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Das verlorene Sportjahr 2020 im Kreis Kleve

Rückblick : Das verlorene Sportjahr 2020

Die Corona-Pandemie hat das Sportjahr in der Region geprägt. Im Amateursport herrschte größtenteils Stillstand. Ein Rückblick auf 2020 und ein Ausblick auf 2021.

Das Sportjahr 2019 im Kreis Kleve nahm das bekannte Ende. Pfalzdorf feierte ein großes Fest, als 2930 Sportler bei der 32. Auflage des Sylvesterlaufs den Schlusspunkt hinter zwölf ereignisreiche Monate setzten. Die Veranstaltung mit Tradition findet auch 2020 statt. Doch kein Sportler wird gefeiert, die Straßen bleiben leer, gelaufen wird virtuell – ein Wort, das 2020 in Mode gekommen ist. Das Jahr wurde von einem anderen Wort bestimmt: Corona.

Das heimtückische Virus sorgte dafür, dass 2020 ein verlorenes Sportjahr ist. Spätestens seit März fehlte fast alles, was den Sport ausmacht: Emotionen, unbändige Freude, abgrundtiefe Enttäuschung, geselliges Miteinander, gemeinsame Feiern in unbeschwerten Zeiten. Die Fußballer des SV Straelen, die Handballerinnen des TV Aldekerk oder die Tischtennisspielerinnen von WRW Kleve mussten ihre großen Erfolge im stillen Kämmerlein bejubeln. Rauschende Feiern waren in Corona-Zeiten verboten.

Das Virus stoppte den Sport im März das erste Mal. Meister und Aufsteiger mussten nach der Quotientenregel – noch ein Wort, das 2020 im Sport in Mode gekommen ist – ermittelt werden. Absteiger gab es in vielen Sportarten nicht, weil die Saison nicht regulär beendet werden konnte. Aber selbst das war für die Teams, die es sonst erwischt hätte, wohl nur ein schwacher Trost, weil 2020 im Sport fast nichts so sein durfte, wie es sein sollte.

Es gibt Eindrücke, die haften bleiben. Das Bild etwa, wie der Fußball-Oberligist 1. FC Kleve eines der größten Spiele seiner Klubgeschichte im leeren Essener Stadion an der Hafenstraße bestreiten muss. Beim 1:3 im Finale des Niederrheinpokals gegen RW Essen sind keine Fans zugelassen – ein Geisterspiel. Jule Gipmann von Viktoria Goch wird Deutsche U-20-Meisterin im Diskuswurf, was nicht entsprechend gewürdigt werden darf. Die Athletin muss sich ihre Goldmedaille irgendwo im Stadion abholen, eine Siegerehrung ist verboten. Der 1. FC Kleve und Gipmann werden indes froh sein, dass es für sie 2020 überhaupt möglich war, diese Erfolge zu schaffen. Viele Sportler hatten erst gar nicht die Chance, ihre Ziele zu erreichen. Corona verhinderte Meisterschaften, Turniere, Breitensport-Veranstaltungen.

Schon jetzt ist klar, dass auch 2021 kein normales Sportjahr werden kann. Der Amateursport ist seit November erneut im Lockdown, der überfällig war, weil es zuvor schon wegen Corona keinen richtigen Spaß mehr gemacht hatte. Ein Ende der Auszeit ist nicht absehbar. Die Funktionäre in den Sportverbänden haben als erste Aufgabe für 2021, dass zu retten, was von der Saison noch zu retten ist. Leicht wird’s nicht.

Die Hoffnung ist, dass der Sport in kleinen Schritten zur Normalität zurückkehren kann. Dass ehrenamtliche Vorstandsmitglieder in den Vereinen sich nicht mehr damit beschäftigen müssen, aufwändige Hygienekonzepte zu erstellen, um Sport vor Ort möglich zu machen. Dass die Pandemie den Sport nicht zu viele Mitglieder gekostet hat. Dass der Sport wieder das ist, was ihn ausmacht, Emotionen ohne Einhaltung von Abstandsregeln ausgelebt werden können, Zuschauer auf den Rängen mitfiebern, Jung und Alt aktiv sein dürfen.

Der Weg bis dahin scheint noch sehr weit zu sein. Doch die Hoffnung bleibt, dass am letzten Tag des Jahres 2021 in Pfalzdorf gelaufen und gefeiert werden kann. Auf den Straßen und nicht virtuell.