Theater Krefeld zeigt "Rigoletto" im Reich der humanoiden Roboter

Theater Krefeld : Rigoletto im Reich der Roboter

Giuseppe Verdis Oper hat am Samstag, 16. November, Premiere im Theater. Dorothea Kirschbaum lässt den Hofnarren Rigoletto auf künstliche Intelligenz treffen: Tochter Gilda ist ein Maschinenmensch.

Es war das spektakulärste Ereignis des Kultursommers: Bei den Bregenzer Festspielen erhob sich ein gigantischer Kopf über der Kulisse im Bodensee. 14 Meter misst das von Philipp Stölz ersonnene, mit aufwändiger Technik bestückte Haupt eines Clowns, der die Stimmung auf der Bühne spiegelt. „Rigoletto“ hat Aufsehen erregt – und der Riesenkopf ist zum Verdi’schen Insignium geworden.

Daran wird sich Dorothea Kirschbaum messen lassen müssen. Die gebürtige Bonner Musiktheaterregisseurin gibt ihr Debüt am Theater Krefeld/Mönchengladbach mit Giuseppe Verdis berühmter Oper und hat ebenfalls einen futuristischen Dreh gewählt: Rigolettos Tochter Gilda ist ein Maschinenmensch. Die Premiere von „Rigoletto“ beginnt am Samstag, 14. November, um 19.30 Uhr im Theater. Die Kartennachfrage ist bereits so stark, dass das Theater, wie berichtet, eine Zusatzvorstellung ins Programm genommen hat.

Für das Werbeplakat ist das Gesicht der Sopranistin Sophie Witte von Konturen befreit worden. Eisblaue Augen dominieren das Weiß-in-Weiß des Kopfes. Ein Cyberwesen. Nicht von dieser Welt. Das ist Gilda, die Tochter, die Hofnarr Rigoletto so abgöttisch liebt, dass er den Mörder Sparafucile beauftragt, den Herzog von Mantua zu töten, der Gilda das Herz bricht. „Ich finde, die Oper könnte mit gleichem Recht Gilda heißen. Denn es geht vor allem um das Spannungsdreieck Rigoletto, Gilda, Herzog. Ich konzentriere mich auf Gilda.“ Und die wird in ihrer Inszenierung, für die Julius Semmelmann die Bühne und Devin McDonough die Kostüme entworfen haben, als Roboter dargestellt. „Ein humanoider Roboter in höchster Perfektion, der so echt wirkt, dass keiner etwas merkt“, sagt die Regisseurin.

Die Entscheidung begründet sie mit dem sehr speziellen Vater-Tochter-Verhältnis: Rigoletto und Gilda kennen sich erst seit drei Monaten, also nicht sehr gut. Aber sie himmeln einander an. Zu der wundervollen Musik von Verdi ist das eine anrührende Geschichte, der Kirschbaum alles Süßliche nehmen will: Rigoletto ist im Grunde ein Zyniker, der als Hofnarr außerhalb der Gesellschaft und ihrer Gesetze steht und sich zu einem zärtlichen Vater entwickelt. „Daher meine Idee, dass Gilda kein Mensch ist und in einer künstlichen Gesellschaft lebt.“

Weit hergeholt findet sie ihre Interpretation nicht: Wir leben mit Maschinen. Menschen schalten den Fernseher ein, nur damit er läuft; wir reden mit Alexa, füttern Tamagotchis und experimentieren, wo wir Roboter einsetzen können.“ Sie will der Frage nachgehen, was es mit Menschen macht, wenn die Maschinen kaputtgehen. „Der Verlust ist ganz real“, sagt sie. Denn Roboter Gilda wird Rigoletto verlassen und in die tödliche Zwickmühle zwischen Vater und Liebhaber geraten.

Die Uraufführung von „Rigoletto“ am 11. März 1850 am Teatro La Fenice in Venedig war für Verdi ein fulminanter Erfolg beim Publikum. Wenn auch einige kritische Stimmen unter seinen Zeitgenossen die Musik für seicht hielten, haben sich Arien wie „La donna è mobile“ oder„Caro nome“ auch außerhalb der Opernhäuser Hitstatus erobert. Und „Rigoletto“ gehört zu den meistaufgeführten Werken Verdis.

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