Theater im Fluss : Die Fassade der heilen Familie fällt

„Sushi für alle“ feierte als Familienkomödie Premiere beim Theater im Fluss.

Wer sich über das Internet mit einem Unbekannten verabredet, macht einen Schritt ins Ungewisse. Das erlebt auch Alban, ein einsamer Zahnarzt, der beim ersten Date eigentlich Johanna erwartet, die er im Email-Wechsel als feinsinnig und kultiviert kennengelernt hat. Es erscheint aber deren Ehemann Ingo, unheilbar krebskrank, der vorsorglich einen Partner für seine Frau sucht, einen würdigen Nachfolger seiner selbst.

Und auch Ingos Familie erweist sich als Überraschungspaket. Das Klever Theater im Fluss feierte jetzt seine Premiere mit der Familienkomödie „Sushi für alle“ des deutsch-isländischen Autors Kristof Magnusson. Unter der Regie von TiF-Leiter Harald Kleinecke setzten die Schauspieler die turbulente Geschichte mit viel Witz und Spielfreude um.

Wie einen Prolog begannen Heinz Rogosch als Ingo und Jan Schumacher als Alban im Vorraum des Theatersaals an der Ackerstraße. Die sehr zahlreichen Gäste (die Premiere war ausverkauft) saßen oder standen an den Tischen und bildeten somit die Kulisse für die erste Begegnung der beiden in einem Cafe. Sogleich fesselten sie die Zuschauer mit witzigen Verwechslungen und Missverständnissen. Weiter ging es im Theatersaal. Dort fielen die Fassaden der „heilen“ Familie, die Ingo in seiner Selbsttäuschung aufgebaut hatte. Gerold, der homosexuelle Sohn, macht eine Therapie: „Ich habe eine psychische Global-Klatsche.“ Andreas Giese überzeugte mit einem rasanten Auftritt, gab den neurotischen Sohn auch mit spürbarem Spaß.

Seine Schwester Gesine, Dozentin für Altgermanistik, hat sich und ihr Leben in der Wissenschaft versteckt. Dorothee Hoeing verkörperte sie stimmig und mit viel Situationskomik. Maren Evers als Ehefrau Johanna, die ihr Leben lieber außerhalb der Familie lebt, trat auf als schillernde Moderatorin von Wohltätigkeits-Veranstaltungen, ausgerechnet für Krebskranke. Ingo und Johanna haben „für alle Fälle“ einen „Glücksjoker“, das ist ein gemeinsamer Yoga-Urlaub zur Entspannung. Zwischendurch erschien immer wieder Jan Teunissen und lieferte das Sushi, denn die Familie bestellt lieber statt selber zu kochen. Jan Schumacher als Alban gab den charmanten Verführer.

Die Aussicht, Johanna als Ehefrau zu „übernehmen“, wenn Ingo stirbt, findet er inzwischen gut. Das Stück war gespickt mit absurd-komischen Momenten. Zum Schluss wendet sich das Schicksal, als klar wird, dass Ingo kerngesund ist. Die Familie aber hat gelernt und kann plötzlich entspannt und ehrlich miteinander umgehen. Das Happy-End kommt als wahrer „Glücksjoker“ für alle.

Es gab begeisterten Applaus und eine schöne Premierenfeier – mit Sushi - im Anschluss.

Weitere Aufführungen: 23. November und am 10. und 11. Januar jeweils um 20 Uhr.