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Krefeld: Julia Trompeter las beim Literarischen Sommer aus Frühling in Utrecht

Reihe in der Mediothek : Auftakt des Literarischen Sommers

Julia Trompeter las aus ihrem Buch „Frühling in Utrecht“. Am 4. Juli geht es weiter.

Die Fangemeinde hat sich wieder versammelt: Der Literarische Sommer hat begonnen. Zum Auftakt in Krefeld hat Julia Trompeter aus ihrem neuen Roman „Frühling in Utrecht“ gelesen. Mit ihrem 2014 erschienenen Buch „Die Mittlerin“ war sie im Oktober 2015 im Niederrheinischen Literaturhaus zu Gast, wo sie sich als Lyrikerin vorstellte. „Ich verarbeite Erlebtes“, sagte Julia Trompeter damals und benutzte dafür den Ausdruck „verstoffwechseln“. Genau das geschieht auch in ihrem neuen Buch. Julia Trompeter arbeitet seit zwei Jahren an der Universität Utrecht. Ihre Hauptfigur Klara ist aus ihrem bisherigen Leben in Berlin nach Utrecht geflüchtet und möchte dort neu anfangen. Klaras Wahl ist zufällig: „Mein anvisiertes Reiseziel hieß weg, weg aus Berlin, weg aus Deutschland...“  Sie setzt sich nun mit ihrer Umgebung auseinander, sammelt Eindrücke, zieht Vergleiche.

Als erstes fallen Klara die „vielen Fahrräder in der Radstation am Hauptbahnhof“ auf. Das Kapitel trägt den Titel „Fietsen“ und erklärt gleich zu Beginn, wie die Niederländer mit ihren Fahrrädern umgehen: „Als sei das Fietsfahren den Niederländern etwas wie Atmen, etwas Angeborenes.“

Damit setzt die Autorin den Ton. Vier große Abschnitte tragen, selbstverständlich auf niederländisch, die Jahreszeiten als Titel. Darin sind dann vier, fünf, sechs oder elf Kapitel versammelt, die fast alle niederländische Überschriften haben. „Malen mit Buchstaben“ nennt Klara ihre Notizen in einem Tagebuch, das hier natürlich „dagboek“ heißt. Klara stellt schnell fest, dass die Sprache eine größere Herausforderung als gedacht ist: Sie begegnet „Falschen Freunden“, nämlich Wörtern, die deutschen Begriffen ähneln oder gleich sind und doch einen anderen Bedeutungsinhalt haben. So geschehen heitere Verwechslungen, die eine amüsante Lektüre bedeuten. Unbekannte Verhaltensweisen machen Klara und auch den Leser staunen, sie werden geradezu seziert und auf andere Erfahrungen Klaras bezogen. Das kommt leichtfüßig daher und hat doch an mancher Stelle philosophische Tiefe.  Ein Buch, dass mit den Kontrasten zwischen Deutschland und seinem Nachbarn Niederlande spielt, ist denkbar gut geeignet für das Literaturfestival in diesem Grenzgebiet. Das Publikum war sehr angetan.

Dieser 20. Literarische Sommer hat zum Jubiläum den Schwerpunkt Lyrik gewählt. Am ersten Abend in Neuss – am Tag zuvor – stellten der Lyriker und Mediävist Tristan Marquardt und der Büchner-Preisträger Jan Wagner „Unmögliche Liebe“ vor. Darin versammeln sie „Die Kunst des Minnesangs in neuen Übertragungen“. Die mittelalterlichen Texte wurden von deutschen Dichtern übersetzt – das schöne Buch vom  Hanser Verlag ist zweisprachig und zeigt die Bandbreite des Minnesangs zugleich mit der Vielfältigkeit zeitgenössischer Dichter.

In Krefeld hatte Joke van Leeuwen aus ihrem „Das tolle ABC-Buch“ gelesen. „Die Kinder in dem zweisprachigen Kindergarten waren begeistert“, berichtet Evelyn Buchholtz von der Mediothek, „sie haben eine echte Schriftstellerin erlebt.“

Nächste Lesung des Literarischen Sommers in Krefeld: Am Donnerstag, 4. Juli, liest Karen Duve aus „Fräulein Nettes kurzer Sommer“, Hülser Burg, Herrenweg in Krefeld Hüls, 20 Uhr. Anmeldung im Netz unter literarischer-sommer.eu.