Krefeld: Haltestellen-Umbau soll 90 Millionen Euro kosten

Behindertengerecht : Haltestellen-Umbau kostet 90 Millionen Euro

Krefelds Verwaltung kann bis 2022 die gesetzlichen Vorgaben zur Barrierefreiheit nicht einhalten. „Dabei sind die Rahmenbedingungen seit 2013 bekannt“, kritisiert Elke Dröge, Vertreterin für Behindertenfragen.

Die vollständige Barrierefreiheit im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) bis zum 1. Januar 2022 ist im Personenbeförderungsgesetz (PBefG) verankert. „Krefeld wird diese Forderung nicht einhalten können“, erklärt Norbert Hudde, Leiter des Bereichs Stadt- und Verkehrsplanung der Verwaltung. Rund 800 Haltestellen für Busse und Bahnen hat Krefeld. Aus heutiger Sicht gibt es zurzeit rund 130 Straßenbahnhaltestellen und etwa 140 Bushaltestellen in der Straßenbaulast der Stadt Krefeld, die gar nicht barrierefrei sind. Das Gesamtkostenvolumen für deren Umbau wird von der Verwaltung zurzeit auf rund 90 Millionen Euro „eingeschätzt“. „Davon werden rund 52 Millionen Euro als Förderung erwartet. Bis wann Krefeld die gesetzlichen Vorgaben erfüllen kann, weiß in der Verwaltung niemand. Bauausschussmitglied Elke Dröge, Vertreterin der Sachverständigengruppe für Behindertenfragen, bringt die Situation auf den Punkt: „Es gibt meines Wissens derzeit nur eine einzige Haltestelle in Krefeld, die alle Vorgaben für 2022 erfüllt, das ist die Haltestelle am Bockumer Platz.“ Selbst die mehrere Millionen Euro teure Ostwall-Haltestelle muss erweitert werden. Dröge zeigt sich verärgert: „Seit 2013 sind die Rahmenbedingungen bekannt. Umliegende Städte wie Mönchengladbach oder Düsseldorf sind erheblich weiter. In Krefeld bewegt sich in diesem Punkt fast nichts.“

 Wenn der Nahverkehr barrierefrei ist, können ihn auch Blinde und Sehbehinderte, Rollstuhlfahrer, alte Menschen, Eltern mit Kinderwagen nutzen. Das ermöglicht Mobilität und Teilhabe. „Um jeden Fahrgast über Betriebsabläufe und Störungen der Verkehrsmittel auf dem Laufenden zu halten, müssen alle Informationen so angeboten werden, dass sie mindestens mit zwei der drei Sinne – visuell, akustisch, taktil – wahrgenommen werden können“. erklärt Elke Dröge. „Außerdem helfen akustische Fahrgastinformationen nicht nur blinden und sehbehinderten Fahrgästen, sondern auch Personen mit Leseschwäche oder fremdsprachigen Touristen.“ Jeder Kilometer, der nicht in einem Auto, sondern mit dem Bus oder auf der Schiene zurücklegt werde, reduziere außerdem den Ausstoß von Schadstoffen.

Nach Aussage der Verwaltung sind Bushaltestellen planerisch, bautechnisch und kostenmäßig weniger aufwendig als die Straßenbahnhaltestellen. Hudde: „Daher wurden die rund 140 Bushaltestellen auf drei räumlich zusammenhängende Maßnahmenpakete aufgeteilt. Der Mittelpunkt des ersten Maßnahmenpakets ist im Osten des Stadtgebietes in Uerdingen, danach folgen voraussichtlich schwerpunktmäßig Süden, Mitte und Westen des Stadtgebiets und dann der Norden der Stadt.“ Die Baubteilung strebt an, mit dem Umbau im Jahr 2020 zu beginnen.

Bei den Straßenbahnhaltestellen sind Maßnahmen in unterschiedlich fortgeschrittenen Planungsphasen, wie Schicks, Inrath Siedlung, Grabeskirche/Kapuzinerkloster, Stadtpark Fischeln, Fischeln Rathaus, Eichhornstraße (einseitig), Grotenburg/Zoo, Bockum Friedhof, Friedrichsplatz, Gertrudisstraße, Fasanenstraße, Oldenburger Weg, Lange Straße, Sandberg, Buddestraße, Glindholzstraße, Rembertstraße, Pappelstraße, Neukirchner Straße, Hbf (CinemaxX; Stadt- und Straßenbahnhaltestelle). Die Stadt verspricht, sich im Zuge der ab 2020 geplanten Fortschreibung des Nahverkehrsplans (NVP) „mit der Barrierefreiheit intensiv beschäftigen“ zu wollen. Allerdings: Die Fortschreibung soll an eine Fremdfirma vergeben werden.