Kleve: Kinderorchester NRW gastierte mit "eXperience" in der Stadthalle

Konzert in der Stadthalle : Kinderorchester NRW mit „eXperience“ in Kleve

Beeindruckendes Gastspiel des NRW-KInderorchesters in der Stadthalle Kleve

Die mit Stühlen und Pulten gefüllte Bühne versprach eine riesige Orchesterbesetzung, Laptop und Mischpult vorne am Bühnenrand ein ungewöhnliches Klangerlebnis. Mit rund achtzig jungen Musikern bereiste das Kinderorchester NRW in der Klever Stadthalle – und brachte einen besonderen Gast mit: Eva Pöpplein, Tonmeisterin, Computermusikerin und DJane, sollte in einem Live-Remix die aufgeführten Stücke neu erklingen lassen und spannende Übergänge zwischen akustischer und elektronischer Musik schaffen.

Neugierig machte auch das Konzert-Intro: Plötzlich erklang das soeben gehörte Stimmen der Instrumente aus den Lautsprechern, und in dieses Echo blendete Pöpplein Zitate einzelner Orchestermitglieder ein, die ihre Assoziationen beim Hören der elektronischen Klänge beschrieben und begeistert von dem Projekt berichteten. Dirigent Andreas Fellner schwärmte, die Musik werde auf diese Weise „ergänzt, aufgebrochen, erneuert“, ja „völlig umgestaltet“.

Nach solch spektakulären Ankündigungen wirkte der Konzertablauf erstaunlich zivilisiert. Die Orchesterstücke wurden teils ganz unverfremdet gespielt, teils pausierte das Orchester zwischendurch, um einer elektronischen Episode Raum zu geben: Da plätscherte, tropfte, knisterte, klickte oder rauschte es, wie von fern wehten Themen und Motive der soeben gehörten Stücke vorbei: Eine Bach-Passacaglia, Carillon und Farandole aus Bizets „Arlésienne“-Suiten oder Tänze aus dem Musical „Anatevka“.

Es spricht für Eva Pöpplein, dass sie die Originalwerke mit respektvoller Zurückhaltung anfasste – nur selten erklangen elektronische und Live-Musik gleichzeitig, man fiel sich nicht gegenseitig ins Wort, sondern hörte einander zu.

Doch waren gerade die Momente der Überblendung spannend und wirkungsvoll: wenn etwa die elektronisch verfremdeten Geräusche mehr und mehr anschwollen und auf dem Höhepunkt des Lärms schließlich das Orchester in wuchtigem forte wieder einsetzte. Von solchen Interaktionen und Verschmelzungen hätte sich die Künstlerin noch mehr trauen dürfen.

Die zuvor angekündigte „Verwandtschaft zur Clubmusik“ weckte jedenfalls falsche Erwartungen – es waren eher vielfarbige Klanglandschaften zum Genau-Hinhören als groovende Beats. Sympathisch und lebendig die immer wieder eingestreuten Musikerzitate, in denen man das Gefühl bekam, die jungen Menschen auf der Bühne etwas besser kennenzulernen.

Am meisten beeindruckte in der Stadthalle jedoch, auf welch professionellem Niveau dieses Orchester aus Neun- bis Vierzehnjährigen sein stattliches Konzertprogramm bewältigte. Von dieser Leistung waren offensichtlich auch die vielen jungen Zuhörer im Saal sichtlich bewegt.

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