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Bürger in Kamp-Lintfort fürchten die Kiesbagger

Kamp-Lintfort : Bürger wehren sich gegen den Kiesabbau

Die IG Dachsbruch  ist gegen die Aufnahme  des Wickrather Felds als Abgrabungsfläche in den Regionalplan Ruhr. Sie fürchtet, dass eine „einzigartige Natur- und Kulturlandschaft“  verlorengeht. Sie hat die Politik eingeschaltet.

Irmgard und Theo Rams genießen die Ruhe, die an der Geraden Straße zwischen Dachsberg und Oermter Berg herrscht. „In den 90er Jahren wurden hier Grünstreifen angelegt“, sagt Theo Rams, der  im Schatten eines alten Kirschbaums sitzt. Er blickt auf ein goldenes Weizenfeld. „Heute leben hier wieder Rebhühner. Es ist eine einzigartige Natur- und Kulturlandschaft.“

Doch mit diesem Stückchen heile Welt könnte es bald vorbei sein. 92 Hektar um das Bauernhaus der Familie Rams sollen im Regionalplan Ruhr als Abgrabungsbereich eingetragen werden. Dort soll unter dem Namen „Wickrather Feld“ Kies und Sand  gewonnen werden. Als Irmgard und Theo Rams von diesen Plänen hörten, aktivierten sie die Mitglieder der Interessengemeinschaft Dachsbruch. Diese hatte sich zweimal erfolgreich gegen die Auskiesung gewehrt, einmal 1998 und dann wieder 2008. „Diesmal ist die Fläche größer“, sagt Theo Rams. „Vor zehn Jahren waren 57 Hektar im Gespräch. Diesmal sind es 92.“  „Radfahrer genießen noch die unberührte Landschaft zwischen dem Oermter Berg und dem Dachsberg“, sagt IG-Dachsbruch-Mitglied Achim Rosemann. „Wenn hier ein  Baggersee liegt, ist es mit dieser Idylle vorbei.“ Wie die meisten der 20 Mitglieder setzt er auf das Argument des Tourismus.

Damals waren es vor allem betriebswirtschaftliche Gründe, die den Regionalverband Ruhr veranlassten, Teile des Dachsbruches doch nicht als Abgrabungsfläche im Regionalplan aufzunehmen. „Die Mächtigkeit des Rohstoffkörpers ist 25 bis 30 Meter“, sagt Theo Rams. „Davon sind aber drei bis 14 Meter Ton, Schluff und Erdreich.  Durch die schlechten Bedingungen wäre die Abgrabung hier viel kostspieliger als in anderen Gebieten.“ Ein anderes Problem ist heute der Abtransport von Sand und Kies. Eine Produktion von einer halben Million Tonnen entspräche bei 250 Arbeitstagen im Jahr täglich 80 vollen Sattelzügen. „Die Lastwagen würden vor allem über die B 510 und dann über die Geldernsche Straße durch Rayen unterwegs sein“, sagte René Schneider.

Der Landtagsabgeordnete traf sich gestern mit Vertretern der Interessengemeinschaft Dachsbruch. Es kamen auch SPD-Fraktionsvorsitzender Jürgen Preuß und Grünen-Fraktionssprecher Johannes Tuschen. „Sie müssen sich dort Verbündete holen.“ Er empfahl, den politischen Druck zu erhöhen,  mit Unterschriftsaktionen oder dem Besuch des Kreistages am nächsten Donnerstag um 16 Uhr in Wesel. Dort steht  der Regionalplan auf der Tagesordnung. Entschieden werde auf höherer Ebene. „Auf der Bönninghardt machen die Bürger seit zehn Jahren politischen Druck“, sagte der Sozialdemokrat. „Einmal im Monat gibt es eine Mahnwache. Das wirkt“, sagte Schneider.

Trotzdem ist im Entwurf zum Regionalplan eine Trockenausgrabung von rund 40 Hektar in der Bönninghardt vorgesehen, die südwestlich der Autobahnabfahrt Alpen/Issum zwischen der Alten Weseler Landstraße und der Leucht liegt. Die dritte neue Fläche im Entwurf des Regionalplans ist rund 25 Hektar groß. Sie befindet sich zwischen der B 528, dem Schacht Norddeutschland und der Abgrabung südwestlich des Autobahnkreuzes Kamp-Lintfort.