe, berichtete er, würde wohl den Rahmen sprengen. Ein paar Bilder besitzt der 82-Jährige jedoch auf dem Smartphone, das er sodann zückte.

Auf einem der alten Bilder ist ein sperriges, recht wertvolles Ultraschallgerät zu sehen. „Das haben wir einst durch den Zoll geschmuggelt“, erzählte er. Der Verein German Doctors finanziert Ärzten derartige Reisen – zumindest größtenteils. Die Hälfte des Flugpreises müssen die Mediziner selber tragen. „Ich habe das immer ganz übernommen“, sagte Kirch.

Dessen Sohn übernahm die Praxis seines Vaters in Lützenkirchen. Für Kirch heißt das aber noch lange nicht, dass er sich zur Ruhe setzt, wie er betonte. Er fühle sich gut, die Arbeit mache ihm Spaß – warum also nicht. Seine Überzeugung geht so weit, dass Patienten ihn in Notfällen auch nachts aus dem Bett klingeln könnten. Er sei da, wenn er gebraucht werde.

Insgesamt sehen die Beteiligten auf dem Neujahrsempfang die ärztliche Situation in Leverkusen entspannt. SPD-Bundestagsmitglied und Mediziner Karl Lauterbach sagte zwar, in Zukunft würden Ärzte fehlen, Leverkusen aber sei gut aufgestellt. Für Anke Stausberg liegt das an der hohen Frauenquote in der Medizin. „Rund 80 Prozent der Studenten sind Frauen“, berichtete sie. Und die seien zukünftig oftmals neben ihrem Berufsleben anderweitig eingespannt und zeitweise unpässlich. Das merke man auch in Leverkusen.