Erkelenz: Was Rettungshelfer in der Not leisten müssen

Erkelenz : Was Rettungshelfer in der Not leisten müssen

Das DRK lud Journalisten auf das Nato-Übungsgelände Teveren ein. Dort schlüpften sie in die Rolle der Rettungshelfer bei Katastrophen.

Beim Eintreffen am Unfallort bietet sich ein chaotisches Bild: Rauch steigt aus dem großen Transporthubschrauber, der auf dem Boden steht, auf, und viele Verletzte laufen schreiend und gestikulierend umher.

Zuvor hatte ein dumpfer Knall klar gemacht, dass ein schwerwiegender Unfall passiert sein musste, eine Folgeexplosion sorgt zusätzlich für Schrecken. Das Szenario nach dem Hubschrauber-Absturz während einer Flugshow, das sich auf dem Übungsgelände Teveren abspielt, ist nachgestellt - die nervenaufreibende Anspannung der Beteiligten ist aber äußerst real.

Die Besonderheit für mich als Autorin: Als Teilnehmerin des alle zwei bis drei Jahre stattfindenden Journalistencamps des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) habe ich die Seite gewechselt und bin in neonfarbener Montur als Sanitätshelferin dabei. Sich besser in die Situation der Helfer bei Unfällen und Katastrophen einfühlen zu können, ist Ziel der ungewöhnlichen Aktion. Sobald unser Rettungswagen angehalten hat - ich bin mit den DRK-Sanitätern Inke Böckenholt und Daniel Caelers sowie einer Kollegin des Fernsehsenders SAT.1 NRW mit hohem Tempo hergefahren - kümmere ich mich um die ersten Verletzten.

Feldkoch Sascha Schmitz rührte In den 70- und 90-Liter-Behältnissen der Feldküche in der duftenden Gulaschsuppe. Foto: Nicole Peters

Eine Jugendliche schreit vor Schmerz und weist immer wieder auf ihren abgerissenen Daumen hin (sie ist eine von 15 Verletztendarstellern aus Viersen und Leverkusen). Dazu kommen junge Frauen, die schwere Verbrennungen davon getragen haben. "Die Verletzten beruhigen, vor den Rettungswagen setzen und darauf achten, dass sich keiner entfernt", instruiert mich Sanitäter Daniel. Er läuft zwischen den Betroffenen umher, ordnet ihnen Umhängeschilder mit Angabe des Verletzungsgrades zu und hilft weiteren Verletzten.

Möglichst viele Handlungsabläufe bei Hilfseinsätzen und die unterschiedlichen Aufgaben kennenzulernen, ist für die teilnehmenden Journalisten, die tatkräftig mit anpacken, angedacht. Weitere Kollegen halten alles als Außenstehende in Ton, Bild und Schrift fest. Nachdem ich die offene Schnittwunde am Kopf eines Mädchens, das von der Explosion vorübergehend taub geworden ist, verbunden habe, fragt ein Helfer nach Unterstützung beim Tragen einer bewusstlosen Person, worauf ich meine Hilfe anbiete. Nur ein paar Meter vom Hubschrauber entfernt liegt die junge Frau, die wir zu dritt auf die Trage heben. Spätestens beim Transport wird mir klar, welch großer Körpereinsatz in vergleichbaren Situation von den überwiegend ehrenamtlichen Helfern geleistet wird.

Jetzt nur nicht einen der vier Tragegriffe loslassen, damit der Patient sicher ankommt. Stabile Seitenlage mit beherztem Ruck am Hosenbund, "Legen einer Kanüle" für die Infusion und Puls- sowie Blutdruckmessen sind im Weiteren dringend erforderlich. "Bei den Patienten, die laut rufen und sich bemerkbar machen, sind die vitalen Funktionen soweit vorhanden", erläutert der begleitende Sanitäter, "bei den Bewusstlosen können innere Blutungen vorliegen und zudem müssen sie stabilisiert werden." In der abschließenden Lagebesprechung erstattet der zuständige Einsatzleiter Dirk Sönges Bericht, inwieweit Aufbau der Patientenablage (Versorgungszelt) oder die Patientenversorgung vorangeschritten sind.

Ich persönlich habe bei meinem Einsatz erfahren, wie wertvoll es ist, helfen zu können und wie viel Engagement hinter dem überwiegend ehrenamtlichen Einsatz steckt. Im Fall der realen Unfallsituation die Helfer arbeiten zu lassen und den ausgewiesenen Pressesprecher nach Informationen zu fragen sind die Haupterkenntnisse, die ich als Reporterin mitnehme.

(cole)
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