Was tun bei einem Shitstorm? Kommentar zur Fuchsjagd im Krefelder Zoo

Krefeld : Was tun bei einem Shitstorm?

Der Zoo musste nach den Berichten über die Fuchsjagd auf seinem Gelände einen Shitstorm über sich ergehen lassen. Der beste Weg, dem zu begegnen, heißt: sich nicht wegducken, sondern ruhig argumentieren. Und stehen.

Jüngst war der Krefelder Zoo dran. Nach unserem Bericht über die Fuchsjagd im Zoo samt Problematik, dass rund um die Grotenburg Füchse siedeln, die den Zoo als willkommenes Jagdrevier für leichte Beute zu sehen gelernt haben, wurde der Zoo von einer Flut kritischer Mails von Tierschützern überschwemmt. Die Hauptstimme der Kritiker kam aus dem „Aktionsbündnis Fuchs“, das sich gegen jede Form von Fuchsjagd ausspricht. Neudeutsch gesprochen: Es gab einen Shitstorm.

Was tun bei einem solchen kommunikativen Tsunami, der sich in den sozialen Netzwerke rasend schnell auftürmt? Es kann nur eine Antwort geben: argumentieren. Die schlechteste Reaktion ist es, sich wegzuducken. Wer wie der Krefelder Zoo eine Fülle von Aufgaben wissenschaftlicher, pädagogischer und artenschützerischer Natur übernimmt, der muss es nicht fürchten, seine Argumente vorzutragen. In diesem Fall war der Raubdruck von Füchsen eine Zeitlang eine echte Bedrohung für die Zootiere; der Zoo musste reagieren. Jetzt sind die Gehege fuchssicher, es scheint, dass die Gefahr gebannt ist.

Zum Argumentieren gehört es auch, sich die Kritiker genauer anzuschauen. Das „Aktionsbündnis Fuchs“ vertritt innerhalb des Spektrums der deutschen Naturschützer eine Extremposition: Der Fuchs ist zu schützen, es gibt keine Probleme. Der Bundesverband des Nabu sieht das anders. In einer Anfrage unserer Redaktion stützt er indirekt die Maßnahmen des Zoos, Füchse mit Lebendfallen zu fangen und zu töten. Der Fuchs, erklärt der Nabu, sei „als jagdbare Art nicht ausgeschlossen“; allerdings müsse die Höhe der Abschusszahlen sinnvoll begründet werden. Entscheidend ist dieser Satz: „Im Sinne des Prädationsmanagements kann aus Sicht des Nabu die Entnahme des Rotfuchses unter bestimmten Voraussetzungen gerechtfertigt sein“– etwa dann, wenn Füchse gefährdete Arten in einer Region bedrohten. Auch der Einsatz von Lebendfallen könne dabei gerechtfertigt sein.

Nichts davon lässt das Aktionsbündnis Fuchs gelten. In einer Erklärung zum Krefelder Fall heißt es kategorisch: „Die Bejagung der Stadtfüchse leistet keinen Beitrag zum Schutz der Zootiere.“ Doch, tat sie in Krefeld sehr wohl, muss man erwidern. Für die Übergangszeit bis zur Nachrüstung der Gehege war die Jagd nötig, um die Zootiere zu schützen. Das Aktionsbündnis leugnet auch, dass es überhaupt irgendwo Probleme mit Füchsen gibt, die in einigen Regionen den Bestand mancher Arten (vor allem bodenbrütende Vogelarten) gefährden. Eine einfache Internet-Recherche mit den Begriffen „Nabu Fuchsjagd“ zeigt, wie oft Nabu-Naturschützer sich mancherorts für die Bejagung des Fuchses aussprechen. Die Badische Zeitung berichtet dann auch prompt, dass ein Nabu-Mann nach einer solchen Interview-Äußerung einen Shitstorm durchzustehen hatte.

Sind also all die Nabu-Leute in Deutschland, die sich für begrenzte Fuchs-Bejagung in ihrer Heimat aussprechen, irre Fuchshasser, die sich die Sorge um einige Arten nur einbilden? Nein, unwahrscheinlich, dahinter stehen konkrete Sorgen von konkreten Leuten aus der Kenntnis konkreter Probleme.

So zeigt sich, dass man dieses Aktionsbündnis Fuchs ähnlich wie die Extremtierschützer von Peta mit Vorsicht genießen muss. Die haben die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen und stehen am Rand des Meinungsspektrums. Der Shitstorm ist für solche Gruppierungen ein probates Mittel, sich größer und wichtiger zu machen, als sie es sind. Sie haben in den sozialen Netzwerken die Waffe gefunden, die sie auf Leute richten, deren Überzeugung ihnen nicht passt. Der Shitstorm ersetzt dabei oft genug gute Argumente und dient mehr der Einschüchterung als einem fairen Diskurs.

Was also bedeutet der Krefelder Fall generell für eine aufgeklärte Öffentlichkeit? Prüfen, prüfen, prüfen, bevor man sich beeindrucken lässt. Ein Shitstorm ist real für die, die ihn in ihrem Mailfach vorfinden. Ansonsten ist ein Shitstorm, nach Prüfung aller Argumente, oft genau dies: heiße Luft, eigentlich – nichts.

Fazit: Der Krefelder Zoo hat in Sachen Fuchs alles richtig gemacht und sich nichts vorzuwerfen. Das Aktionsbündnis Fuchs liegt falsch.