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Eine Krefelder Rentnerin startet einen Stammtisch für Senioren, um Einsamkeit entgegenzuwirken.

Seniorenstammtisch in Krefeld : Per Stammtisch zu mehr Sozialkontakten

Für Senioren, die ihren Partner verloren haben, werden soziale Kontakte oft selten. Darum ruft die Krefelderin Inge Gottmann nun einen Stammtisch für über-60-Jährige ins Leben um Freundschaften zu vermitteln.

Entspannt sitzt Inge Gottmann in ihrem Garten. Die Rentnerin erzählt von ihrer Geschichte und ihrem Plan, einen Stammtisch für Senioren ins Leben zu rufen. Ihr Alter, das sie nicht exakt nennen möchte, ist ihr nicht anzusehen. Sie wirkt wie eine agile Endsechzigerin. „Ich war immer ein sehr aktiver Mensch. Mit meinem Mann habe ich ständig andere Paare getroffen. Wir haben Tennis gespielt, bis er es nicht mehr konnte, ich gebe Töpfer-Kurse und so weiter“, berichtet sie. Doch das alles fand Anfang des Jahrs ein jähes Ende.

„Mein Mann ist völlig überraschend verstorben. Kein Arzt konnte mir sagen, was er hat, oder woran er eigentlich gestorben ist. Dadurch hat sich alles verändert. Es ist erstaunlich, aber als Single wird man plötzlich viel weniger von anderen Menschen, vor allem Paaren, eingeladen“, erzählt sie. Die Einsamkeit zehrt an ihr. „Ich wollte das nicht akzeptieren und habe mich entschlossen, die Sache selbst in die Hand zu nehmen“, erzählt sie mit festem Blick.

Kurzerhand rief sie einen Stammtisch ins Leben. „Grundsätzlich habe ich gesagt: Stammtisch 60 plus. Aber das ist keine harte Grenze. Wenn jemand 55 ist und einsam ist, dann kann er oder sie auch sehr gern kommen“, erzählt Gottmann. Eine echte Altersgrenze gebe es nicht. „Allerdings hatte ich auch eine Anfrage von einer 38-Jährigen. Da hab ich dann doch gesagt, dass sie wohl einfach nicht in die Gruppe passen würden. In diesem Alter hat man ja ganz andere Probleme und Dinge, die einen beschäftigen. Ich habe sie dann an eine andere Gruppe vermittelt, wo sie besser aufgehoben ist“, erzählt die gelernte Sekretärin lachend.

Die Stammtische sollen ausdrücklich keine Partnerbörsen sein. „Wir wollen Freundschaften vermitteln. Wir wollen Menschen zusammen bringen, damit sie ihre Freizeit miteinander gestalten können. Darum sollen auch möglichst viele Menschen ins Gespräch kommen“, erzählt sie. Aus diesem Grunde wird es zu Beginn des Stammtisches eine Art „Speeddatingrunde“ - auch wenn es wie erwähnt nicht um Dating geht - geben. „Alle zehn Minuten sollen die Plätze gewechselt werden, bis jeder mit jedem einmal gesprochen hat“, erläutert sie ihre Vorstellung. Danach kann dann jeder Besucher die Gespräche weiterführen, die er oder sie am meisten gemocht hat.

Daraus sollen sich dann Freundschaften ergeben, die die Senioren auch außerhalb des Stammtisches zusammenführen. „Ich möchte einfach Menschen mit ähnlichen Interessen zusammen bringen. Das können ganz unterschiedliche Dinge sein. Ob man dann gemeinsam wandert, Sport treibt, sich zum Kaffee trifft oder ganz andere Dinge macht, das ist den Leuten dann selbst überlassen“, skizziert die agile Seniorin ihre Ziele.

Zu Beginn wird der Stammtisch auf zehn Teilnehmer begrenzt – Corona lässt grüßen. Wobei Gottmann auch nicht abgeneigt ist, gleich zwei getrennte Stammtische zu eröffnen, wenn genug Anmeldungen zusammen kommen sollten. „Dann machen wir eben zwei Tische auf. Das bekommen wir sicher hin“, erzählt sie mit verschmitztem Lächeln. Wichtig ist ihr vor allem, dass Senioren wieder soziale Anbindung finden. „Wenn der Partner stirbt, dann ist das schwer genug. Wenn sich dann aber in einem noch das gesamte soziale Leben ändert und man nicht mehr wahrgenommen wird, dann ist das hart“, sagt sie. Das will sie nun ändern. Für sich und viele andere ältere Menschen in Krefeld.