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Kunstverein Leverkusen gibt Ausblicke auf 2021

Vier neue Ausstellungen und zwei nachgeholte Projekte : Kunstverein Leverkusen gibt Ausblick auf 2021

Vier neue Ausstellungen und zwei nachgeholte Projekte sind in den Remisen von Schloss Morsbroich vorgesehen. Auch in der fast verlassenen City C soll Kunst einziehen.

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben, heißt es beim Kunstverein Leverkusen. Die beiden letzten Projekte des schwierigen Jahres 2020 mussten wegen des Lockdowns abgesagt werden. Aber sowohl das Open Space mit dem Leverkusener Fotokünstler Jo Seibt als auch die ungewöhnliche Kunstaktion mit Schauspiel und Film von Laura Sundermann und Krzyzstof Honowski werden im neuen Jahr nachgeholt, verspricht die stellvertretende Vorsitzende Susanne Wedewer-Pampus.

Als Kunsthistorikerin ist sie für den programmatisch-inhaltlichen Part zuständig. Die Termine stehen derzeit noch nicht fest, ebenso das ursprünglich für Januar/Februar geplante Gastspiel von Manfred Rücker, der in den Kunstvereins-Räumen in den Remisen von Schloss Morsbroich eine Art Musikmaschine aufbauen und bespielen will. Diese Konzerte werde man online verfolgen können.

Eines haben die Verantwortlichen im Kunstvereinen im Corona-Jahr 2020 lernen müssen: flexibel zu bleiben, was Termine und Umsetzung der geplanten Ausstellungen angeht. Trotz aller Widrigkeiten waren die letzten Präsentationen besonders gut besucht. 640 Menschen in vier Wochen zählte man im Sommer, als Birgit Jensen „Monde“ zeigte, und 360 waren es zuletzt bei der weniger bekannten Hagar Elazari. Da habe man wohl durch deren digitalen Ansatz auch eine neue Zielgruppe erreicht, schätzt Wedewer-Pampus. Digitalisierung der Gesellschaft wird auch beim Programm 2021 eine Rolle spielen. Schließlich versteht sich der Kunstverein als Podium für ganz aktuelle Positionen junger Künstler.

In der Hoffnung, dass Museen und Galerien mit Hygienekonzepten im Frühjahr wieder öffnen dürfen, steht für die Zeit vom 25. März bis 25. April Fari Shams auf dem Plan. Ihre Installation „The Pause“ hinterfragt, was das Digitale mit uns Menschen macht. Sie thematisiert die soziale Isolation während der Lockdowns und Kontaktbeschränkungen, geht also unmittelbar auf die Veränderungen im Jahr 2020 ein. Als Lösungsmöglichkeit hat sie eigene Spielelemente entwickelt, mit der man sich aus der Gefangenschaft befreien könnte.

Auch die zweite Ausstellung des nächsten Jahres, die Anfang Mai eröffnet werden soll, nutzt neue Medien. Roland Schappert, von dem auch schon Arbeiten im Museum Morsbroich zu sehen waren, nennt sein Projekt „mitten im hellen Nichts“ die Episode einer Ausstellung, die er als „Work in Progress“ versteht. Der konzeptuell arbeitende Künstler nutzt Text als Bild und umgekehrt das Bild als Wort. Er sucht eine neue Form der Begegnung von Kunst und Öffentlichkeit, indem er aktuelle Betrachter-Gespräche übernimmt und integriert.

„Unsere Orte der Kultur sind Denkorte, wo wir das demokratische Gut der Streitkultur thematisieren müssen“, erklärt Susanne Wedewer-Pampus den Wert der aktuellen Auseinandersetzung. Zugleich war es ihr wichtig, auch die klassischen Kunsttechniken zu präsentieren. Einmal mit der August-Ausstellung des Malers Stefan Steiner, in der er das Thema „Farbe“ durchdekliniert – mit Momenten der Bewegung. Unmittelbar werde die Betrachter die Urkraft des Werkes von Josef Wolf („ein Bildhauer wie er im Buche steht“) treffen, verspricht sie für die letzte Schau des nächsten Jahres. Er fügt riesige Steine zu Ensembles zusammen, die an eine Landschaft in der Bretagne erinnern, tatsächlich aber genau komponiert sind.

Parallel zur Ausstellungstätigkeit in den eigenen Räumen plant der Kunstverein in Kooperation mit Bayer Kultur ein Ausstellungsprojekt „Lost Places“ in der fast verlassenen Wiesdorfer City C. Ihre Beteiligung zugesagt haben bereits Künstler wie Boris Becker, Julia Bünnagel, Katja Davar, Manuel Graf, Gudrun Kemsa, Gereon Krebber und Johanna Reich. Sobald es wieder möglich ist, soll es auch Exkursionen geben.

Der Kunstverein Leverkusen Schloss Morsbroich wurde 1954 gegründet und betreibt eine eigene Galerie in den Remisen von Schloss Morsbroich. Den Mitgliedern bietet er zudem Fachvorträge, Atelierbesuche, Exkursionen, Arbeitskreise und Diskussionsrunden zu Themen der Kunst an. Info: www.kunstverein-leverkusen.de