Kleve: Serie Weihnachtslieder und wo sie gesungen werden.

Weihnachtslieder : Aus der Zeit des Hexenwahns

Serie Weihnachtslieder und wo sie zu hören sind: „Heiland reiß den Himmel auf“

„O Heiland reiß die Himmel auf“ ist ein kirchliches Adventslied, dessen Text nicht eindeutig einem Autor zugeschrieben werden kann; es ist jedoch sehr wahrscheinlich, dass Friedrich Spee (1591-1635) ihn verfasst hat. Erstmals erschien das Lied ohne Angabe des Verfassers in der 1622 gedruckten Liedersammlung „Das Allerschönste Kind in der Welt“. Auch der Komponist ist nicht bekannt; die bis heute gesungene Melodie in dorischer Tonart ist im Rheinfelsischen Gesangbuch von 1666 nachgewiesen. Das Lied fand rasch Eingang in katholische Liedersammlungen. Erst 1950 wurde es in das Evangelische Kirchengesangbuch aufgenommen und ist heute auch Liedgut freikirchlicher Gemeinden und im Mennonitischen Gesangbuch vertreten.

Friedrich Spee, Sohn eines adligen Amtmannes in Kaiserswerth bei Düsseldorf, trat mit 19 Jahren dem Jesuitenorden bei, wurde 1622 zum Priester geweiht und war danach als Seelsorger sowie Theologieprofessor tätig. In dieser Zeit wütete der Dreißigjährige Krieg – Grund genug für Spee, „O Heiland reiß die Himmel auf“ auszurufen. Das Lied thematisiert in sieben Strophen das Leitmotiv des Advents, die Sehnsucht nach dem Erlöser. Als Seelsorger besuchte Pater Spee die zum Tode verurteilten Frauen, die als „Hexen“ angeklagt waren, begleitete die Frauen und sogar Mädchen zum Scheiterhaufen und wurde angesichts des Leids zum Kritiker des Hexenwahns.

„Hier leiden wir die größte Not, vor Augen steht der ewig Tod“, klagt er in dem Lied. Für ihn ist das alles überhaupt nicht vereinbar mit Jesus, mit dem wirklichen Verstehen des Glaubens und der Liebe. Immer wieder grenzte Spee sich kritisch von seinem Orden ab, aus dem er auch zeitweilig ausgeschlossen wurde. Er sah die dunkelsten Abgründe und versprach sich Hoffnung und Hilfe von Gott: „O komm, ach komm vom höchsten Saal, komm, tröst uns hier im Jammertal.“ So klingt das Lied auch nicht so fröhlich, wie manch anderes Adventslied, stimmt kein Halleluja an, sondern hat vielmehr einen drängenden Ton: Der Heiland wird gebraucht, jetzt gleich, in einer Dynamik zwischen Klage und Sehnsucht „Wo bleibst du, Trost der ganzen Welt, darauf sie all ihr Hoffnung stellt?“. Das macht Spee mit den Mitteln der Sprache in der Zeit des Barock deutlich – und das ist neu und ungewöhnlich in dieser Zeit: Er bezieht Position und spricht Gefühle aus, die ihn bewegen und die er wecken will. Das sich wiederholende „O“ und „Ach“ ruft klagend und seufzend schmerzhaft wach, welche unsägliche Not ihn bewegt. Zugleich malt er in dunkler Zeit kraftvoll leuchtende Bilder der Hoffnung: „Sonne“, „Stern“, „Trost“ und „starke Hand“. Spee versteht diese als Bilder für die Geburt Jesu. Advent ist die Zeit des Wartens: Auf die Erlösung, die Vergebung unserer Sünden. Und so manche Not gibt es auch noch hier auf Erden. Grund genug also, aus vollem Herzen zu singen: „O Heiland, reiß die Himmel auf“!

Das macht der Kolpingchor 1890 Goch am 8. Dezember 2019 um 9.30 Uhr in der Pfarrkirche St. Maria Magdalena Goch anlässlich des Kolping-Gedenktages.