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Krefeld: Bürgerdialog zum Drogenhilfezentrum mit gespaltenen Meinungen

Bürgerdialog am Mittwochabend in Krefeld : Anwohner am Drogenhilfezentrum in Sorge vor Verwahrlosung

Der Standort für das geplante Drogenhilfezentrum in Krefeld scheint gefunden. Anwohner konnten in einem Bürgerdialog Fragen stellen.

Seit Jahren wird in Krefeld ein Drogenkonsumraum heiß und vor allem kontrovers diskutiert. Nun plant die Stadt, ein Drogenhilfezentrum mit einem solchen Raum im ehemaligen Corona-Diagnosezentrum an der Schwertstraße einzurichten. Das warf vor allem bei den Anwohnern viele Fragen auf, die die Verwaltung am Mittwochabend bei einem Online-Bürgerdialog beantworten wollte.

Den Fragen der rund 30 Teilnehmer stellten sich die Beigeordneten Sabine Lauxen und Markus Schön, Christian Horn, Leiter des Kommunalen Ordnungsdienstes, und Vertreter der Polizei. Wichtig war den Planern, so Lauxen, „ins Gespräch zu kommen und maximale Transparenz an den Tag zu legen.“ Schon in der Vergangenheit hatte es viel Kritik an dem Standort gegeben, welcher eigentlich mal eine Kita werden sollte. Beigeordnete Lauxen erklärte: „Das Drogenhilfezentrum wird ein Baustein, um die Sozialarbeit zu stärken. Das Verscheuchen der Drogenabhängigen hat keinen Sinn, wenn wir ihnen nicht einen Ort anbieten, an dem sie bleiben können“.

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Von dem neuen Angebot angesprochen werden sollen vor allem die Abhängigen am Theaterplatz, welche ihre Drogen auf der offenen Straße konsumieren. „Die Menschen sollen auch beraten und medizinisch versorgt werden können. Deshalb ist ein Standort ganz in der Nähe des Theaterplatzes notwendig“, erklärte Lauxen.

Im Laufe des Gesprächs jedoch verhärtete sich der Verdacht der Zuhörer, dass die Schwertstraße der einzige Standort ist, welcher alle Kriterien erfüllt. Schon im Herbst soll das Zentrum eröffnet werden. Zuvor muss das Konzept aber noch politisch gewollt sein und am 10. Februar eine Mehrheit im Rat bekommen. „Wenn es dort bestätigt wird, geht die Arbeit erst richtig los“, sagte Lauxen.

Das Drogenhilfezentrum soll jeden Tag acht Stunden geöffnet sein und 365 Tage im Jahr zur Verfügung stehen. Im Austausch mit den Drogenabhängigen, die das Zentrum nutzen werden, sollen die Öffnungszeiten bei Bedarf noch angepasst werden. Sabine Lauxen geht davon aus, dass etwa acht Personen in der Einrichtung arbeiten werden.

In der Bevölkerung traf die Entscheidung, das Drogenhilfezentrum in die Schwertstraße zu legen, nicht überall auf Zustimmung. Die Frage, die die Anwohner am meisten interessierte: Was passiert mit den Abhängigen, wenn das Hilfezentrum nach acht Stunden schließt?

Markus Schön hatte die Antwort: „Wenn wir ihnen die Aufenthaltsmöglichkeit bieten, werden wir auch darauf achten, dass sie diese nutzen. Wir werden zusätzlich daran arbeiten, dass die Szene nach den Öffnungszeiten nicht unangenehm im Viertel auffällt“. Auch Christian Horn schaltete sich ein und erklärte: „Fakt ist: Am Theaterplatz haben wir eine Blaupause gehabt. Verdrängung ohne Angebot ist fatal. Wir werden umso präsenter sein und eine erhöhte Anzahl an Ordnungsamtsbesuchen im Viertel unternehmen.“

Aber nicht alle Zuhörer waren negativ zu den Plänen für ein Drogenhilfezentrum eingestellt. „Ich finde es sehr gut, dass etwas getan wird. Wenn wir alle gemeinsam daran arbeiten, können wir es schaffen, dass der Stadtteil wieder lebendiger wird“, sagte ein Vermieter aus der Schwertstraße. Seine Aussagen wurden mit virtuellem Klatschen von anderen Teilnehmern begrüßt.

Das große Wort des Abends war „evaluieren“. „Wir müssen es versuchen und nach und nach evaluieren. Danach werden wir gegebenenfalls anpassen“, versprach Lauxen.

Falls Anwohner oder Beteiligte noch Fragen zu dem Thema stellen wollen, hat die Stadt die Mail-Adresse DHZ@krefeld.de eingerichtet. „Die Bürgerbeteiligung ist uns wichtig und wir wollen regelmäßige Gremienarbeit etablieren. Wir tendieren noch zu sehr dazu, über Zielgruppen zu reden, als mit ihnen“, sagte Markus Schön.