Kaarst: Baudenkmal mit Flügeln

Kaarst : Baudenkmal mit Flügeln

Das Stirnrad und die Königswelle, beide aus massiver Eiche gebaut, sind noch von 1756, in vielen anderen Teilen aber ist die Braunsmühle in Büttgen neu aufgebaut worden. Ein Verein kümmert sich um das Denkmal.

Bürger bezeichnen den weißen Mühlenturm gerne als Tor zur Stadt Kaarst. Während der Museumssaison drehen sich jeden Sonntag die Flügel im Wind. Im Inneren erläutern ehrenamtliche Mühlenführer die Technik, im Café und auf der Terrasse genießen Ausflügler Kaffee und Kuchen. Ein Bild, das vor zehn Jahren kaum vorstellbar war. Damals waren die Fassade vergilbt, das Dach schwer beschädigt, die Flügel zum Teil abgebrochen, der Mühlberg einsturzgefährdet und das Gelände zugewachsen. Im Jahr 2000 nahm sich die Fördergemeinschaft Brauns-Mühle des Baudenkmals an.

Die in großer Eigenleistung restaurierte Mühle wurde 2004 für das Publikum geöffnet. "Wir bilden hier die Epoche der Industrialisierung ab. Wir haben das Glück, sowohl die windgängige Technik wie auch den elektrischen Mahlvorgang zeigen zu können", sagt Vorsitzender Ansgar Leitzke. Um den Betrieb kümmern sich zum Müller ausgebildete Vereinsmitglieder.

Erste Station der Führung ist die Durchfahrt, wo die Landwirte mit Pferdekarren ihr Getreide säckeweise anlieferten — mit dem instandgesetzten Elektromotor von 1906. Der Transport der Getreidesäcke in die zweite Etage erfolgte mit einem Seilzug, der durch die Windräder angetrieben wurde. Hier wurde das Korn zwischen Lager- und Läuferstein gemahlen. Das Mehl rutschte eine Etage tiefer und wurde dort in Säcke verpackt. Später richtete der Müller den elektrischen Mahlvorgang im ersten Stock ein. "Neben der Technik sind die Besucher vor allem von den Kräften, die hier wirken, fasziniert", sagt Ansgar Leitzke. Die Eindrücke gewinnen sie, nachdem weitere enge Holztreppen nach oben geklettert werden. Die von den Mühlenflügeln produzierte Kraft wird von Stirn- und Kronrad auf die Königswelle übertragen. Sie setzt schließlich die Zahnräder für den Mahlbetrieb in Gang. Das gesamte Gewicht der Königswelle liegt dabei zwei Etagen tiefer auf einem nur münzgroßen Metallplättchen des Haupttragbalkens.

Die Mühlengeschichte an diesem Standort geht weitaus länger zurück als das Alter der Brauns-Mühle. Um 1580 stand nachweislich an der Stelle bereits eine Windmühle. "Die alten Mühlen waren immer aus Holz und sind häufig nach Blitzeinschlägen abgebrannt", erzählt Leitzke. Nach solch einem Vorfall entschied sich 1756 der damalige Eigentümer Graf August Bernhard von Salm-Reifferscheidt-Dyck, eine Mühle aus Stein zu erbauen. Während das drehbare Dach (damit die Flügel in den Wind gestellt werden können) bei der Sanierung neu aufgebaut wurde, sind Stirnrad und Königswelle aus massiver Eiche noch Originale.

Von April bis Ende Oktober ist die Brauns-Mühle an der L 381 zwischen Neuss und Büttgen für viele Fahrradfahrer ein beliebtes Ziel, denn gleich zwei Wege für Radtouren kreuzen sich an dem Baudenkmal. Und auch der leckere selbstgebackene Kuchen im Café hat längst viele Freunde gefunden.

(stef)
Mehr von RP ONLINE