1. NRW
  2. Städte
  3. Krefeld

Mit der Aktion Stumpf-Sinn will das Stadtmarketing auf den Baumfrevel an der Radpromenade antworten.

Kunstaktion an Krefelder Promenade : Kunstaktion als Antwort auf Baumfrevel

Die vor der Eröffnung der Radpromenade abgesägten Bäume, die diese säumen sollten, sollen von Bürgern geschmückt werden, bis Neupflanzungen für Ersatz sorgen. Damit will das Stadtmarketing kreativ auf die Zerstörung antworten.

Für große Aufregung in Krefeld sorgte vor rund zwei Wochen, bei der Eröffnung der Radpromenade, der „Baumfrevel“. 29 Bäume waren von Unbekannten angesägt worden und mussten von der Feuerwehr beseitigt werden. Die Stadt reagiert nun darauf und bietet den Bürgern an, die verbleibenden Baumstümpfe künstlerisch zu gestalten. Unter dem Namen „Stumpf-Sinn“ werden alle Krefelder aufgerufen, sich einzubringen und die entsprechenden Baumstümpfe zu gestalten.

„Eigentlich ist das Stadtmarketing dafür verantwortlich, vergessene Orte und unbekannte Ecken der Stadt zu stützen und bekannt zu machen. Aber in diesem Fall wollten wir diese Tat nicht einfach so stehen lassen. Wir antworten mit der Aktion Stumpf-Sinn auf diese Zerstörung und wollen ihr einen krativen Geist einer lebendigen Stadt entgegenstellen“, sagt Claire Neidhardt vom Stadtmarketing. Wichtig sei vor allem, dass die entstehenden Kunstwerke keine Gefährdung darstellen. Ansonsten gebe es fast keine Grenzen.

„Die Leute können einen Baumstumpf reservieren und ihn dann nach eigenem Gutdünken gestalten. Wenn der sechs Jahre alte Max Mustermann seinen Stumpf mit Star Wars-Figuren verzieren will, dann hängen eben für die kommenden Wochen Star Wars-Figuren dort“, sagt Neidhardt. „Allerdings wird alles, was eine Gefährdung darstellen könnte, wieder entfernt. Die Sachen müssen also nicht winterhart sein, wie man in der Gärtnerei sagt, sollten aber Wind und Regen aushalten und keine Radfahrer gefährden. In einigen Wochen, wenn neu gepflanzt wird, werden die Kunstwerke wieder abgebaut“, erläutert die Verantwortliche. Und auch inhaltlich gebe es nur ein Kriterium: „Die Werke dürfen selbstverständlich nicht gegen das Grundgesetz verstoßen“, fügt sie hinzu.

 Unbekannte hatten die Bäume in der Nacht vor der Eröffnung der Promenade angesägt, so dass sie beseitigt werden mussten.
Unbekannte hatten die Bäume in der Nacht vor der Eröffnung der Promenade angesägt, so dass sie beseitigt werden mussten. Foto: Lammertz, Thomas (lamm)
  • Peter Selders lädt die 15 Jahre
    Neuer Baum für Karl-August-Jung-Platz : 15 Jahre alte Winterlinde in der City gepflanzt
  • Weite Teile der Trasse in Neuwerk
    Kolumne Mensch Gladbach : Baum versus Bahn
  • Bürgermeister Christoph Dellmans (v.l.), Klaus Hermanns
    Alt-Bürgermeister Hermans denkt an Kempen : Statt Geschenken 50 neue Bäume für die Stadt

Angesprochen wird explizit jeder Krefelder Bürger. „Das können einfach normale Bürger sein, Künstler, Unternehmen, Familien oder Vereine. Wir sind da ganz offen“, erläutert Neidhardt. Dabei gehe es auch nicht um einen Wettbewerb. „Es wird nicht das schönste Kunstwerk prämiert oder etwas in der Art. Wir wollen einfach, dass die Bürger auf ihre Art, mit Kreativität, Positivität und Liebe auf die Zerstörungswut Einzelner reagieren“, erläutert sie.

Pflanzungen sollen nicht vorgenommen werden. Dennoch könnten Pflanzen einbezogen werden. „Wenn nun zum Beispiel ein Baumarkt, eine Gärtnerei oder auch ein Bürger einen Baum mit Blumen behängen will und sich auch um die Pflanzen kümmert, dann wäre das natürlich ebenfalls eine schöne Sache.“

Zusätzlich hofft das Stadtmarketing auch darauf, dass möglichst viele Teilnehmer den Schaffensprozess ihres Kunstwerkes oder ihrer Verschönerung dokumentieren. „Wir freuen uns über Einsendung von Fotos, sehr gern auch kurzen Videos, an das Stadtmarketing. Wir wollen daraus dann kleine Clips gestalten, die wir über die Social Media-Kanäle der Stadt verbreiten und so auch auf diesen Wegen die Antwort der Stadtgesellschaft auf das, was hier geschehen ist, verbreiten. Gerade in diesen Netzwerken war bekanntlich der Aufschrei groß. Entsprechend wollen wir dort auch für eine positive und friedliche Antwort sorgen“, erläutert die Verantwortliche.

Die Bäume müssen vorab beim Stadtmarketing reserviert werden. Um jeden Baum herum wird mit Sprühfarbe eine Fläche markiert, auf der dann diejenigen, die den entsprechenden Baumstumpf zugeteilt bekommen hatten, sich entsprechend der zuvor genannten Einschränkungen frei austoben können.

Am Beginn und dem Ende der Strecke, die von den abgesägten Bäumen gesäumt wird, werden Papp-Bäume mit Informationen zu der Aktion und einem QR-Code aufgestellt, der zu weiteren Informationen im Internet führt, wenn er in einer entsprechenden App abfotografiert wird. Sie sollen Passanten über Sinn und Zweck der Aktion aufklären. „Damit wollen wir die Bürger mitnehmen und hoffen natürlich, auch auf diesem Wege möglichst bald viele Menschen mitzunehmen, damit alle Baumstümpfe umgestaltet werden“, sagt Neidhardt. Im Herbst, zu Beginn der Pflanzperiode, werden dann neue Bäume gepflanzt werden. Die Kosten für den Ersatz betragen rund 50.000 Euro. Bis dahin soll die Aktion eine gute Überbrückung sein.