Geiselnahme in Krefeld: Polizei brach Opfer die Nase

Geiselnahme-Prozess in Krefeld : Angeklagter wollte sich angeblich von Polizei erschießen lassen

Ein in Krefeld angeklagter mutmaßlicher Geiselnehmer hat zu Beginn des Strafprozesses am Montag zu den Vorwürfen geschwiegen. Sein Opfer sagte aus, dass er sich habe erschießen lassen wollen.

Fast vier Stunden sei die Rentnerin in der Gewalt des Beschuldigten gewesen und mit einem Messer bedroht worden. Als er den Angaben zufolge von einer Spezialeinheit niedergeschossen und überwältigt wurde, brach die Polizei der 69-Jährigen die Nase - und das gleich dreifach.

Beim Zugriff und der Festnahme des Geiselnehmers wurde die Frau versehentlich im Gesicht verletzt und anschließend medizinisch und psychologisch behandelt. Die damals 68-Jährige war ein Zufallsopfer und nur zur falschen Zeit am falschen Ort. Im Nachhinein stufte die Polizei den Einsatz trotz der Verletzung der Frau als „gut verlaufen“ ein.

Großeinsatz in Krefeld: Bewaffneter hält Frau in seiner Gewalt

Laut Anklage hatte der 47-jährige drogenabhängige Deutsche mit der Geiselnahme seine Festnahme verhindern wollen. Doch seit Monaten kursiert in dem Fall ein anderes Tatmotiv: „Suicide by Cop“ - der Geiselnehmer habe von der Polizei erschossen werden wollen. Vom Richter darauf angesprochen, bestätigte das Opfer, dass der Mann gedroht habe: „Wenn ihr mich nicht erschießt, dann stech' ich die hier ab!“ Er habe ihr ein Messer an den Hals gehalten und gesagt, ihr werde nichts passieren.

„Ich habe gedacht, ich sterbe jetzt“, beschrieb die 69-Jährige ihre Todesangst. Eine Spezialeinheit befreite die Frau nach fast vier Stunden und schoss dem mutmaßlichen Geiselnehmer dabei in die Beine. Der kam am Montag auf Krücken in den Gerichtssaal. Das Geschehen hatte sich vor knapp einem Jahr am Krefelder Busbahnhof abgespielt. Ein Einkaufszentrum war evakuiert worden.

Die Freundin des Angeklagten hatte der Polizei zuvor einen Tipp gegeben: Ihr Freund mache ihr Sorgen, auch weil er Sympathien für den Berliner IS-Attentäter Anis Amri geäußert habe. Früher soll der Angeklagte rechtsradikal gewesen sein.

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(seeg/dpa)
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