1. NRW
  2. Städte
  3. Langenfeld

Intensivstation am St. Martinus-Krankenhaus in Langenfeld ist voll

St. Martinus-Krankenhaus in Langenfeld : Die „Stille Triage“ hat begonnen

Covid-Patienten machen derzeit eine seriöse OP-Planung im Langenfelder St. Martinus-Krankenhaus schwierig. Politische Schnellschüsse erschweren zusätzlich den Krankenhausalltag.

Die vierte Coronawelle lenkt den Blick neuerlich auf die medizinische Versorgung. Die Nachrichten aus den Krankenhäusern, insbesondere von den Intensivstationen, beherrschen die Nachrichtenlage. Wir haben uns beim St. Martinus-Krankenhaus umgehört, wie die Verantwortlichen die Situation erleben und beschreiben.

Dr. Reinhard Rüschner, Chefarzt für Anästhesiologie und Intensivmedizin, und Sven Mitteldorf, der Kaufmännische Direktor des St. Martinus Krankenhauses, beantworten Fragen erst nach der Task Force-Runde, in der allmorgendlich die aktuelle Situation im 180-Betten Haus analysiert wird, um die notwendigen Entscheidungen für Ärzte, Pflegepersonal, Hygienekonzepte zu treffen.

Dabei geht es auch um die Verschiebung nicht dringender Eingriffe. Bei akuten Schmerzen, kritischen Tumorpatienten oder Opfern akuter Unfälle wird natürlich schnell reagiert. „Aber das ist schon eine stille Triage“, räumt Rüschner ein. Jede Neuaufnahme wird zunächst mit Schnell- oder PCR-Test auf Covid 19 getestet; und „wir versorgen jeden, prüfen genau den Impfstatus, wobei die Behandlung unabhängig vom Impfstatus erfolgt“. Besonders zeitaufwendig ist im Tagesgeschäft die Rückverlegung von pflegebedürftigen Patienten in Heime oder ihre häusliche Umgebung.

  • Mila Henn (links) und Jessica Görgens
    St.-Irmgardis-Krankenhaus Viersen-Süchteln : Der Patient liegt noch im Rettungswagen, sein EKG ist schon da
  • Ausnahmen für Notfälle : Krankenhäuser im Kreis Kleve führen 2G-Plus-Regel ein
  • Im Kreis Viersen werden derzeit 45
    Kreis Viersen : 45 Menschen mit Corona im Krankenhaus

Acht Intensivbetten stehen im Martinus-Krankenhaus zur Verfügung, die sind alle belegt, zwei Covid-19-Patient werden aktuell beatmet. Neben der absoluten Zahl der Intensivbetten ist der konkrete personelle Aufwand für die Patienten entscheidend.

Die Betreuung der Patienten an Beatmungsgeräten ist so enorm, dass bei unveränderter Personalkapazität nicht alle Plätze belegt werden können. Die Kräfte arbeiten dort stundenlang unter Vollschutz, eine enorme körperliche Herausforderung. „Wir haben dort ein junges, dynamisches Pflege-Team, das zwar an der Belastungsgrenze arbeitet, aber noch nicht resigniert hat“, berichtet Sven Mitteldorf. Allerdings sind auch immer wieder coronabedingte Ausfälle beim Personal aufzufangen.

(Nur) für die Pflegekräfte gab es in 2020 zweimal eine Sondervergütung, obwohl auch Ärzte und Verwaltung seit dem Frühjahr 2020 enormen zusätzlichen Belastungen ausgesetzt sind. Alle plagt die Frage: „Wie konnte die vierte Welle solche Ausmaße annehmen, wieso fehlten die politischen, die überregionalen Konzepte?“.

In der ersten Welle waren die Verläufe schwieriger, weil erst wenige Menschen geimpft waren. Jetzt erleben Ärzte auf den Normalstationen zwar Patienten mit Impfdurchbrüchen, deren Covid-Infektion aber meist milde verläuft. Es bleibt festzuhalten „Den Nicht-Immunisierten ,Ungeimpften’ drohen schwere Verläufe, bis hin zum Tod des Patienten“, appelliert Reinhard Rüschner an die Impfskeptiker.

„24 Stunden, nachdem die Regierung das tägliche Testen am Arbeitsplatz anordnete, war der Markt für Tests leergefegt, auch Krankenhäuser haben Mühe, an Nachschub zu kommen“, erklärt Mitteldorf an einem praktischen Beispiel die Sprunghaftigkeit und praktischen Auswirkungen politischer Entscheidungen. „Einen Tag später reichen zwei Tests pro Woche.“ Ihm fehlen vorausschauende Planung und praxistaugliche Vorgaben. „Bei uns als Betriebsleiter werden die Regelungen hinterfragt, und unsere Glaubwürdigkeit leidet.“

Das aktuelle, absolute Besuchsverbot im Martinus-Krankenhaus ist unvermeidbar, „die meisten haben Verständnis, aber vielfach bedarf es intensiver Gespräche an der Pforte“, streift Reinhard Rüschner auch die Auswirkungen dieser bedauerlichen Einschränkung für Angehörige oder andere Besucher.