Kleve: Kunstwerk von Günther Zins für Passau

Ein Klever in Passau : Der balancierende „Würfel für Passau“

Das Museum Moderner Kunst in Passau gilt als Zentrum für zeitgenössische Kunst in der Stadt an der Donau. Dort zeigt der Klever Künstler Günther Zins bis Februar seine Werke. Auf dem Dach hat er ein 2,6 Meter hohes Werk installiert.

Hoch über den Dächern der Stadt an der Donau schwebt eine mit matt schimmerndem Edelstahl in den hellblauen Winterhimmel gezeichnete Skulptur. „Würfel für Passau“ heißt des 2,60 Meter große Werk. Entworfen und installiert in der bayrischen Universitätsstadt hat die Skuptur der Klever Künstler Günther Zins, dem das Museum Moderner Kunst - Wörlen (MMK) derzeit eine große Ausstellung widmet, die bis Ende Februar dort zu sehen sein wird.

Die Passauer Museumsdirektorin Marion Bornscheuer schwärmte zur Eröffnung der Ausstellung fast prosaisch von dem Werk, das „artistengleich auf einer Ecke mit einer das Gleichgewicht sichernden Stange auf dem Dach des MMK balanciert – das museale Herz der Altstadtspitze“. Das kommt nicht von ungefähr: „Die Zeichen stehen gut, dass die Arbeit langfristig dort auf dem Museum in Passau bleiben wird“, sagt Günther Zins nicht ohne Stolz auf die Arbeit im öffentlichen Raum. Bornscheuer erzählte in ihrer Eröffnungsrede auch von der alten Schokoladen(Kakao-)Fabrik in Kleve aus der Gründerzeit, in der Zins noch sein Atelier hat.

Der Klever Künstler Günther Zins. Foto: Markus van Offern (mvo)

Skulpturen des Klever Bildhauers gehören in vielen Städten zum öffentlichen Raum: am Niederrhein, im Ruhrgebiet, in Frankfurt/Oder oder in Frankfurt/Main hat er die immer neuen, wohl nie auserzählten linearen Zeichnungen im Raum installiert, seine Würfel und Quader, seine Auseinandersetzung mit Perspektive und Gewicht und Leichtigkeit. Es sind Werke, die den Raum immer nur umreißen, das Volumen aufzeigen, es letztlich aber leer lassen. So wirken selbst seine gigantischen Phantasien von Würfeln auf Bergspitzen stets leicht, schwebend, von der Masse befreit.

In Kleve steht Ri Ri Ring auf dem Dach der Wandelhalle des Museums Kurhaus, versinken seine Würfel im Forstgarten oder schweben gigantisch im Park von Moyland über dem Weg. Er schaffte es, ein monumentales Werk im Mokpo Sculpture Park in Südkorea zu installieren. Seine Arbeiten gehören in Geldern zum Straßenraum, selbstverständlich ins Museum Goch, das ihm seinerzeit eine große Ausstellung zusammen mit Moyland widmete, begrüßen in Düsseldorf Studenten der Uni. In Kranenburg schwebt ein Würfel zweidimensional über dem Wallgraben.

Für Kleve liegt ein Projekt auf dem Tisch, das sehr schön mit den Gegensätzen von umrissener Form ohne Masse und Arbeiten mit dieser Masse spielt. Der „gelernte“ Maler/Zeichner Zins, der als Bildhauer mit Stahl seine Formen in Linien auflöst und sie dann mit dem Stahl „zeichnet“, möchte zusammen mit dem Steinbildhauer Christoph Wilmsen-Wiegmann das Experiment wagen, die Leichtigkeit der Linien gegen die Masse des steinernen Körpers zu stellen. Stahl trifft sozusagen auf Granit oder Basalt. Denn Wilmsen-Wiegmann schlägt seine Skulpturen aus teils uralten Steinen, aus Stücken, die von der Geschichte der Erde und des Steins erzählen.

Es wäre ein Werk im öffentlichen Raum, das einen Platz auf den Rasenstücken im neuen Wallgraben-Park haben könnte. Da aber erst der Park fertig werden muss, könnte das noch dauern. Denn es scheint, dass man sich in Kleve ziert, den Park bis an Ufer des Spoykanals als grüne Linie durchzuziehen und so der Linie der Skulpturen Raum zu geben.

In Passau hat Zins seinem Würfel noch eine Linie zugefügt, die wie die Stange eines Artisten dem Würfel bei der Balance zu helfen scheint. Und noch ein bisschen mehr die Perspektive der Strichzeichnung da oben im Himmel verwirrt.