Krefeld: SEK beendet Geiselnahme am Hauptbahnhof

SEK-Einsatz am Hauptbahnhof : So lief die Geiselnahme in Krefeld ab

Großeinsatz in Krefeld: Bewaffneter hält Frau in seiner Gewalt

Ein 46-jähriger Krefelder hält eine Seniorin am Samstag fast vier Stunden an der Haltstelle "Am Hauptbahnhof" in seiner Gewalt. Eine SEK-Einheit beendet das Drama mit einem Schuss auf ein Bein des Täters. Das Opfer wird im Gesicht verletzt.

Mehr als dreieinhalb Stunden lang hat ein Mann am Samstag Polizei und Rettungskräfte in Atem gehalten: An der Haltestelle "Am Hauptbahnhof" hatte er gegen 12 Uhr eine 68-jährige Frau in seine Gewalt gebracht und mit einem Messer bedroht. Obwohl die Beamten einen Schusswaffengebrauch androhten, hielt der Täter die Seniorin weiterhin in seiner Gewalt. Um keine Unbeteiligten zu gefährden, sperrte die Polizei das Gelände weiträumig ab und sah von einem Zugriff mit Waffeneinsatz ab.

Schließlich beendete ein Sondereinsatzkommando (SEK) um 15.40 Uhr das Drama, indem der Täter, ein der Polizei wegen Drogenvergehens bekannter 46-jähriger Krefelder, mit einem Beinschuss außer Gefecht gesetzt und festgenommen wurde. Die Frau erlitt Gesichtsverletzungen, wurde seelsorgerisch betreut und befindet sich nach Polizeiauskunft auf dem Weg der Besserung.

Die Kriminalpolizei hatte den 46-Jährigen am Vormittag in seiner Wohnung überprüfen wollen; er war jedoch nicht zu Hause, erklärte Polizeisprecherin Karin Kretzer. Die Beamten brachten aber in Erfahrung, dass er sich im Bereich des Bahnhofs aufhalte, traf ihn auch an der Haltestelle südlich des Hansa-Zentrums an und wollte ihn in Gewahrsam nehmen. Der Mann widersetzte sich, ergriff die 68-Jährige, die dort stand, und bedrohte sie mit einem Messer mit einer etwa zehn Zentimeter langen Klinge. Da der Täter bis zuletzt keine Forderungen stellte, handelte es sich laut Polizei nicht um eine Geiselnahme, sondern eine "Bedrohungslage".

Die Chronologie: Kurz nach 12 Uhr fahren erste Polizeiwagen mit Blaulicht am Bahnhof vor. Der Täter hat sich mit seinem Opfer unter eines der überdachten Wartehäuschen am südlichen Eingang des Hansa-Zentrums begeben, wo er die Frau weiterhin mit dem Messer in seiner Gewalt hält. Wenige Minuten später - die Polizei rückt mit weiteren Wagen an - ist der nähere Bereich abgesperrt; bis gegen 12.45 Uhr sind auch das Hansa-Zentrum geräumt und weitere Bereiche um den Einsatzort gesperrt. Polizisten hatten sofort persönlichen Gesprächskontakt mit dem Täter aufgenommen, der nach Polizeiangaben auch antwortete. Auch die Frau sei ansprechbar gewesen.

Da der Mann offenbar nicht zum Aufgeben bereit ist, wird das SEK angefordert, dessen Beamte gegen 13.30 Uhr vor Ort sind und beginnen, ihre Einsatzanzüge anzuziehen. Etliche Rettungs- und einige Feuerwehrwagen stehen schon seit Beginn des Polizeieinsatzes bereit. Während zwei weiterer Stunden - die Polizei kann dauerhaften Kontakt mit Täter und Opfer halten - ändert sich die Lage nicht.

Um 15.20 Uhr kommt Bewegung in die von vielen Neugierigen verfolgten Szene: Beamte einer Hundertschaft fahren heran. Kurz zuvor hat die Polizei noch eine letzte Person, eine Frau mittleren Alters, aus dem Hansa-Zentrums geführt. Um 15.30 Uhr rollen Rettungskräfte zwei Notliegen näher heran. Fünf Minuten später wird die zuvor schon kaum mögliche Sicht auf die etwa 80 Meter entfernte Haltestelle durch einen weiteren Einsatzwagen komplett unterbunden.

Plötzlich - es ist 15.40 Uhr - knallt es zweimal. Während die Notliegen zum Wartehäuschen gerollt werden, ruft ein Polizist nach der Seelsorgerin. Kurz darauf wird die Seniorin in Sicherheit gebracht und ärztlich versorgt. Der angeschossene Täter wird in ein Krankenhaus transportiert. Wie Polizei und Staatsanwaltschaft mitteilten, wird der 46-Jährige einem Haftrichter vorgeführt, sobald dessen medizinische Versorgung dies zulässt.

(RP)
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