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Literarischer Sommer Krefeld: Malva und das Schicksal der verleugneten Kinder berühren das Publikum

Literarischer Sommer in Krefeld : Schicksal der verleugneten Kinder berührt das Publikum

Die Niederländerin Hagar Peeters war mit ihrem mehrfach ausgezeichneten Roman „Malva“ zu Gast beim Literarischen Sommer in der Fabrik Heeder. Die Geschichte von Pablo Nerudas verstoßener Tochter ist das Thema der Autorin.

(C.S.) Ein  Damenquartett begrüßte das Publikum zum Literarischen Sommer in der Fabrik Heeder: Die Niederländerin Hagar Peeters stand Rede und Antwort zu ihrem Buch „Malva“; Maren Jungclaus (Literaturbüro NRW) moderierte, Kreschtheater-Chefin Isolde Wabra las aus der deutschen Version und Gabriele König, Kulturbeauftragte der Stadt, half mit Übersetzung aus dem Englischen aus.

Peeters, 1972 geboren, erhielt mehrere literarische Preise und wurde auch für den 2015 erschienenen Roman „Malva“ ausgezeichnet. Der Roman setzt ein mit einem Gedicht. Die Autorin hat es für ihren Vater geschrieben, bevor sie den Stoff für ihr Buch entdeckt hatte. Zwischen Protagonistin und Autorin besteht eine biografische Parallele: Beide mussten sich mit einem abwesenden Vater auseinander setzen. Peeters’ Vater war Journalist, ständig auf Reisen. Der Vater Malvas war der Dichter Pablo Neruda. Er wandte sich von seiner Tochter und deren Mutter ab, da die auf den Namen Malva Marina Trinidad del Carmen Reyes Getaufte mit einem Hydrozephalus, vulgo  Wasserkopf, geboren wurde. 1934 in Madrid, verstorben 1943. Der Vater verleugnete die Tochter.

„Das ist mein Thema“, sagt Peeters, „ich habe es in Prosa übersetzt.“ Das Grab Malvas wurde erst in den 1980er Jahren entdeckt. Peeters fuhr daraufhin nach Chile, recherchierte in Tagebüchern, Briefen, Biografien und konnte nur zwei Briefstellen erwähnen, in denen das Mädchen überhaupt vorkommt. Um Malva ein Leben zu geben, verwandelt die Autorin sie in eine Ich-Erzählerin mit allwissenden Kenntnissen, die sich an ein „Du“ wendet, an die Autorin.

Malva lebt in einem unwirklichen Totenreich und hat andere verleugnete Kinder zu Gefährten erkoren: einen Sohn Arthur Millers, eine Tochter von James Joyce und den fiktiven Oskar Matzerath aus der Feder von Grass. Alle Kinder haben ihre Einschränkungen. „Oskar Matzerath ist eine meiner Lieblingsfiguren“, sagt Peeters, die die Vernachlässigten nach Art der Goetheschen Wahlverwandtschaften zusammengebracht hat.  Die Vielschichtigkeit im Roman wird den Zuhörern schon im ersten Kapitel nahegebracht. Es ist ein exotischer Kosmos mit Versatzstücken aus der Geschichte des 20. Jahrhunderts und fantastischen literarischen Elementen.