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Leichlingen: Ehrenbürgermeister Schüller ist tot

Leichlingen : Ehrenbürgermeister Schüller ist tot

Leichlingen trauert um Walter Schüller: Der frühere Bürgermeister und langjährige hoch geachtete Kommunalpolitiker verstarb am vergangenen Freitag 92-jährig. Er war ein Vorbild an Gradlinigkeit und Tatkraft.

Sein Wahlspruch war stets: "Es gibt keine CDU-Kanäle und keine SPD-Straßen." Soll heißen: "In der Kommunalpolitik muss man zusammenarbeiten." Nach dieser Devise hat Walter Schüller Zeit seines Lebens gehandelt — und das, verbunden mit absoluter Gradlinigkeit, Tatkraft und Verlässlichkeit hat ihn parteiübergreifend in der Leichlinger Bevölkerung beliebt gemacht.

Entsprechend groß ist die Trauer um Leichlingens Ehrenbürgermeister, der vergangenen Freitag im Alter von 92 Jahren gestorben ist. Bis zuletzt sei er geistig topfit gewesen, sagen Freunde und Bekannte.

Allgemeinwohl immer im Blick

Einer, der Schüller wenige Wochen vor dessen Tod noch besucht hat, ist sein SPD-Parteifreund Hans Gonska. Er sagte gestern: "Was Walter Schüller in seinem hohen Alter noch im Kopf rechnen konnte, dafür brauchen manche jungen Leute Taschenrechner." Die beiden hatten über Zahlen gesprochen — und zwar im Zusammenhang mit der Bürgerstiftung, die nicht nur Initiator Gonska am Herzen liegt, sondern die auch der Bundesverdienstkreuzträger unterstützte.

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Das Allgemeinwohl hatte der in Metzholz geborene Schüller, der in Friedrichshöhe die einklassige Volksschule besuchte und später eine kaufmännische Lehre bei der Burscheider Firma Bergfeld & Heider absolvierte, immer im Blick. Schon sein alter Lehrer hatte das offenbar bemerkt, denn er gab dem jungen Mann den Rat: "Du musst in die Kommunalpolitik gehen!"

Gesagt, getan: Gleich nach dem Krieg trat Walter Schüller in die SPD ein. Zehn Jahre war er Vorsitzender der Kreistagsfraktion und Anfang der 1970er-Jahre schließlich Bürgermeister in Leichlingen. Eine aufregende Zeit, denn die kommunale Neugliederung sorgte für Begehrlichkeiten anderer Städte. Zu seinem 90. Geburtstag erinnerte der Jubilar noch einmal daran: "In Opladen war damals Bruno Wiefel Bürgermeister und der meinte, es sei doch das Beste, wenn sich unsere Städte zusammenschließen würden, um nicht von Leverkusen oder Solingen vereinnahmt zu werden", erzählte er damals. Seine Antwort: "Das ist die zweitbeste Lösung, die beste ist, selbständig zu bleiben."

Dies mit durchgesetzt zu haben, ist eines der größten Verdienste Schüllers. Doch auch die Entscheidung für den Bau des Schulzentrums Am Hammer oder die Flurbereinigung, die ländlichen Ortschaften die Möglichkeit zur Bebauung verschaffte, fielen in seine Zeit. Darüber hinaus war er in vielen Gremien und Verbänden tätig, vom Landschaftsverband bis zum Spar- und Bauverein.

Neben der Politik, der Jagd in freier Natur und dem MGV Liederkranz Metzholz, in dem Schüller selbst als 90-Jähriger noch sang, gehörte seine Liebe aber vor allem seiner Familie — den Urenkeln, Enkeln, seinen beiden Töchtern und natürlich seiner Frau Emmi, die er einst bei einem Sommerfest des Chores kennengelernt hatte. 2009 feierte das Paar Eiserne Hochzeit.

"Als Emmi Schüller vor Kurzem starb", sagt Hans Gonska, "konnte man förmlich zusehen, wie Walter Schüller körperlich abbaute". Er überlebte seine Frau um ganze drei Monate.

(RP/rl)