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Kaarst: Schulzukunft ungewiss

Kaarst : Schulzukunft ungewiss

Im Oktober entscheidet der Rat über den Antrag auf Einrichtung einer Gesamtschule und die vorbehaltliche Auflösung von Haupt- und Realschule. Dem drohenden Ende sieht ESR-Leiter Daniel Wienold dennoch nicht tatenlos entgegen.

Dass seine Zeit an der Elisabeth-Selbert-Realschule (ESR) begrenzt sein würde, wusste Daniel Wienold, als er vor wenigen Wochen seinen Job in Büttgen antrat. Und er wusste, dass es schwer werden könnte, dem Kollegium angesichts einer ungewissen Zukunft Mut zu machen. "Diese Schule braucht eine Perspektive, deshalb versuchen wir, die nächste Zeit, wie immer sie aussehen wird, aktiv mitzugestalten", sagt der 42-Jährige. "Büttgen" ist Wienolds erste Schulleiterstelle.

Foto: Berns, Lothar

Im Juli hat der Stadtrat die Verwaltung beauftragt, bei der Bezirksregierung (BR) Düsseldorf einen Antrag auf Einrichtung einer vierzügigen Gesamtschule zum Schuljahr 2013/2014 am bisherigen Haupt- und Realschulstandort in Büttgen zu stellen. Eine zukunftsweisende Entscheidung ist nötig, weil die Hauptschule in Büttgen seit Jahren wegen geringer Anmeldezahlen um den Fortbestand kämpft. Für das laufende Schuljahr kamen zwar genügend Anmeldungen für eine Eingangsklasse zusammen. Mittelfristig, das wissen Verwaltung, Politik und Schulleitung seit langem, ist die Hauptschule aber ein Auslaufmodell. Eltern von 1162 Kaarster Erst- bis Drittklässlern wurden deshalb im Frühjahr von der Verwaltung gefragt, an welcher Schule sie ihr Kind nach der vierten Klasse lieber anmelden würden: an einer Sekundarschule oder an einer Gesamtschule. Das Votum fiel eindeutig für die Gesamtschule aus.

Am Standort der Hauptschule (oben) und der Elisabeth-Selbert-Realschule in Büttgen soll demnächst eine Gesamtschule entstehen. Foto: mreu, lber

Morgen (18 Uhr, Bürgerhaus) berät der Schulausschuss über den besagten Antrag, im Oktober schließlich entscheidet der Rat. Gleichzeitig muss die Politik die vorbehaltliche Auflösung von Haupt- und Realschule beschließen. Das bedeutet: Gibt die BR grünes Licht und kommen die für die Gründung einer Gesamtschule notwendigen 100 Anmeldungen zusammen, ist das Ende von ESR und Hauptschule besiegelt. Für das Schuljahr 2013/2014 würden keine neuen Klassen mehr gebildet, die vorhandenen schrittweise abgebaut. Spätestens mit dem Ausscheiden des letzten eingeschulten Jahrgangs, also der fünften Klasse im aktuellen Schuljahr 2012/2013, wäre dann Schluss.

Für Schulleitungen ist so eine "Sterbebegleitung" eine Herausforderung, auch aus organisatorischer Sicht. "Es müssen Abstimmungen bei den Stundenplänen und bei der Raumbelegung getroffen werden", sagt Wienold. "Außerdem müssen alle Fächer angeboten und unterrichtet werden, obwohl es ja laufend weniger Schüler und damit auch weniger Lehrer gibt." Zeit für Resignation ist trotzdem nicht. "Alles, was an der ESR läuft, soll auch weiter laufen", betont der neue Schulleiter. Zusätzlich arbeitet er an einem neuen Sportprofil. Dafür hat Wienold den VfR Büttgen ins Boot geholt. Auch die Einrichtung einer Bläserklasse kann er sich gut vorstellen. Denn: "Nichts", sagt er, "ist schlimmer, als sich seinem Schicksal tatenlos zu ergeben."

(NGZ)