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Leverkusen: Kampf um die grüne Wüste an der Feldstraße

Leverkusen : Kampf um die grüne Wüste an der Feldstraße

Die Meinungen über die Baupläne für das Areal Feldstraße bis Bahnstadt Opladen gehen stark auseinander. Heute sprechen die Befürworter.

Die Anwohner Wilfried Küpper (72) und Gerd Ingenhag (75) sind sich einig: "Es muss etwas passieren. Diese Wüste muss weg, hier sollte endlich gebaut werden." Um den Grünstreifen zwischen Feldstraße, Kolberger Straße, Neuer Bahnstadt und Torstraße ist durch einen Antrag von CDU, Grünen und OpladenPlus ein alter Streit unter den Nachbarn ausgebrochen. Die Ratsfraktionen fordern, das Gelände als Bauland auszuweisen.

Ich stehe mit Küpper und Ingenhag auf dem umkämpften Grünzug. Es ist relativ ruhig. Die Vögel zwitschern. Es gibt viele Bäume rings-herum und eine überraschend stattliche Anzahl von Kleingärten. Hinter einer Garage hat jemand ein kleines Gartenhäuschen aufgebaut. Davor stehen gefüllte Fressnäpfe. "Eine Frau versorgt hier die wilden Katzen", sagt Ingenhag. Das erklärt auch die Katzenklappe in der Holzhütte.

Auf den ersten Blick bietet das rund 25.000 Quadratmeter große Areal eine Oase der Ruhe, eine Idylle zwischen den Betonbauten der Neuen Bahnstadt und der Feldstraße. Bei genauerem Hinsehen entpuppt sich der Grünzug in großen Teilen als wild gewachsener Wald, in dem sich vor allem Birken drängeln. Auch die Brombeere hat weite Flächen in Besitz genommen. Viele Schrebergärten sind in erbärmlichem Zustand, ungepflegt, teils voller entsorgungswürdigem Gedöns.

"Die Nutzer sind meist sehr alt und können die Gärten nicht mehr in Schuss halten", sagt Ingenhag, der einige Flächen für die Erbengemeinschaft seiner Familie verwaltet. Gleich nebenan eine kurz gehaltene Wiese, ohne jede weitere Bepflanzung oder Möblierung. Das lang gezogene, säuberlich eingezäunte Grundstück gehört zu einem Haus der Bahnstadt. Eine andere, fast 4000 Quadratmeter große Fläche ist städtisches Eigentum. Über das unbebaute Gelände könnte die Zufahrt für das Hintergelände der Feldstraße verlaufen, sagt Ingenhag.

Warum erzähle ich das? Die Familie Ingenhag, die mehrere Grundstücke in diesem Stück Quettingen besitzt, fordert ebenfalls seit Jahren die Genehmigung, dort Wohngebäude bauen zu können. "Bisher vergeblich", bestätigt gestern Senior Ingenhag beim Ortstermin. Auch Wilfried Küpper betont, es müsse dringend etwas geschehen. Lange Zeit wurde das Gelände als Müllkippe missbraucht, sagt Ingenhag.

Der Langenfelder Bauunternehmer Gernot Paeschke hat inzwischen allen Grundstückseigentümern Kaufangebote unterbreitet.

Das Problem an der ganzen Geschichte haben die Großväter und Väter der heutigen Eigentümer verursacht. Sie verkauften oder bebauten Grundstückteile direkt an der Feldstraße. Damit sind fast alle Flächen dahinter nicht mehr direkt zu erreichen. Weiterer Knackpunkt: Die Grundstücke messen meist nur rund zehn Meter Breite, dafür sind sie aber bis zu 120 Meter lang und gehen bis an die Mauer zur Neuen Bahnstadt. "Wirklich nutzen lässt sich so ein schmales Grundstück nicht", sagt Ingenhad. Außer wenigen Flächen sei doch alles stark verwildert. "Und wir sind inzwischen alt geworden", ergänzt Küpper, "deshalb wollen wir verkaufen."

Zur Erinnerung: Feldstraßen-Anwohner Claus Gösling ist völlig anderer Meinung: "Ich will nicht verkaufen, wir haben einen gepflegten Garten und lieben ihn, wie er ist." Auch wenn es ein schmaler Streifen sei. Aber das Grundstück gehöre seit 1910 der Familie. Inzwischen wachse dort die fünfte Generation auf. Und die Natur sei in Ordnung.

Angesichts des politischen Bauantrages und wegen der Verkaufsabsichten der meisten Nachbarn wächst auf die Göslings der Druck der Anwohner. Verkauft Gösling tatsächlich nicht, können Nachbarn wie Küpper ihre Flächen weder veräußern noch bebauen. Göslings Grundstück liegt ziemlich mittig in dem Grünstreifen zwischen Torstraße und Kolberger Straße. Es würde gebraucht, um die Flächen in Richtung Kolberger Straße mit Zufahrten zu erschließen.

Paeschke hat vorgeschlagen, alle schmalen Grundstücke zusammenzulegen und dann neue Bauflächen zu bilden. Der Familie Gösling bot er einen dann quadratisch neu geschnittenen Garten an. "Kein Interesse", sagte Gösling im Gespräch mit unserer Redaktion. Im Gegensatz zu ihrer Fraktion lehnen CDU-Ratsherrin Christine Richerzhagen und Lucas Melzig (CDU-Bezirks-Fraktionsvorsitzender) die Bauideen für den Grünstreife ab. Quettingen könne noch mehr Beton nicht vertragen, sagen sie.

(RP)