Krefeld: Wie Tiere aus dem Krefelder Zoo mit der Hitze umgehen

Krefeld Zoo : Vom Pinguin, der Sonnenbrand bekam

Im Krefelder Zoo genießen Erdmännchen, Paviane und Antilopen die Affenhitze. Auch ein Pinguin nahm ein Sonnenbad und bekam prompt einen Sonnenbrand. Die Schneeleoparden warten derweil auf kühlere Tage.

In ihrem natürlichen Lebensraum sind Tiere bekannterweise an die dort herrschenden Bedingungen angepasst. Tiere, die im Zoo leben, finden oftmals andere Bedingungen vor. Dabei stellt sich die Frage, welche Tiere gut mit der momentan herrschenden Hitze zurechtkommen und welche vielleicht auch Schwierigkeiten bei den hohen Temperaturen haben. Welche Vorkehrungen trifft bei diesem Wetter der Krefelder Zoo, um den Tieren die heißen Tage so angenehm wie möglich zu gestalten und auf welche Ideen kommen die Tiere womöglich selber, um sich vor der Hitze zu schützen? Antworten auf diese Fragen hat die Diplombiologin und Pressesprecherin des Krefelder Zoos, Petra Schwinn.

Wie bei uns Menschen gibt es auch viele Tiere, denen die hohen Temperaturen nichts ausmachen und die diese sogar genießen. „Das sieht man dann daran, dass sie aktiver oder neugieriger sind“, erklärte Petra Schwinn. Ein gutes Beispiel sind die Erdmännchen, die hohe Temperaturen lieben, kommen sie doch ursprünglich aus dem Süden Afrikas. Auch Antilopen, Paviane und Schmetterlinge kommen gut mit dem Wetter zurecht. „Tiere, die in der Natur in warmen Regionen leben, haben generell keine Probleme mit hohen Temperaturen, da sie an diese bereits gewöhnt sind“, erklärt die Biologin.

Allerdings gäbe es andere Tiere, denen das heiße Wetter zu schaffen mache. Schneeleoparden hätten zum Beispiel Schwierigkeiten, da sie in der freien Wildbahn in einer Region des Himalayas leben, die bis zu 5000 Meter hoch liegt. Dort herrschen Maximaltemperaturen um die 15 Grad. Auch bei 35 Grad im Schatten tragen Leoparden daher einen dicken Pelz, da sie nicht ihr Fell wechseln, wie beispielsweise die Trampeltiere, die jetzt ihr Sommerfell bekommen haben. Zudem seien Schneeleoparden allgemein auf niedrige Temperaturen eingestellt, sagt Schwinn. So haben sie zum Beispiel kleine Ohren, eine kräftige Unterwolle, dichtes Fell und behaarte Tatzen. Um die heißen Tage für sie angenehm zu gestalten, gäbe es viele Felsen in ihrem Gehege, die Schatten spenden, und es würden auch Rasensprenger aufgestellt, die die Schneeleoparden gut annehmen würden.

So relaxt kann das Leben im Zoo sein: Ein Erdmännchen beim Sonnenbad. Fehlt eigentlich nur noch ein Liegestuhl plus Cocktail. Foto: Zoo Krefeld

 Keine Fans von großer Hitze sind Moschusochsen, die in der Natur in arktischen Regionen leben. Für die Menschenaffen, die im Regenwald zwar hohe Temperaturen, jedoch auch einen deutlich feuchteren Lebensraum gewohnt sind, haben sich die Tierpfleger etwas Besonderes ausgedacht: An heißen Tagen verwöhnen sie ihre Schützlinge mit Eis aus eingefrorenem Multivitaminsaft oder aus selbstgemachtem Fruchtjoghurt.

Kamelstute Greta mit ihrem Fohlen Balou im Schatten. Foto: Pia Sczymanowski

Schon bei der Planung der Gehege werden die Bedürfnisse der verschiedenen Tierarten berücksichtigt. Sie sind so gestaltet, dass sie dem natürlichen Lebensraum möglichst nahe kommen und es viele Schatten spendende Bäume gibt. In manchen Gehegen sind außerdem Wassersprenger installiert, unter denen sich die tierischen Bewohner abkühlen.

Viele Tiere schonen sich bei den heißen Temperaturen und dösen in der Sonne vor sich hin. Foto: Pia Sczymanowski

Aber auch die Tiere selbst kennen Tricks, um sich vor zu hohen Temperaturen zu schützen. Elefanten bewerfen sich zum Beispiel mit Schlamm oder Sand, was ähnlich wie Sonnencreme vor der Sonneneinstrahlung schützt. „Bei uns gibt es im Gehege der Elefanten tonhaltige Erde, da diese besser haftet“, erklärt Petra Schwinn. Auch Kamele schützen sich vor der Sonneneinstrahlung. Dazu nutzen sie den Fettvorrat in ihren Höckern. Bei den Humboldt-Pinguinen hingegen ist kein Schutz nötig, da sie ursprünglich aus Südamerika kommen, wo ähnliche Temperaturen herrschen. „In ihrer Heimat sind ihnen hohe Temperaturen sogar nützlich, da die Pinguine ihre Eier oft in Felshöhlen legen. Dort müssen sie aufgrund der hohen Temperaturen nicht ausgebrütet werden“, weiß die Zoosprecherin. Dennoch seien Pinguine nicht für eine dauerhafte Sonneneinstrahlung geeignet. Das weiß das Zoo-Team spätestens, seit vor einigen Jahren ein Pinguin sich ständig am Zaun des Geheges aufgehalten hat, um dort gestreichelt zu werden. Dabei bekam er tatsächlich einmal einen Sonnenbrand.

Rhena und Mumptas bewerfen sich zum Schutz gegen die Sonneneinstrahlung mit Sand oder Schlamm. Foto: Pia Sczymanowski

Steigen die Temperaturen warten auf die Tierpfleger noch andere Herausforderungen. „Generell sind Tiere vernünftiger als Menschen. Wenn es heiß ist, schlafen oder dösen sie den ganzen Tag. Außerdem halten sie sich die meiste Zeit im Schatten auf und sind eher früh morgens oder abends aktiv“, sagt Petra Schwinn. Vielmehr sei die Dürre ein Problem, da die Bäume bewässert werden müssten. Hinzu kämen steigende Futterpreise bei Obst und Gemüse sowie teilweise Engpässe bei hochwertigem Heu, beispielsweise für Elefanten.

Sorgen bereitet dem Zoo-Team auch eine Buchenkrankheit. Viele Bäume müssen gefällt werden, wodurch Schattenplätze wegfallen. „Wir forsten zwar auf, aber bis die gepflanzten Bäume groß genug sind, dauert es natürlich noch“, erklärt Schwinn.

Die Hitze sei aber nicht nur für Tiere, sondern auch für Menschen eine Herausforderung. Aktuell fangen die Tierpfleger deswegen morgens früher an und bekommen zusätzliche Wasser-Rationen.

So kommen Mensch und Tier gut durch die tropisch-heißen Tage. Und vielleicht kann sich der ein oder andere von uns an den Zootieren sogar ein Beispiel nehmen – man muss sich ja nicht gleich mit Schlamm bewerfen.

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