Mira Fatimah: Hospitantin vom Goethe-Institut Djakarta in der Mediothek Krefeld

Mediothek Krefeld: Aus Indonesien in die Mediothek

Mira Fatimah arbeitet in der Bibliothek des Goethe-Instituts in Djakarta. Ein Ziel ihrer ersten Europareise war die Mediothek, wo sie hospitierte. Vom Krefelder System ist die junge Indonesierin beeindruckt.

Es ist ihre erste Reise nach Europa, zugleich der erste Besuch in Krefeld: Mira Fatimah aus Djakarta war für eine Woche Hospitantin in der Mediothek. In ihrer Heimat arbeitet sie in der Bibliothek des Goethe-Instituts, gibt Auskünfte an der Info-Theke, ist zuständig für Bibliotheksprojekte und Veranstaltungen. „2015 hatten wir Deutschlandjahr, das war mein Einstieg“, sagt sie in ausgezeichnetem Deutsch. Die Indonesierin, Jahrgang 1976, hat in der Landeshauptstadt Germanistik studiert.

Ziel ihrer ersten Europa-Reise war Düsseldorf. Dort hat Mira Fatimah an einem vierwöchigen Deutschkursus teilgenommen. „Düsseldorf ist nicht so groß, wie ich gedacht habe“, sagt Mira Fatimah überrascht. Der Kursus hat ihr sehr gefallen: „Neben Sprache haben wir uns mit der Stadtgeschichte beschäftigt, Ausflüge unternommen, Kunstausstellungen besucht und auch einen Stammtisch mit den internationalen Teilnehmern gegründet.“

Die Fortbildung für eine engagierte Mitarbeiterin sei zugleich eine gute Gelegenheit, Einblicke in das öffentliche Bibliothekswesen zu gewinnen, meinte ihr Chef und stellte einen Kontakt nach Krefeld her. „Mira ist unsere Premiere“, sagt Evelyn Buchholtz, Leiterin der Mediothek, „eine Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut hatten wir in dem neuen Gebäude noch nicht.“ Buchholtz‘ Überlegung: „Wie können wir unser Hospitantin in der Ferienzeit einbringen?“

„Ich habe viel gesehen“, sagt Mira Fatimah, „die Ausleihtheke, Service und Info, die Aktivitäten der sozialen Medien, die lebendige Öffentlichkeitsarbeit.“ Nachdem man ihre Anwesenheit gepostet hat, kamen nette Reaktionen: Jemand erinnerte sich an die Indonesierin an der Info in Krefeld und ein anderer teilte mit, er sei schon mal in Djakarta gewesen.

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Genau angeschaut hat Mira Fatimah sich auch das System, nach dem die Bücher in der Mediothek eingeordnet werden. In Djakarta arbeitet die Bibliothek des Goethe-Instituts nur mit Ziffernfolgen – das ist ein amerikanisches Programm. In der Krefelder Mediothek wird mit Buchstaben und Ziffern katalogisiert. Das erschließt sich schneller. Außerdem hilfreich hier: An jedem Regal ist an der Stirnseite ein Schlagwort angegeben: „So kann ich selbst etwas finden“, hat Mira Fatimah festgestellt. Sehr ähnlich ist in beiden Mediotheken die beratende Funktion der Mitarbeiter; die Größe der Häuser unterscheidet sich sehr. In Djakarta arbeiten drei Bibliothekare und fünf Aushilfen mit etwa 20.000 Medien. Außerdem sind dort 60 bis 80 Deutschlehrer beschäftigt. In Krefeld gibt es in der Mediothek 28 Vollzeitstellen, deren Stunden auf 35 Kräfte verteilt sind. Die Zahl der Medien liegt bei circa 170.000.

Auch beim Programm sind Vergleiche möglich: Während hier die Kids in den Ferien am Sommerleseclub teilnehmen, gibt es dort den „Goethe-Leseclub“. Das nutzen viele Sprachkursteilnehmer, je nach Niveau ihrer Kenntnisse. „Anschließend sollen sie eine Rezension in unser System stellen“ berichtet Mira Fatimah. Für die Ausleihe der deutschen Bücher werden in Djakarta Literaturlisten erstellt, auch sie richten sich nach dem erreichten Sprachniveau.

Die Bibliothek in Djakarta sei wesentlich kleiner, sagt Mira. Entsprechend beeindruckt ist sie von Krefelds Mediothek: „Das Gebäude ist groß, offen, übersichtlich und man kann schon das Ganze sehen – ein umfangreiches Angebot mit Stationen zum Lesen, Lernen, Arbeiten und Spielen.“

Nach ihrer Woche in Krefeld hat Mira Fatimah nun noch die Hauptstadt Berlin und Prag auf ihrem Reiseplan.

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