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Krefeld: Die vielen Gesichter des Jochen Lenzen

Krefeld : Die vielen Gesichter des Jochen Lenzen

Wenn RP-Redakteur Jochen Lenzen heute Abend in der Premiere der Creinvelt-Sitzung auftritt, feiert er ein Jubiläum: Seit 40 Jahren steht er auf der Creinvelt-Bühne. Er hat viele Figuren und einen unverwechselbaren Stil entwickelt.

Als unser Kollege Jochen Lenzen den Artikel über das Jubiläum von Creinvelt anlässlich des 90-jährigen Bestehens der Gesellschaft geschrieben hat, erwähnte er einen wichtigen Namen nicht: seinen eigenen. Wer ihn kennt, der weiß, dass der Grund für diese Geste der Bescheidenheit vor allem darin liegt, dass er tatsächlich bescheiden ist. Sachlich geboten wäre es gewesen, den Namen Lenzen mit in die Chronik von Creinvelt aufzunehmen. Lenzen feiert in diesem Jahr sein 40-jähriges Bühnenjubiläum im Creinvelt-Karneval. Er hat die Gesellschaft mit zu dem gemacht, wofür sie geschätzt wird: als Inbegriff für feine Familiarität, für selbstgemachten, originellen, krefeldgeborenen Karneval. "Jochen Lenzen geht immer wieder auf die Krefelder Szene ein, mit Charme und Verbundenheit zu Krefeld, nicht so, dass es wehtut, immer kameradschaftlich-freundlich", sagt Creinvelt-Präsident Georg Rupp.

Lenzen ist in Krefeld geboren und aufgewachsen und kennt die Stadt, die er seit vielen Jahren auch journalistisch begleitet, wie seine Westentasche. Bei Creinvelt hat er nicht als Solist angefangen, sondern im Duo mit Horst Krischer. So gaben sie Vater und Sohn mit unterschiedlichem Musikgeschmack - Jochen Lenzen übernahm als Jungspund den Part des Sohnes. "Er hat den Elvis gemacht; die haben das schön ausgespielt", erinnert sich Rupp.

 Im Narrengewand die Wahrheit sagen - wie im Jahr 2000.
Im Narrengewand die Wahrheit sagen - wie im Jahr 2000. Foto: Creinvelt
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Zwei Amerikaner in Krefeld, zwei Schotten am Niederrhein - Lenzen und Krischer arbeiteten eine Weile zusammen, bis Lenzen schließlich mit Solo-Partien begann. So entwickelte er den spezifischen Lenzen-Sound samt den dazugehörigen Figuren als komplexe Parodien: Ob Lehrer, Punker, italienischer Koch, Literaturpapst Marcel Reich-Ranicki, Fremdenführer oder indischer Oberbürgermeisterkandidat - er spielte seine Figuren lustvoll aus, parodierte ihre Sorgen, Nöte und Macken und spiegelte alles in seiner Heimatstadt Krefeld, die bekanntlich auch nicht frei ist von Sorgen, Nöten und Macken. Lenzen war eben nie einer jener Lokalpatrioten, der vor lauter Liebe blind werden für die Schwächen ihrer Heimat. Dieser wache Blick war und ist gut für beides: für den Karneval und den Journalismus. "Jochen Lenzen ist nicht der Witze-Erzähler, der Pointe an Pointe reiht; seine Vorträge haben Tiefgang und präsentieren Charaktere", umschreibt Rupp die Art Büttenrede, die Lenzen entwickelte. Es gibt eine weitere Besonderheit: Lenzens Liebe zur deutschen Sprache. "Er kommt sehr von der Sprache her", umschreibt Rupp diese Eigenart, und wer Jochen Lenzen einmal aus der Nähe hat schreiben sehen, der weiß sofort, was gemeint ist. Vor allem seine Glossen - diese oft unterschätzte Kleinform journalistischen Schreibens - sagen viel über seine Lust an der ausgefeilten Formulierung. Lenzen ist jemand, der diese 20, 30 Zeilen, die unter dem Motto "Total lokal" in der Krefelder Stadtpost firmieren, erst aus der Hand gibt, wenn die Pointe sitzt, das heißt: wenn jede Silbe klingt und swingt und das Ganze den Leser mit leichter Hand zum Schluss führt. "Jochen Lenzen ist ein Mensch, der die Sprache wertschätzt und diese Wertschätzung lebt", sagt Rupp.

Seit einigen Jahren hat Lenzen eine weitere Rolle übernommen: die des Eisbrechers. Sie wird er auch heute bei der Creinvelt-Premiere ausfüllen. Rupps Rückblick gerät auch zum Versprechen für die Session: "Jochen Lenzen beleuchtet seine Heimat mit Herzenswärme und liebevoll kritisch - das ist das, was er wie kein zweiter kann."

(RP)